Im Steimbker Gewerbegebiet geht der Streit der Bürgerinitiative mit der Firma STB Wöltjen weiter. Blick auf die frühere Betriebsstätte der BEB. Foto: Heckmann

Im Steimbker Gewerbegebiet geht der Streit der Bürgerinitiative mit der Firma STB Wöltjen weiter. Blick auf die frühere Betriebsstätte der BEB. Foto: Heckmann

Steimbke 09.05.2021 Von Die Harke

„Störfeuer verzögert Entwicklung“

Streit um Umsiedlung im Gewerbegebiet Steimbke: Geschäftsführungen sind „doch etwas verwundert“

Der Streit im Steimbker Gewerbegebiet geht weiter. Die Firma STB Wöltjen will ihren Betrieb vom jetzigen Standort Altes Ölfeld an den Koppelberg verlegen. Dagegen wehrt sich die Bürgerinitiative Steimbke, die Lärm befürchtet. Jetzt melden sich Lars Krumwiede, Chef der Firmen Meyer Städte- und Industriereinigung sowie Meyer Kanal- und Industrieservice, und Bernd Trüün, Geschäftsführer von STB Wöltjen, sowie die Steimbker Verwaltungsspitze in einer Pressemitteilung zu Wort.

„Wir haben uns wegen der zentralen Lage in Norddeutschland für Steimbke entschieden und weil wir hier einiges Entwicklungspotenzial sehen“, sagt Bernd Trüün. Sein Spezialtiefbauunternehmen mit derzeit 25 Mitarbeitern und rund sieben Millionen Euro Jahresumsatz gehört zum dänischen Aarsleff-Konzern und installiert beispielsweise Gründungspfähle für große Brückenbauwerke. Bislang Mieter eines Areals in Steimbke, hat STB Wöltjen eine Fläche im Gewerbegebiet gekauft, will dort eine Halle bauen und hat den entsprechenden Bauantrag gestellt.

Auch Lars Krumwiede will seine Unternehmen in Steimbke weiter wachsen lassen. Die beiden Betriebe sind auf Tiefbau, Kanaluntersuchung und –Sanierung spezialisiert und beschäftigen derzeit 50 Mitarbeiter. Den Jahresumsatz beziffert Krumwiede auf sechs bis neun Millionen Euro. Für weitere Flächen im Gewerbegebiet, die er seinerzeit mit aufgekauft habe, gebe es konkrete Interessenten, darunter zwei Fachbetriebe aus der Samtgemeinde. Trüün und Krumwiede suchen zusätzliche Mitarbeiter, Fachleute ebenso wie Quereinsteiger. „Die meisten Anwohner stehen uns positiv gegenüber“, sagen Krumwiede und Tüün.

Doch das Störfeuer der Bürgerinitiave verzögere die Entwicklung des Gewerbegebiets. Das könne nicht im Interesse der Gemeinde sein: Bürgermeister Friedrich Leseberg hatte eine Mediation angeschoben, doch die lief ins Leere.

Lars Krumwiede und Bernd Trüün können das Verhalten der Bürgerinitiative nicht nachvollziehen: Man sei inzwischen „doch etwas verwundert“ über deren Anti-Haltung. Die allermeisten Anwohner pflegten eine gute Nachbarschaft zu den Betrieben, man helfe sich auch gegenseitig aus, zumal die Unternehmen nicht nur rechtlich vorgegebene Emissionsschutz-Vorschriften einhielten, sondern in aller Regel auch nur wochentags und nur tagsüber arbeiteten.

Nachdem im Gewerbegebiet „Altes Ölfeld“ in Steimbke für einige Zeit fast nur noch Kleinunternehmen saßen, siedelten sich dort vor vier Jahren die Unternehmen STB Wöltjen, Meyer Städte- und Industriereinigung und Meyer Kanal- und Industrieservice an. Freude bei Politik und Verwaltung, Verdruss bei einigen Anwohnern, die eine Bürgerinitiative gründeten und seit dem mit Vehemenz gegen das Gewerbe im Gewerbegebiet kämpfen.

Die fragliche Fläche hat große Bedeutung für die Gemeinde Steimbke: Früher saß dort das Erdölunternehmen BEB mit mehreren Hundert Beschäftigten. Anschließend die Gasunie, Netzbetreiber aus den Niederlanden. Nachdem das Areal aus dem Bergrecht gefallen war, wurde es um 2010 als Gewerbegebiet neu überplant. „Weder in den öffentlichen Ausschusssitzungen noch im öffentlich tagenden Rat, der sich abschließend mit der Ausweisung befasste, hatte sich Widerstand geregt. Auch der Kreis als Genehmigungsbehörde hatte keine Einwände“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Doch mit der Ansiedlung der neuen Unternehmen begann der Ärger.“ Nach den Worten von Gemeindedirektor Knut Hallmann behaupte die Bürgerinitiative, die Ausweisung des Gewerbegebiets sei „ausgekungelt“ worden; er selbst habe sich gar den Vorwurf der Rechtsbeugung – immerhin ein Straftatbestand – gefallen lassen müssen. Torsten Deede, zweiter Mann an der Spitze der Kommune und ausgewiesener Verwaltungsprofi, verwahrt sich gegen solche Vorwürfe: Öffentliche Sitzungen, in denen die Entwicklung des Gewerbegebiets verhandelt wurde, Auslegungsfristen mit der Möglichkeit zu Stellungnahmen und Einwänden, Emissions-Gutachten, die Prüfung durch Gewerbeaufsicht und Kreisverwaltung – alles sei ordnungsgemäß gelaufen.

In dieser Auffassung bekommt die Samtgemeinde Rückendeckung von höchster Stelle: Da der Bebauungsplan ihrer Auffassung nach nicht in Ordnung ist, hatte die Bürgerinitiative den Petitionsausschuss des Landtages angerufen. Der fand zwar, so Deede, „unbeachtliche Fehler in der Darstellung“. Doch die würden nicht zur Ungültigkeit des Planes führen. Der Bebauungsplan sei „rechtskräftig und rechtmäßig“.

Davon gehen auch Bernd Trüün und Lars Krumwiede aus.

„In einem Gewerbegebiet gibt es nun mal Gewerbe“, sagt Lars Krumwiede. „Und es gibt sicher störenderes Gewerbe als unsere Unternehmen.“ Auch Bernd Trüün wünscht sich nach eigenen Worten die Chance, seinen Betrieb am Standort Steimbke weiter zu entwickeln. Aber nicht um jeden Preis: „Jede Verzögerung kostet Geld, und irgendwann rechnet sich das nicht mehr. Was wir hier machen, können wir auch andernorts machen.“

Lars Krumwiede bleibt aber zuversichtlich, dass es letzten Endes auch mit der Bürgerinitiave wenn schon zu keinem Miteinander, so doch zu einem Nebeneinander kommt, mit dem sich alle Seiten arrangieren können. Dass auf irgendeine Weise wieder Friedhofsruhe im Alten Ölfeld einkehrt, glauben weder Bernd Trüün noch Lars Krumwiede: Dazu seien Verkehrsanbindung, Lage und Infrastruktur des Gewerbegebiets zu attraktiv.

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Erstellt:
9. Mai 2021, 18:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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