Dörte Heger vom Kreisjugendamt (Zweite von links), Franziska Homann von der Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst (links) und Hanna Hittmeyer, Bildungsreferentin vom Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge (vorn), sowie die Jugendlichen Lisa, Merle, Sara, Leonie und Tim übernachteten im Gefängnis des Petershäger Amtsgerichts. Janine Küchhold / Kreis Minden-Lübbecke

Dörte Heger vom Kreisjugendamt (Zweite von links), Franziska Homann von der Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst (links) und Hanna Hittmeyer, Bildungsreferentin vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (vorn), sowie die Jugendlichen Lisa, Merle, Sara, Leonie und Tim übernachteten im Gefängnis des Petershäger Amtsgerichts. Janine Küchhold / Kreis Minden-Lübbecke

Mühlenkreis 21.11.2018 Von Die Harke

Spurensuche „mitten in Westfalen“

Jugendliche erkunden Erinnerungsorte des Ersten Weltkrieges im benachbarten Mühlenkreis / Hakenkreuz gemeldet

Auch 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sind die Überreste dieser Katastrophe noch immer deutlich sichtbar – auch im benachbarten Mühlenkreis. Bei dem Projekt „Mitten in Westfalen“ hatten Jugendliche aus dem Kreisgebiet die Möglichkeit, sich auf eine geschichtliche Spurensuche zu begeben: Welche Orte im Mühlenkreis erinnern noch heute an den Ersten Weltkrieg und welche Geschichten erzählen sie? Und wie ist es den Soldaten und ihren Familien während dieser Zeit ergangen? Für die nötige geschichtliche Authentizität haben sich Organisatoren des Projektes etwas Besonderes einfallen lassen: Als Übernachtungsort haben sie das Gefängnis im Alten Amtsgericht Petershagen gewählt, das bereits während des Ersten Weltkrieges als Gefängnis diente. „Mit dem Projekt möchten wir den Jugendlichen zeigen, warum es wichtig ist, sich auch heute noch mit Ereignissen zu beschäftigen, die weit zurück liegen,“ sagt Dörte Heger vom Kreisjugendamt über die Idee hinter dem Projekt.

Das Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg, das in der Nähe des Jugendcafés Ilex in Hüllhorst steht, kennen die Jugendlichen gut – näher beschäftigt hatten sie sich damit aber bisher nicht. Das Denkmal zeigt einen Soldaten in heroischer Siegespose.

„Kriegsverherrlichend“ sei das Denkmal, so die Jugendlichen. Die zum Denkmal gehörende Tafel fordert auf: „Künde zu Hause, wie wir als Männer gefallen in Treue zur Heimat.“ Dies vermittele kein vollständiges Bild über das Soldatenleben im Ersten Weltkrieg. Wie viele Tote, wie viel Leid und Zerstörung der Erste Weltkrieg in den beteiligten Ländern zur Folge hatte, werde mit diesem Denkmal außer Acht gelassen.

Eine weitere Station während war das Kriegsgefangenenlager in Minderheide. Historiker Norbert Ellermann schilderte, wie die Gefangenen am Bahnhof Minden ankamen, den Weg zum Lager zu Fuß zurücklegen und schließlich Erdlöcher ausheben mussten, die ihnen als provisorische Unterkünfte dienten.

Auch ein Besuch des Franzosenfriedhofes in unmittelbarer Nähe stand auf dem Programm. Das Denkmal am Eingang zeigt eine weinende Frau: für die Jugendlichen ein deutlicher Kontrast zum Heldendenkmal in Hüllhorst. „Ein Soldat, der in den Krieg zieht und vielleicht nicht zurückkehrt, lässt eben immer jemanden zurück,“ sagte ein Mädchen.

Mit der Frage, wie das Soldatenleben in der Wirklichkeit ausgesehen hat, beschäftigte sich das Theaterstück „Weltenbrand“, das sich die Jugendlichen am Abend des ersten Projekttages gemeinsam im Alten Amtsgericht in Petershagen anschauten. Die Hamburger Gruppe „Axensprung“ erzählt in einer Collage aus Text-, Musik-, und Bildelementen, wie ein junger Soldat die Zeit an der Front erlebte. Schnell wird deutlich: Die anfängliche Freude und Motivation, für das Vaterland zu kämpfen, weicht ziemlich zügig Resignation und Verzweiflung.

Was am Ende blieb, war die Frage, wie man verhindern kann, dass so etwas wieder geschieht. „Die Menschen dürfen nicht vergessen, was passiert ist“, fanden die jungen Erwachsenen. Für sie alle ist daher klar, dass sie sich auch weiter mit der Thematik auseinandersetzen möchten.

„Mitten in Westfalen“ haben der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Kreisjugendförderung, die Jugendförderung der Gemeinde Hüllhorst und die Landeszentrale für politische Bildung NRW initiiert. Dörte Heger vom Kreisjugendamt zog eine positive Bilanz: „Mit dem Workshop ist es uns gelungen, Jugendliche aus dem Kreisgebiet mit der Thematik ‚Erinnerungskultur‘ in Kontakt zu bringen.“

Das Kriegerdenkmal in Hüllhorst wird die Jugendlichen wohl auch in Zukunft beschäftigen. Bei genauerer Betrachtung fiel ihnen auf, dass auf dem Denkmal ein Hakenkreuz eingeritzt ist. Die Jugendlichen waren sich einig: „Wir werden das auf jeden Fall dem Ordnungsamt melden. Sowas wollen wir hier in Hüllhorst nicht.“

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Erstellt:
21. November 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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