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Rubrik: Sport

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Hamburg

Kandidaten-Trio bei HSV-Wahl: Jansen & Hunke trennen Welten

Möchte HSV-Präsident werden: Marcell Jansen. Foto: Marcus Brandt
Möchte HSV-Präsident werden: Marcell Jansen. Foto: Marcus Brandt

Vordergründig geht es um das höchste Amt beim Hamburger SV, tatsächlich aber dreht sich alles um die Machtverhältnisse in der Fußball-AG. Deshalb tobt seit Wochen der Streit um den vakanten Präsidentenposten im Großverein HSV e.V. mit seinen 35 Sportabteilungen.

Vom Beirat des Vereins für wählbar befunden wurden drei Kandidaten: Ex-Fußballprofi Marcell Jansen, Ex-Präsident Jürgen Hunke und Ex-Schatzmeister Ralph Hartmann. Die Mitglieder entscheiden am Samstag, wer auf dem seit Mai 2018 verwaisten Stuhl des Präsidenten Platz nehmen darf.
Als Favorit gilt Jansen. Dem einstigen Linksverteidiger wird nachgesagt, ein Vertrauter und Gefolgsmann von Bernd Hoffmann, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der 2014 ausgegliederten Fußball-AG, zu sein. Jansen weiß, was Fans hören wollen: «Es ist eine große Aufgabe, den HSV zurück in die Bundesliga zu bringen. Die Mitglieder wollen, dass der e.V.-Präsident Einfluss auf die Strukturen der Fußball-AG nimmt», sagt der 33-Jährige und fordert mehr Sport- statt Wirtschaftskompetenz in den Führungsgremien.
Das löst bei Hunke Kopfschütteln aus. «Mir geht es ausschließlich um den Erhalt des HSV e.V., der Tradition, den Erhalt des Breitensportes - und eine eventuell drohende Insolvenz», erwidert der 75 Jahre alte Unternehmer, der stolz für sich in Anspruch nimmt: «Ich bin der einzige Hamburger, der seit 25 Jahren rote Schuhe trägt.»
Hunke und Jansen polarisieren. Zwischen den Antipoden steht Finanzfachmann Hartmann, der sich mit klugen Aussagen als Experte outet. «Ich möchte mich um die wirtschaftlichen Themen kümmern», sagt der 54 Jahre alte Diplom-Kaufmann und selbstständige Unternehmer und rückt damit von Jansen ab, der sich allein auf seine Sportkompetenz beruft und gar in Transferfragen bei den Profis mitreden will. Undenkbar für Hartmann: «Der Präsident hat 0,0 sportliche Verantwortung.»
Eigentlich soll sich der Präsident des e.V. zuvörderst um Leichtathleten, Gymnasten, Golfer und Tänzer kümmern. Doch am Fußball kommt keiner vorbei. Denn der 87 600 Mitglieder starke HSV ist mit 76,1 Prozent Mehrheitseigner an der Fußball-AG. Zum Vergleich: Klaus-Michael Kühne hält als größter Einzelaktionär 20,57 Prozent. Dem e.V.-Präsidenten steht ein Platz im Aufsichtsrat der AG zu, um diese zu kontrollieren. «Ich verzichte», sagt Hunke und nennt als Grund: Wer im Rat sitzt, haftet persönlich. Stattdessen will er in der Gesellschafterversammlung das entscheidende Wort sprechen.
Dagegen sitzt Jansen bereits seit knapp einem Jahr im Aufsichtsrat. Sollte er Präsident werden, heißt es, wolle er den Vereinsvize und Hoffmann-Vertrauten Thomas Schulz fest im Aufsichtsrat installieren. Derzeit sitzt Schulz dort nur interimsweise.
Eine explosive Mischung gäbe es, wenn Außenseiter Hunke gewinnt. Er und Hoffmann können so gar nicht miteinander. «In einem Zelt würde ich nicht mit ihm schlafen», sagt Ausgliederungsgegner Hunke und betont: «Der Vertrag zwischen e.V. und AG muss geändert werden.» Die mit 85 Millionen Euro verschuldete AG fordert der Ex-Präsident (1990 bis 1993) auf, endlich alle Zahlen auf den Tisch zu packen. Geht die AG pleite, will er den e.V. retten.
Acht Jahre nacheinander haben die Fußballer Defizite in einer Gesamthöhe von 66 Millionen Euro angehäuft. Im nächsten Geschäftsjahr droht ein weiteres Loch, vermutlich auf Rekordhöhe. Hunke glaubt, «das Kind ist schon in den Brunnen gefallen» und kündigt an: «Ich glaube, ich werde am Samstag die beste Rede meines Lebens halten.» Porträts der Kandidaten
Gremien des e.V.

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