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Rubriken: Top-Themen und Sport

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Frankfurt/Main

Historisch: Frankfurts Euro-Party geht gegen Chelsea weiter

Eintracht-Trainer Adi Hütter (r) jubelt mit David ...Eintracht-Trainer Adi Hütter (r) jubelt mit David Abraham. Foto: Arne Dedert
Eintracht-Trainer Adi Hütter (r) jubelt mit David Abraham. Foto: Arne Dedert
Eintracht-Trainer Adi Hütter (r) jubelt mit David Abraham. Foto: Arne Dedert

Am Morgen nach einer historischen Fußball-Nacht mit großen Emotionen schwebte Adi Hütter immer noch auf Wolke sieben.

«Es war ein tolles Gefühl, nach einem magischen Abend aufzuwachen und zu wissen, wir spielen jetzt gegen Chelsea», beschrieb der Trainer von Eintracht Frankfurt seine Freude über den erstmaligen Einzug der Hessen ins Halbfinale eines internationalen Wettbewerbes seit 39 Jahren.
Das 2:0 im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Portugals Rekordmeister Benfica Lissabon feierte Hütter mit Freunden bei «einem Glas Wein» - zuvor gab er seinen müden Schützlingen am Feiertag kurzerhand frei. «Sie sollen diesen Sieg auch im Kopf genießen», sagte Hütter. Für sich selbst verbuchte er den Vorstoß ins Halbfinale, wo am 2. und 9. Mai der englische Topclub FC Chelsea wartet, als «größten Erfolg meiner Trainerkarriere».
Der anhaltende Triumphzug über Europas Fußballfelder versetzte auch die Führungsriege und das euphorisierte Umfeld des Vereins in ausgelassene Jubel-Stimmung. «Es war ein ganz großer Abend und sicherlich auch ein historischer», sagte Vorstand Axel Hellmann mit glänzenden Augen und fügte fast staunend hinzu: «Halbfinale. Chelsea. Stamford Bridge. Ich habe vor 15 Jahren davon geträumt, in einem Pflichtspiel dort mal anzutreten.»
Die Eintracht unter den besten vier Teams in der Europa League - da müssen sich selbst die Verantwortlichen kneifen. «Wir sind sicher der überraschendste Halbfinalist. Da hat uns keiner erwartet», sagte Hütter. «Die Reise geht weiter. Wir freuen uns auf Chelsea.»
Das Weiterkommen zahlt sich für den hessischen Bundesligisten nicht nur finanziell aus, sondern steigert auch das Image des 120 Jahre alten Vereins enorm. «Es macht uns stolz, dass wir Deutschland als einzige Mannschaft vertreten. Das waren sonst immer die Bayern oder vielleicht Dortmund», sagte Sportvorstand Fredi Bobic. «Jetzt drücken uns alle die Daumen.»
Der vierte Vorstoß unter die besten vier Teams eines europäischen Wettbewerbes nach 1960 (Cup der Landesmeister), 1976 (Cup der Pokalsieger) und 1980 (UEFA-Pokal), als die Eintracht sogar den Pott holte, verändert die Wahrnehmung bei den Sponsoren und im Ausland. «Wir setzen ein Glanzlicht für die Bundesliga auf europäischem Parkett. Das ist außerordentlich und hilft uns auch bei Zukunftsthemen wie Infrastruktur und Internationalität», stellte Hellmann fest.
Innerhalb von zwei Jahren hat sich die einstige «Diva vom Main» von einem Fast-Absteiger zu einem gehobenen Mittelklasseteam mit nach oben offenen Grenzen entwickelt. «Wir sind kein gelebter und gewohnter Gast der europäischen Top-Wettbewerbe. Aber vielleicht müssen wir uns langsam daran gewöhnen, dass wir das können», sagte Hellmann.
Immerhin bekamen in der K.o.-Phase vor Benfica schon Inter Mailand und Schachtjor Donezk die Stärke der Eintracht zu spüren - ganz zu schweigen von Olympique Marseille und Lazio Rom, die in der Gruppenphase chancenlos waren. «Wir haben von zwölf Spielen nur eines verloren und neun gewonnen - das ist der Wahnsinn», bilanzierte Bobic. Und Hütter ergänzte: «Es ist außergewöhnlich, was die Mannschaft bisher geleistet hat.»
Hellmann hatte für die glanzvollen internationalen Auftritte eine ganz einfache Erklärung parat: «Ich glaube, die Spieler sind in einem Europa-Tunnel. Wenn hier die Lichter angeknipst werden, die Europa-League-Hymne kommt und die Choreographie aufgeht, fühlen die sich, als wären sie in einen Zaubertrank gefallen.»
Das war auch am Donnerstagabend der Fall. Mit Herz, Kopf und Leidenschaft wurde der Tabellenführer aus Portugal bezwungen. Dass Schiedsrichter Daniele Orsato (Italien) beim Führungstor eine klare Abseitsstellung des Schützen Filip Kostic (37.) übersah, verbuchte Hütter als das «nötige Quäntchen Glück». Sein Team, für das BVB-Leihgabe Sebastian Rode (67.) vor 48 000 Zuschauern zum 2:0 traf, habe aber eine ganz starke Leistung gezeigt und in der Summe verdient gewonnen. «Es war ein perfektes Spiel und ein perfekter Abend.»
Der hätte am Ende fast noch einen bitteren Beigeschmack bekommen, weil einige Fans nach dem Abpfiff vor Freude beinahe auf den Platz gestürmt waren. Erst im letzten Moment besannen sie sich und feierten ihre Lieblinge eine halbe Stunde lang am Spielfeldrand.
«Es war die pure Freude, die muss auch erlaubt sein», sagte Bobic und blickte voller Vorfreude auf das Duell mit Chelsea voraus: «Da lassen wir uns wieder berauschen.» Mittelfeldspieler Gelson Fernandes war in Gedanken sogar schon einen Schritt weiter: «Unser Traum ist jetzt Baku.» Dort steigt am 29. Mai das Finale.


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