Stipendium mit Rückkehrverpflichtung

Stipendium mit Rückkehrverpflichtung

Kann sich gut vorstellen, später auch auf Dauer als Arztin im Landkreis Nienburg zu arbeiten: die Medizinstudentin Annalena Husmann aus Rodewald. Husmann

Dass der Landkreis Nienburg ein schöner Ort zum Leben und Arbeiten ist, möchten DIE HARKE und DIE HARKE am Sonntag all denjenigen zeigen, die über die Weihnachtstage zurück in die Heimat kommen.

In zwei Sonderveröffentlichungen mit dem Titel „Heimvorteil …“ am 23. und am 24. Dezember können Unternehmen in der Zeitung ihren Betrieb vorstellen – und so vielleicht den einen oder anderen qualifizierten und engagierten Arbeitnehmer, der anderswo in Deutschland und der Welt einen Arbeitsplatz gefunden hat, wieder in den Landkreis locken.

In einer kleinen Serie präsentiert DIE HARKE am Sonntag bereits an den kommenden Sonntagen Beispiele von Menschen, die ihr berufliches und privates Glück im Landkreis gefunden haben –oder noch vor haben, es dort zu finden.

Für die Rodewalderin Annalena Husmann gilt beides: Seit gut einem Jahr studiert Husmann Medizin in Marburg. Sie bekommt für ihr Studium jeden Monat Geld vom Landkreis – damit sie nach ihrem Examen zurückkommt, um im Kreisgebiet zu praktizieren. Mit dem Stipendium versuchen Kreisverwaltung und Politik, dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. Husmann freut es. Die 20-Jährige nimmt die Unterstützung gerne an – hatte sie doch ohnehin vor, nach dem Studium in die Heimat zurückzukehren.

„Ich kann mir gut vorstellen, später im Landkreis eine eigene Praxis zu haben – oder mit anderen Ärzten zusammen in einer Gemeinschaftspraxis zu praktizieren“, sagt Husmann. Die Arbeit im Krankenhaus wäre nicht ihre erste Wahl.

Um in den Genuss des Stipendiums vom Landkreis zu kommen, hat sich Husmann verpflichtet, nach ihrem Abschluss wenigstens vier Jahre lang im Landkreis zu arbeiten. Das wäre auch im Nienburger Krankenhaus möglich. Lieber sehen es Verwaltung und Politik allerdings, wenn sie durch die Zuschüsse junge Ärzte dazu bewegen könnten, sich als Landärzte in einer Praxis niederzulassen.

Ebenso, wie es Husmann vorhat. „Ich bekomme 300 Euro im Monat zum Leben und zusätzlich 50 Euro im Monat für die Studiengebühr“, sagt die 20-Jährige. Die Gebühr beträgt in Marburg 350 Euro pro Semester, sodass Husmann lediglich 50 Euro pro Semester selber zahlen muss. Das Geld vom Landkreis würde das Leben in der Studentenstadt schon deutlich vereinfachen, sagt Husmann: „Zusätzlich bekomme Unterstützung von meiner Familie“, sagt sie.

2015 hatte die damals 18-Jährige Abitur am [DATENBANK=4705]Marion-Dönhoff-Gymnasium[/DATENBANK] in Nienburg gemacht. Im Anschluss absolvierte sie ein Praktikum in einem Kinderkrankenhaus in Hannover. Weil sie nicht sofort einen Studienplatz bekam, begann die Rodewalderin eine Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin in Bremen. 2016 bekam sie die Zusage aus Marburg. Dort ist sie jetzt ins dritte Semester gestartet.

„Vom Stipendium habe ich aus der HARKE erfahren. Ich habe dort einen Artikel über die Initiative des Landkreises gelesen“, sagt Husmann. Daraufhin hatte sie sich für das Stipendium beworben – mit positivem Ergebnis. „Ich habe vorher schon gewusst, dass ich nach dem Studium gerne zurückkommen werde“, sagt die 20-Jährige: „Ich fühle mich verbunden mit dem Landkreis, bin viel in Orchestern unterwegs gewesen, habe hier meine Familie.“

In welche Richtung sie sich später als Ärztin fachlich orientieren will, das kann die Rodewalderin noch nicht sagen. Zunächst einmal habe sie genug damit zu tun, sich das geballte Wissen bis zum ersten Staatsexamen draufzuschaffen. „Das ist schon wirklich anstrengend, aber ich habe gehört, dass es nach vier Semestern ein wenig entspannter werden soll“, sagt Husmann.

Mit einem praktischen Jahr beträgt die Regelstudienzeit für Medizinstudenten etwas mehr als zwölf Semester – das sind rund sechs Jahre. „Das entspricht der Zeit, die ich höchstens das Stipendium beziehen kann“, sagt die Rodewalderin: „Nach spätestens 75 Monaten ist Schluss.“

Trotz des Uni-Stresses genießt die 20-Jährige das Studentenleben in der Stadt. „Marburg ist wirklich schön, die Uni ist gut, und der Spaßfaktor stimmt auch“, sagt Husmann. Sie wohnt dort in einer Ein-Zimmer-Wohnung und sammelt jetzt die Erfahrung, wie es ist, in der Stadt zu leben. „Für mich gehört das Landleben einfach dazu“, sagt Husmann. Deshalb könne sie sich aktuell nicht vorstellen, nach den vier Pflichtjahren im Landkreis wieder in eine Stadt zu gehen.

„Ich finde den Landkreis nicht schlecht. Er gefällt mir“, so die Rodewalderin.