Manfred Kettel an der Wetterstation in Wietzen unweit des Kuhlenkamp-Hofes. Foto: Hagebölling

Manfred Kettel an der Wetterstation in Wietzen unweit des Kuhlenkamp-Hofes. Foto: Hagebölling

Landkreis 04.01.2020 Von Edda Hagebölling

Starkregen, Hitze, Mäuseplage

Wetterexperte Manfred Kettel blickt auf ein Jahr der Extreme zurück

Kaum Frost, zu wenig Niederschlag gerade zu der Zeit, als die Pflanzen wachsen sollten, Starkregen, der auf den trockenen Böden abperlte, ungewöhnlich viele Tage mit tropischen Temperaturen, viel zu viele Feldmäuse, aber dafür auch viele Störche. Einer, der genau weiß, wie das Wetter in der Region im Jahr 2019 war, ist Manfred Kettel. Kettel ist Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer in Nienburg. Die wiederum betreibt schon seit Jahren in Wietzen unweit des Hofes der Familie Kuhlenkamp eine Wetterstation. Die Daten werden regelmäßig per Funk übertragen und von Kettel ausgewertet.

„Das Jahr 2019 war ein besonderes Jahr, aber keineswegs so extrem wie 2018“, schickt Kettel seinen Ausführungen voraus. Es habe zwar mehr geregnet als im Vorjahr, da der Niederschlag wegen der anhaltenden Hochdruckwetterlage aber sehr unterschiedlich verteilt war und häufig als Starkregenschauer heruntergekommen sei, hätten die Pflanzen davon nur bedingt profitiert. In der Folge hätten die Landwirte verstärkt Beregnungsanlagen zum Einsatz gebracht.

Die Feldmausplage im Spätsommer war nach den Erkenntnissen Kettels die Folge des viel zu niederschlagsarmen Frühjahrs. Normalerweise würden in dieser Zeit viele Mäuse ertrinken. Das sei ihnen im Frühjahr 2019 jedoch erspart geblieben.

Die Feldmausplage führte dann aber wiederum dazu, dass die Störche einen reich gedeckten Tisch vorfanden. Und Kettel nannte noch eine weitere Besonderheit: Die – wegen des im Winter ausgebliebenen Frostes – ungewöhnlich vielen Marienkäfer hätten sich als fleißige Läuseverzehrer entpuppt. Davon hätten wiederum viele Pflanzen profitiert. Richtig in Sorge ist der Wetter- und zugleich auch Pflanzenschutzexperte jedoch um die Wildbiene, der als Bestäuberin in der Natur eine ganz wichtige Rolle zukommt. Um ihr Überleben zu sichern, reiche es nicht aus, mal hier und mal dort einen Blühstreifen anzulegen.

Für die Leserinnen und Leser der HARKE am Sonntag lässt Manfred Kettel im Folgenden die einzelnen Monate Revue passieren.

  • Januar 2019: kaum Frost, lediglich am 21. Januar mal -8,8 Grad, ansonsten normal
  • Februar 2019: viel Sonne, kein Niederschlag, rasches Wachstum durch ungewöhnlich hohe Temperaturen. 15,6 Grad am 15. Februar und sogar 17,7 Grad am 27. Februar
  • März 2019: zweigeteilt. Mild, nass und stürmisch in der ersten Monatshälfte, 18,9 Grad am 22. und 18,4 Grad am 30. März, in beiden Fällen der höchste Werte seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1947
  • April 2019: sonnig, warm, trocken, vom 4. bis 34. April kein Tropfen Regen, 24,8 Grad am 24. April und somit makellos schönes Wetter zu Ostern
  • Mai 2019: kein Wonnemonat. Trockenheit und leichter Frost haben das Wachstum ausgebremst, trotzdem aber im langjährigen Mittel um 2,1 Grad zu warm.
  • Juni 2019: heiß und trocken, im Durchschnitt um 3,9 Grad zu warm, acht heiße Tage über 30 Grad, 34,1 Grad am 25. Juni und 36,2 Gard am 30. Juni; der Mais bildete erste Hitze- und Trockenschäden aus, beim Getreide setzte die Abreife ein
  • Juli 2019: heiß und trocken, Beginn der Wintergerste am 3. Juli, danach Roggen, Triticale, Winterweizen, am 4. Juli nur 6,1 Grad, am 25. Juli aber 37,6, insgesamt acht Hitzetage, andererseits stellenweise aber auch 36 Liter Regen
  • August 2019: zu trocken, 34 Grad am 28. August, immer wieder stellenweise Schauer und Starkregen, die aber von den Pflanzen kaum verwertet werden konnten
  • September 2019: durchschnittlich mit Regen am Monatsende
  • Oktober 2019: wechselhaft, relativ warm, mit einem Gewitter über Nienburg am 16. Oktober mit 29 Litern Niederschlag; 19,6 Grad am 26. Oktober, -4,2 Grad am 31. Oktober
  • November 2019: durchschnittlich mit 16,3 Grad am 2. November
  • Dezember 2019: sehr mild, um 2,8 Grad zu warm, viel zu wenig Regen, 14,8 Grad am 17. Dezember

Zusammenfassend betonte Kettel: „Der Oktober hat, was den Niederschlag betrifft, ein bisschen Entspannung gebracht. An die durchschnittliche Niederschlagsmenge von 635 Litern ist man bis auf 125 Liter herangekommen.“

Absolut erfreulich: Das Jahr 2019 hat in der Region mit 1753 Sonnenstunden einen neuen Rekord aufgestellt.

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Erstellt:
4. Januar 2020, 20:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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