20.01.2013

Sportler im Holocaust

Gedenkveranstaltung und Ausstellung im Nienburegr Rathaus

Nienburg (DH). Der Nationalsozialismus missbrauchte den Sport auf vielfältige Weise. Nicht nur war Sport und die sportliche Erziehung Teil des rassistischen Menschenbildes im NS-System. Sportlerinnen und Sportler, die nicht in diese Ideologie passten, wurden auch aktiv bis hin zur Ermordung verfolgt. Und Sport in Anführungsstrichen diente selbst der Verfolgung und Unterdrückung von Menschen. In der Schule, in der Öffentlichkeit und vor allem in den Konzentrationslagern wurde „Sport“ zur Disziplinierung und Bestrafung oder gar als Folter eingesetzt.

Mit diesen erschreckenden Tatsachen befasst sich der Arbeitskreis Gedenken in seinen diesjährigen Veranstaltungen. Aus Anlass des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz findet am Samstag, 26. Januar, das „Forum des Gedenkens“ statt. Im Mittelpunkt steht die Lebensgeschichte des jüdischen Boxers Hertzko Haft, der dem Tod im Gas nur entging, weil er in Schaukämpfen in einem Außenlager von Auschwitz bis kurz vor Kriegsende für die SS in den Ring steigen musste. Seine Geschichte erzählt und zeigt in Bildern Reinhard Kleist, der mit dem Comic-Roman „Der Boxer“ international Anerkennung erwarb. Aber auch die Jugend kommt wieder zu Wort, berichtet aus eigenen Gedenkprojekten und Schul-AGs und zeigt Ergebnisse der dokumentarischen Arbeit wie den Film der Nienburgerinnen Felicitas Badtke, Julia Schröder und Johanna Wittneben „Auf den Spuren der jüdischen Gemeinde“. Außerdem werden sportliche Einlagen von engagierten Jugendlichen aus Nienburg und Minden erwartet.

Mit dieser Veranstaltung, die am Samstag um 9:30 Uhr im Nienburger Ratssaal beginnt, will der Arbeitskreis Gedenken auch auf Rukeli (Johann) Trollmann aufmerksam machen, von dessen Leben das Theaterstück „ZigeunerBoxer“ handelt, das am 8. April im Nienburger Budox Sport Park und in der Leintorschule aufgeführt wird. Das Schicksal des boxenden Sinto bildet eines der Themen der Ausstellung „Sie wollten uns nicht siegen sehen“, die der Arbeitskreis am Sonntag, 27. Januar 2013, um 11:15 Uhr im Vestibül des Rathauses eröffnet. Mit ihren Bildtafeln verdeutlicht die Präsentation, wie Sportlerinnen und Sportler im Nationalsozialismus nur aufgrund ihrer Abstammung drangsaliert, verfolgt, eingesperrt und am Ende ermordet wurden. Die Ausstellung will aber zugleich für Respekt im Sport werben und endet mit hoffnungsvollen Beispielen des Widerstandes gegen Antiziganismus und Antisemitismus im Sport heute.

Das Stück „ZigeunerBoxer“ von Rike Reiniger wird am 8. April sowohl als Schulvorstellung in der Leintorschule (9:45 und 11:45 Uhr) wie als Abend-Premiere im Budox Sport Park (20 Uhr) aufgeführt. Die Abendveranstaltungen dürfte ein besonderes Erlebnis werden, denn die Inszenierung des Westfälischen Landestheaters wird dabei erstmals in einem Boxring stattfinden. Tickets dafür sind in der Theaterkasse Nienburg im Stadtkontor erhältlich; Interessierte an den Schulvorstellungen wenden sich bitte direkt an die Leintorschule.

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Erstellt:
20. Januar 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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