Stelen für die Opfer des Holocaust

Stelen für die Opfer des Holocaust

Thomas Gatter vor den noch von einem Bauzaun umgebenen Stelen, die an die Nienburger Opfer des Holocaust erinnern sollen. Eröffnet wird die neue Gedenkstätte am Weserwall am 8. November um 15 Uhr.Foto: Hagebölling

Nachdem lange Zeit vier von einem Bauzaun umgebene Fundamente den Spaziergängern auf dem Weserwall in Nienburg Rätsel aufgaben, lichtet sich jetzt das Geheimnis.

Seit gut einer Woche sind hinter dem Bauzaun vier Stelen auszumachen. Jede einzelne steht für jeweils zwei Opfergruppen des Holocaust. „Den Nienburger Jüdinnen und Juden und den Nienburger Sinti und Sintize“ steht auf der einen, „Den Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern“ auf der zweiten, „Den Zeugen Jehovas und den politisch Verfolgten“ auf der dritten und „Den Euthanasieopfern und Homosexuellen“ auf der vierten Stele aus durchsichtigem Glas.

„Aus dem traditionellen ‚Kriegerdenkmal‘ soll eine Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung werden. Die vorhandenen Mahnmale bleiben, ein würdiger Ort des Gedenkens für die Opfer des Holocaust in Nienburg kommt hinzu. So wird ein Erinnerungsort entstehen, der nichts verschweigt, nichts beschönigt oder heroisiert, ein Ort, der offen und frei einlädt zum Verweilen, zum Lernen, zur Trauer um das Geschehene und zur Ermutigung, sich für Demokratie und eine friedliche Gesellschaft der Vielfalt einzusetzen“, erläutert Thomas Gatter aus dem Vorstand des Arbeitskreises „Gedenken.

Im April 2019 hatte Nienburgs Stadtrat den Arbeitskreis beauftragt, die Gedenkstätte am Weserwall um ein Mahnmal für alle NS-Opfergruppen zu ergänzen. Dort erinnern das Denkmal der „Trauernden“ an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs sowie zwei weitere Steinmonumente an die Opfer des Zweiten Weltkriege und an die Opfer von Gewalt und Vertreibung. Es gebe bisher kein repräsentatives Mahnmal in der Stadt, das an zentraler Stelle und in angemessener Weise an alle Nienburger Opfer des Nationalsozialismus erinnern würde, hieß es damals. Diese Lücke in der Gedenkkultur Nienburgs sei von Vertretern der Opfergruppen, aber auch von Kommunalpolitikern und der Zivilgesellschaft wiederholt beklagt worden.

Ein Entwurf lag zu diesem Zeitpunkt bereits vor. Inspiriert durch die Stelen auf dem Gelände der Corvinus-Kirche in Erichshagen-Wölpe hatte Thomas Gatter seine Ideen für ein Mahnmal für die Opfer des Holocaust zu Papier gebracht. Einschließlich eines Kostenplans über rund 15.000 Euro.

Die Stelen selbst schlagen mit 5500 Euro zu Buche. Rund 7000 Euro sind für die Vorbereitung des Standorts, für eine veränderte Zuwegung, für Anpflanzungen und Planierarbeiten sowie für Material-, Geräte- und Transportkosten veranschlagt. 2500 Euro sollen dann noch einmal die Informationstafel kostet, die eine Ansicht der Gesamtanlage bietet, und die Tafeln mit den Namen der Holocaust-Opfer. Der Arbeitskreis kann dabei sowohl auf die Daten im Rahmen der Stolperstein-Recherche zurückblicken als auch auf das Buch von Gerd-Jürgen Groß. Der ehemalige Nienburger hatte vor seinem Wegzug nach Frankfurt das Buch „Sie lebten nebenan – Erinnerungsbuch für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933-1945 deportierten und ermordeten jüdischen Frauen, Männer und Kinder aus dem Landkreis Nienburg/Weser“ veröffentlicht.

Finanziert wird die Umgestaltung der Gedenkstätte aus Spenden. Der Arbeitskreis Gedenken hat dafür das Konto mit dem Stichwort „Gedenkstätte am Weserwall“. bei der Sparkasse Nienburg und der IBAN DE59 2565 0106 0036 3696 35 eingerichtet.Eröffnet werden soll die neue Gedenkstätte am Sonntag, dem 8. November, um 15 Uhr. Aktuell verhandelt Thomas Gatter noch mit der Avacon darüber, wie der Bereich angemessen beleuchtet werden kann. Eine Kameraüberwachung ist ebenfalls vorgesehen.