Die Entscheidung im Kirchdorfer „Bombenprozess“ liegt nun beim Bundesgerichtshof. Luftbildfotograf / Fotolia

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Kirchdorf/Verden 13.04.2019 Von Wiebke Bruns

Staatsanwaltschaft und Kirchdorfer legen Revision ein

Jetzt liegt die Entscheidung beim Bundesgerichtshof

Vergangene Woche wurde ein aus Kirchdorf stammender Angeklagter am Landgericht Verden des versuchten Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion schuldig gesprochen. Die 1. Große Strafkammer hat den 53-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Mit einer Revision des Angeklagten war zu rechnen, doch auch die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel eingelegt. Für den 53-Jährigen eine ungünstige Situation, denn bei einem alleinigen Rechtsmittel des Angeklagten, gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot, heißt: Die Strafe darf in der nächsten Instanz nicht höher ausfallen. Dieses „Verbot der Schlechterstellung“ gilt aber nicht, wenn das Urteil auch von anderer Seite angefochten wird. In diesem Fall von der Staatsanwaltschaft Verden und diese hatte lebenslänglich beantragt.

Der bis zu seiner Festnahme in der Schweiz wohnhafte Angeklagte hatte fünf selbstgebastelte Bomben auf dem Hof seiner Familie in Kirchdorf platziert. Im Juli 2017 soll er mit einem Motorrad und den Bomben im Gepäck aus dem schweizerischen Chur nach Kirchdorf gefahren sein. „Rund 1000 Kilometer, nur um seinen tödlichen Plan umzusetzen“, sagte Oberstaatsanwalt Marcus Röske in seinem Plädoyer. Im Mai 2018 explodierte eine Rohrbombe und verletzte den alten Hofeigentümer und dessen neunjährige Tochter. „Wir können nicht feststellen, dass es die Absicht des Angeklagten gewesen ist, Menschen zu töten, aber er hat es billigend in Kauf genommen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Erfüllt sah das Gericht die Mordmerkmale Heimtücke und gemeingefährliche Mittel. Die Verteidigerin war hingegen der Auffassung, dass sich ihr Mandant nur der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Maximal sechs Jahre Haft hatte die Anwältin beantragt.

Das Urteil muss zunächst geschrieben werden. Wenn es den Verfahrensbeteiligten vorliegt, haben diese maximal einen Monat Zeit für die Begründung ihrer Revision. Darüber zu entscheiden hat dann der Bundesgerichtshof. In einem anderen Verfahren (besonders schwerer Raub in Nienburg) lagen zwischen der Urteilsverkündung am Landgericht Verden und dem Urteil in Karlsruhe exakt elf Monate.

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Erstellt:
13. April 2019, 03:22 Uhr
Lesedauer:
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