Die Ahnenstätte in Seelenfeld ist bis in die Gegenwart Treffpunkt Rechtsextremer. Foto: Plöger

Die Ahnenstätte in Seelenfeld ist bis in die Gegenwart Treffpunkt Rechtsextremer. Foto: Plöger

Seelenfeld 23.12.2019 Von epd

Stadt fordert öffentliche Distanzierung von Verein

„Ahnenstätte Seelenfeld“: Petershäger Stadtrat pocht auf Stellungnahme / Historiker erbringen Nachweis von rechtsextremen Tendenzen

Die Stadt Petershagen hat vom Trägerverein der umstrittenen „Ahnenstätte Seelenfeld“ eine eindeutige öffentliche Distanzierung vom Rechtsextremismus gefordert. Der Rat der Stadt hat jüngst beschlossen, den „Ahnenstättenverein Niedersachsen“ zu einer erneuten Stellungnahme aufzufordern, wie eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst sagte.

Laut einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Forschungsbericht zweier Historiker weist der 1930 gegründete private Friedhof mit völkischen Wurzeln an der Grenze zu Niedersachsen unter anderem Verbindungen zu der als rechtsextremistisch eingestuften Vereinigung „Artgemeinschaft“ auf.

Es gehe um eine Distanzierung des Trägervereins von jeglichen rechtsextremen, völkischen oder antisemitischen Tendenzen, so die Sprecherin. Auch erhoffe man sich, dass der Trägerverein für die Zeit nach 1945 mehr Licht ins Dunkel seiner Geschichte bringe. Nach Angaben der Historiker hatte der Ahnenstättenverein ihnen die Einsicht in seine Archive verweigert.

Dennoch habe man nachweisen können, dass Rechtsextreme und neonazistische Menschen zumindest in Einzelfällen an zentraler Stelle in das Leben der Ahnenstätte eingebunden gewesen seien oder Versammlungen des Vereins besucht hätten, hatten die Forscher berichtet. Bereits die Entstehung des privaten Friedhofs um 1930 sei klar von einem antisemitisch-rassistisch dominierten Weltbild seiner Gründer geprägt gewesen, hieß es in der Untersuchung. Basierend auf der demokratiefeindlichen Ideologie des Ex-Weltkriegsgenerals Erich Ludendorff (1865-1937) und seiner Ehefrau Mathilde (1877-1966) sei eine „deutsch-völkische Gegenwelt“ gegen das „christlich-protestantische Milieu“ geschaffen worden.

Laut dem Ratsbeschluss will die Stadt die auf ihrer Internetseite in einer anonymisierten Fassung veröffentlichte Ausarbeitung durch eine öffentliche Präsentation und Diskussionsveranstaltungen breiter bekanntmachen. Auch solle eine Kurz-Publikation erstellt sowie eine Informationstafel an der Ahnenstätte aufgestellt werden. Dabei handele es sich um ein erstes Paket. Mit der Ortschaft Seelenfeld sollen Gespräche hinsichtlich des zukünftigen Umgangs mit der Ahnenstätte aufgenommen werden.

Die Debatte um den Begräbnisplatz hatte 2017 ein Journalist ausgelöst, der auf einem Mitgliedertreffen des Trägervereins der Ahnenstätte einen rechtsextremen Aktivisten aus Niedersachsen ausgemacht hatte. Daraufhin hatte die Stadt Petershagen die Historiker mit der Aufarbeitung von Geschichte und Gegenwart der Anlage beauftragt. Schon während der NS-Zeit und ab den 1950er Jahren habe sich das Einzugsgebiet der Ahnenstätte weit über Ostwestfalen-Lippe hinaus ins gesamte Bundesgebiet ausgeweitet.

Die Verbindungen zum 1937 von Mathilde Ludendorff gegründeten, vorübergehend verbotenen und inzwischen vom Verfassungsschutz beobachteten „Bund für Gotterkenntnis“ seien offensichtlich.epd

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Erstellt:
23. Dezember 2019, 15:33 Uhr
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