Die Beteiligten des Austauschs über Sprachförderangebote. Foto: Rahn Schulen

Die Beteiligten des Austauschs über Sprachförderangebote. Foto: Rahn Schulen

Nienburg 12.06.2021 Von Die Harke

Sprachförderung im Landkreis Nienburg stagniert durch Corona-Regeln

Rahmenbedingungen bedarfsgerechter Sprachkursangebote im Landkreis Nienburg: Sprachkursträger informieren heimische Bundestagsabgeordnete

Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zugelassenen Sprachkursträger im Landkreis Nienburg setzen gemeinsam das bundesdeutsche Gesamtprogramm Sprache vor Ort um. Mit ihrem bedarfsorientierten und umfänglichen Angebotsspektrum der Sprachförderung im Bereich Deutsch als Zweitsprache leisten sie einen wichtigen Beitrag für die gesellschaftliche und arbeitsmarktliche Integration zugewanderter, nicht Deutsch sprechender Menschen.

Sprache ist der wesentliche Schlüssel für Integration; Integration in Gesellschaft und am Arbeitsmarkt beginnt mit Sprache. Jede Integrationsförderung fremdsprachiger Zugewanderter beginnt mit Sprachförderung, deshalb erfüllen Sprachkursträger mit der Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse in Integrations- und Berufssprachkursen einen grundlegenden Integrationsauftrag.

Mehrheitlich sind Sprachkursträger private Bildungseinrichtungen, die auf sich ändernde Bedarfe des Bildungs- und Arbeitsmarktes flexibel reagieren können. So ist es in guter und steter Kooperation mit dem Landkreis, der Volkshochschule (VHS), dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit gelungen, den aufgrund der sog. Flüchtlingswelle immens gestiegenen Bedarf an Sprachkursplätzen zu decken: Von 2016 zu 2018 konnte das Sprachkursangebot im Kreis Nienburg von 15 auf 43 Kurse fast verdreifacht werden, in 2016 wurden 322 Teilnehmende unterrichtet, in 2018 waren es 812 Teilnehmende; in 2019 wurde das Vorjahresniveau nochmals geringfügig gesteigert.

Anfang Juni hatten die im Landkreis tätigen Sprachkursträger Ausbildungsstätten Rahn, BNW und DAA die heimischen Bundestagsabgeordneten Maik Beermann, Katja Keul und Marja-Liisa Völlers zu einem Austauschgespräch eingeladen, um mit ihnen über hinderliche und förderliche Rahmenbedingungen erfolgreicher BAMF-Sprachförderung zu sprechen. Ebenfalls anwesend waren die VHS, das Jobcenter, die Agentur für Arbeit und die Leitung der Austauschrunde der Sprachkursträger, angesiedelt bei der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe des Landkreises. Begrüßt wurden die Anwesenden im Forum der VHS von der zuständigen Dezernentin des Landkreises, Kathrin Woltert.

Die Sprachkursträger zeigten den Bundestagsabgeordneten anhand ausgewählter Schwerpunktthemen auf, welche Rahmenbedingungen ein bedarfsgerechtes örtliches Sprachkursangebot – und damit die Integration Zugewanderter – erschweren oder erleichtern und gaben ihnen praxisfundierte Anregungen nach Berlin mit. Dazu gehören etwa die Reduzierung der vorhandenen bürokratischen Überregulierung der BAMF-Sprachkurse, die Anforderung immer wieder neuer Zusatzqualifikationen der Sprachdozenten, die Ermöglichung bedarfsgerechter Vor-Ort-Lösungen, die Förderung der Digitalisierung sowie die konzeptionelle Berücksichtigung realistischer Stundenmengen, die erwachsene Lerner für eine erfolgreiche Alphabetisierung benötigen.

Die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse war quasi einem Töpferkurs gleichgestellt. Träger der Bildungseinrichtungen

Angesichts der Pandemiesituation wurde das Treffen genutzt, Unmut darüber zu äußern, dass die niedersächsische Corona-Verordnung den eigenständigen Bildungsbereich der Integrations- und Berufssprachkurs fast zehn Monate lang übersehen hatte, was zu großer Rechtsunsicherheit seitens der Sprachkursträger führte. Die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse war quasi einem Töpferkurs gleichgestellt.

Nicht minder gravierend sind die gesellschaftlichen Folgen pauschaler Unterrichtsverbote oder die zeitweilig ausschließliche Erlaubnis virtueller Unterrichtsformate für Sprachkurse: Seit März 2020 stagniert die Sprachförderung, die Zahl der begonnenen Kurse und die Menge der Teilnehmer-Eintritte hat sich in 2020 um 50 Prozent reduziert, die Menge der unversorgten Lernberechtigten oder -verpflichteten wächst stetig.

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Erstellt:
12. Juni 2021, 17:20 Uhr
Lesedauer:
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