Heemsens Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke hat im Vorfeld des Bürgerentscheids am 4. Oktober eine umfassende Stellungnahme verfasst. DIE HARKE am Sonntag veröffentlicht ein paar Auszüge. Foto: SG Heemsen

Heemsens Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke hat im Vorfeld des Bürgerentscheids am 4. Oktober eine umfassende Stellungnahme verfasst. DIE HARKE am Sonntag veröffentlicht ein paar Auszüge. Foto: SG Heemsen

Heemsen 15.08.2020 Von Edda Hagebölling

Stand 18. März 2019: 20 Abordnungen

Bürgerentscheid: Am 4. Oktober ist in der Samtgemeinde Heemsen die Meinung aller Wahlberechtigten gefragt

Am 4. Oktober sind alle wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde Heemsen aufgerufen, zu entscheiden, ob es in der rund 5.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Samtgemeinde langfristig eine oder drei Grundschulen geben soll.

Die Interessengemeinschaft „Pro Grundschule Drakenburg“ hatte vor Gericht erstritten, dass diese Entscheidung per Bürgerbegehren geklärt werden muss. Der Rat der Samtgemeinde hatte ursprünglich beschlossen, die Grundschulen Drakenburg, Haßbergen und Heemsen am Standort Heemsen zusammenzulegen und einen Bürgerentscheid nach rechtlicher Prüfung zunächst abgelehnt.

Die ersten rund 50 Drakenburger Kinder haben damit ihr erstes Jahr in Heemsen bereits hinter sich. In der Samtgemeinde-Ausschusssitzung am 20. Juli wurde nach dem jüngsten Gerichtsbeschluss dann aber der Weg freigemacht für dieses Bürgerbegehren.

Bevor sich daraufhin in der Samtgemeinderatssitzung am 4. August über den Wortlaut der Frage verständigt wurde, trug Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke ihre Gedanken zu dieser Thematik vor. Mittlerweile ist ihre Stellungnahme auch auf der Homepage der Verwaltung unter www.heemsen.de nachzulesen.

Unter anderem betont die Verwaltungschefin:

Der Samtgemeinderat hatte im vergangenen Jahr eine schwierige Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung, die nicht zur Zufriedenheit aller Einwohnerinnen und Einwohner erfolgt ist.

Es wurde entschieden, die drei Grundschulen Drakenburg, Haßbergen und Heemsen zusammenzulegen; Drakenburg zum Schuljahr 2019/2020 und Haßbergen, falls die Schülerzahlen, die Lehrerversorgung, die Umsetzung der Inklusion oder ein außerordentlicher und umfangreicher Investitionsbedarf es für sinnvoll erscheinen lassen.

Persönlich habe ich die Entscheidung hinsichtlich der Grundschule Drakenburg angesichts des massiven Lehrermangels für alternativlos gehalten und tue dies auch heute noch. Man konnte und kann aber Drakenburg und Haßbergen nicht über einen Kamm scheren. In Haßbergen stellte sich die Gesamtsituation vollkommen anders da.

Die Grundschule Haßbergen hatte und hat einen ausreichenden festen Personalstamm und leistet überdies auch noch eine pädagogische Arbeit, die seinesgleichen sucht. Eine Schule mit diesen Voraussetzungen darf man meiner Auffassung nach nicht voreilig schließen.

Ein großer Teil der Einwohnerinnen und Einwohner hat sich hierzu bisher nicht geäußert. Wie hier gedacht wird, kann man nur mutmaßen. Umso wichtiger ist es, dass möglichst viele wahlberechtigte Einwohnerinnen und Einwohner von ihrem Abstimmungsrecht am 4. Oktober Gebrauch machen. Und ebenso wichtig ist es, dass man sich umfassend über die entscheidungsrelevanten Aspekte informiert, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Vier Aspekte müssen hier meines Erachtens insbesondere betrachtet werden:

1. Aspekt „Schülerzahlen“: Insgesamt werden in diesem Jahr 21 Kinder aus Drakenburg eingeschult. Das ist zunächst einmal eine gute Anzahl. Die Zahl enthält allerdings auch die Kinder, die ohnehin schon vor der Schulschließungsdebatte eher Heemsen als Drakenburg gewählt hätten, weil Heemsen für einige Familien näher und verkehrsgünstiger liegt.

Die Geburtenzahlen weisen für die nächsten Jahre geringere Einschulungszahlen aus. In diesem Jahr gab es einige Zuzüge. Falls es keine weiteren Zuzüge geben wird, werden die Einschulungszahlen in den nächsten fünf Jahren bei 17, 18, 9, 14 und 12 liegen – eine tendenziell abnehmende Schülerzahl. Auch von diesen Schülerinnen und Schülern werden vermutlich vereinzelt einige - wie jeher - die Heemser Schule wählen.

2. Aspekt „Räumlichen und pädagogische Möglichkeiten“: Ja, auch in der Grundschule Heemsen ist derzeit nicht alles Gold, was glänzt. Das muss man gar nicht schönreden. Auch die Grundschule Heemsen hat Abordnungen – und das, obwohl sie im Bestand nicht gefährdet ist. Sie hat vorübergehend ihr Ganztagsangebot wegen Personalmangels auf drei Tage reduzieren müssen. Die Schulleitung ist kommissarisch im Einsatz. Alles keine Punkte, über die man sich freuen kann. Diese Schule befindet sich - zweifelsohne - aufgrund einer Vielzahl äußerer Umstände noch nicht am Ziel.

Aber sie ist – davon bin ich mehr als überzeugt - auf dem Weg dahin. Auch dann, wenn die Drakenburger Schülerinnen und Schüler die Schule wieder verlassen müssen. Die Möglichkeiten, die diese Schule hat durch beispielsweise die Fachunterrichtsräume, die Bücherei, den Ergo-Raum oder durch die mit Beginn des neuen Schuljahres besetzte Schulsozialarbeiterstelle, sind nicht auf Drakenburg oder Haßbergen übertragbar. Dieses Raumangebot würde niemand beim Neubau einer Grundschule planen. Fachunterrichtsräume, die zu Forscherräumen umgestaltet werden, würde doch niemand für eine Grundschule einrichten.

3. Aspekt „Kosten“: In Drakenburg sind neben kleineren Instandhaltungsarbeiten auch größere Maßnahmen erforderlich. So müssen die Toiletten saniert werden. Hier bewegen wir uns voraussichtlich im sechsstelligen Investitionsbedarf. Bei Wiederöffnung der Schule steht es für mich außer Frage, dass diese Investitionen getätigt werden müssen.

Wenn man dann noch annähernd gleichwertige räumliche Bedingungen an allen drei Schulen schaffen will, dann müssten sowohl in Drakenburg als auch in Haßbergen wenigstens noch eine kleine Mensa und ein Raum für den Ganztag angebaut werden – zuzüglich Maßnahmen für die Bereiche Inklusion und Brandschutz. Der Gesamtinvestitionsbedarf beliefe sich voraussichtlich auf einen siebenstelligen Betrag.

4. Schlussendlich der Aspekt „Lehrerversorgung“ – für mich der wichtigste Aspekt: Bei einer Wiedereröffnung der Drakenburger Grundschule hoffe ich inständig, dass die Befürworter der Schulöffnung recht behalten und es ausreichend Lehrerinnen und Lehrer geben wird, die sich auf die vakanten Stellen in Drakenburg bewerben. Wenn der Bürgerentscheid den Ratsbeschluss aufhebt, wird zunächst einmal grundsätzlich der damalige Status quo wiederhergestellt.

Die Schule wird mit Klasse 1 bis 4 weitergeführt – vermutlich mit Beginn des Schuljahres 2021/2022. Vier bis fünf Lehrkräfte werden dann sofort benötigt. Die Landesschulbehörde sieht für unseren Bereich derzeit keine Verbesserung der Lehrerversorgung. Wie der kommissarische Schulleiter in der öffentlichen Schulausschusssitzung am 18. März 2019 bekannt gab, unterrichteten zu diesem Zeitpunkt 20 Abordnungen in der Grundschule Drakenburg.

Die Samtgemeindebürgermeisterin hatte sich im Vorfeld der Sitzung am 4. August die von der Landesschulbehörde für das bevorstehende geplante Schuljahr geplante Lehrerversorgung für Haßbergen und Heemsen noch einmal geben lassen: Haßbergen ordnet demnächst fünf Stunden an Heemsen ab und erhält 19 Stunden von einer Förderschule. Heemsen erhält neben den fünf Stunden aus Haßbergen 20 Stunden vom Gymnasium, zehn Stunden von einer Oberschule und 16 Stunden von einer Förderschule.

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Erstellt:
15. August 2020, 15:03 Uhr
Lesedauer:
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