Die Wurzel war am Mittwoch immer noch da: Michael Voigtländer auf dem Amalie-Thomas-Parkplatz.

Die Wurzel war am Mittwoch immer noch da: Michael Voigtländer auf dem Amalie-Thomas-Parkplatz.

18.01.2015

Stadt haftet nur bis zum Bordstein

1800 Euro Schaden, weil die Stoßstange sich hinter einer Wurzel verfangen hatte

Von Edda Hagebölling.

Nienburg. „Mir geht es mittlerweile überhaupt nicht mehr darum, meinen Schaden von der Stadt ersetzt zu bekommen. Ich möchte aber andere Autofahrer darauf aufmerksam machen, dass die Gefahr nach wie vor vesteht und ihnen jederzeit das gleiche passieren kann. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Stadt ihre Fürsorgepflicht verletzt. Einerseits werden auf dem Parkplatz eifrig Gebühren kassiert und Knöllchen verteilt, andererseits wird in die Pflege dieses Parkplatzes so gut wie gar nichts investiert.“ Mit dieser Botschaft wandte sich Michael Voigtländer jetzt an die Harke am Sonntag. Tochter Tessa hatte ihren Mercedes am 10. Dezember gegen 11.30 Uhr auf dem Parkplatz zwischen der Polizeiinspektion und Krankenhaus abgestellt. Als sie gut zweieinhalb Stunden später zu ihrem Fahrzeug zurückkehrte und langsam zurücksetzte, ging ein Ruck durchs Auto. Die vordere Stoßstange hatte sich hinter einer aus dem Erdreich ragenden Wurzel verfangen und von der Karosserie gelöst.

Um weiteren Schaden abzuwenden, markierte Michael Voigtländer den Gefahrenherd, der bis dahin im hohen Gras nicht auszumachen war, mit einem rot-weißen Absperrband und machte seinen Schaden in Höhe von 1800 Euro mit Verweis auf die Straßenreinigungssatzung bei der Stadt Nienburg geltend.

Um am 29. Dezember von der Dienststelle Innere Verwaltung folgende Antwort zu bekommen: „lst eine Parkbucht - wie in diesem Fall- erkennbar kürzer als das Fahrzeug und wird sie dennoch bewusst unter Überfahren der Abgrenzung in Anspruch genommen, um die Heckpartie des Wagens nicht zu sehr in die Fahrbahn hineinragen zu lassen, darf sich die Benutzerin nach ständiger Rechtsprechung nicht darauf verlassen, dass der als Parkplatzeinfassung dienende Bordstein gefahrlos mit der Frontpartie überfahren werden kann. Gegebenenfalls geschieht dies auf eigene Gefahr. Hier hätten Sie sich als Fahzeugführerin ohne Weiteres davon überzeugen können und müssen, ob das Überfahren gefahrlos möglich war. ... Vor diesem Hintergrund beruht der Schaden auf einem ausschließlichen Eigenverschulden, sodass Schadensersatzleistungen nicht erbracht werden können.“

„Ich bedaure sehr, Frau Voigtländer keine andere Anwort geben zu können“, bekräftigte Burkhard Walther von der Inneren Verwaltung auch gegenüber der Harke am Sonntag noch einmal ausdrücklich. Da die gültige Rechtsprechung jedoch für alle gelte, könne er auch in diesem Fall keine Ausnahme machen. „Mit Überfahren der Bordsteinkante erlischt nun einmal die Haftung“, so Walther.

Michael Voigtländer will das beim besten Willen nicht einleuchten. „Man hat doch auf diesem Parkplatz gar keine andere Wahl, als so zu parken, dass das Vorderteil über die Einfassung hinausragt. Die Parkplätze sind doch nur 4,30 Meter lang. Und ein ganz normaler Golf misst doch heute schon 4,20 Meter“, so der ehemalige Kfz-Meister.

Und was er ebenfalls beim besten Willen nicht versteht: die Wurzel war am Mittwochnachmittag immer noch da. Und im hohen Gras nach wie vor auf Anhieb kaum auszumachen. „Ich habe unseren Bauhof heute Morgen gebeten, einmal zu prüfen, ob man sie nicht einfach absägen kann“, so Burkhardt Walter am Donnerstagnachmittag im Gespräch mit der HamS.

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Erstellt:
18. Januar 2015, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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