Die Schülerhelfer freuen sich auf ihre neuen Aufgaben und mit ihnen Schulleiterin Tanja Bade (links), Lehrerin Angela Voigt (Zweite von links) sowie Axel Grünvogel und Vanessa Münch von der Polizei.
 Schmidetzki

Die Schülerhelfer freuen sich auf ihre neuen Aufgaben und mit ihnen Schulleiterin Tanja Bade (links), Lehrerin Angela Voigt (Zweite von links) sowie Axel Grünvogel und Vanessa Münch von der Polizei. Schmidetzki

Langendamm 02.09.2017 Von Nikias Schmidetzki

Streit am besten im Keim ersticken

An der Grundschule in Langendamm sind ab sofort Schülerhelfer unterwegs

Wenn alles klappt, regeln die beiden Streithähne ihre Auseinandersetzung ohne Hilfe eines Erwachsenen – nur mit Unterstützung der Schülerhelfer, die mit ihnen auf Augenhöhe sind. An der [DATENBANK=3023]Grundschule in Langendamm[/DATENBANK] sind sie seit der vergangenen Woche unterwegs. 15 Kinder aus den Klassen drei und vier wollen schlichten, beraten und im besten Fall Streit schon im Keim ersticken. Dabei können sie auch selbst an der Aufgabe wachsen.

Die Kinder haben dafür zunächst gemeinsam mit Axel Grünvogel und seiner Kollegin Vanessa Münch von der Nienburger Polizei sowie Simone Sommerfeld vom Fachdienst Jugendarbeit und Sport des Landkreises und Jana Jüttner vom Kreisjugendring gelernt, worum es eigentlich geht und was auf sie zukommen kann. In erster Linie wollen und sollen sie Streitigkeiten direkt lösen. Erst wenn das nicht funktioniert, greifen Erwachsene – im konkreten Fall also vor allen Dingen Lehrerinnen – ein.

Es muss aber gar nicht erst zum Streit kommen, damit die Schülerhelfer eingreifen: „Wir unterstützen Kinder auch, wenn Schimpfwörter fallen“, erklärten sie bei der Vorstellung vor der versammelten Schülerschaft.

Auch nach dieser ersten Phase des Projektes, das es kreisweit bislang nur an einigen Schulen gibt, begleiten die Fachleute von Polizei, Landkreis und Kreisjugendring die Kinder. In erster Linie ist aber Angela Voigt als Lehrerin ansprechbar. Auch wenn es mit der persönlichen Ansprache unter Schülern nicht getan ist. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Denn: „Das ist ein Schulprojekt“, sagt Axel Grünvogel. Dennoch stünden er und seine Mitstreiter den Schulen weiter mit Rat und Tat zur Verfügung. Allein die Uniform sorge meist für Respekt. Den könnten sich auch engagierte Schülerhelfer aber schnell erarbeiten, meint der Präventionsbeauftragte.

An zwei Unterrichtstagen haben die acht Drittklässler und die sieben Viertklässler ein selbstbewusstes Auftreten und die nötige Ansprache gelernt. Die Kinder aus den beiden Klassen selbst hatten sich auf die Kandidaten geeinigt. Mädchen wie auch Jungen, von denen sie sich eine gewisse soziale Kompetenz erhoffen, hatten sie schließlich in die beiden Schulungstage entsandt. „Man merkt schon, dass das Verhalten bei den Kindern vorbildlich ist“, sagt Polizist Grünvogel. Und weiter: „Das sind Kinder, die in ein paar Jahren auch nicht weggucken, sondern etwas tun.“ Und so haben sie das theoretische Wissen mit auf den Weg bekommen, aber auch in Rollenspielen ganz praktisch einstudiert, wie in speziellen Fällen zu handeln ist.

Das soll am Ende für alle an der Schule Vorteile bieten. „Die Kinder kommen oft entspannter nach der Pause in den Unterricht zurück“, sagt Grünvogel. Häufig hätten sie nach Auseinandersetzungen noch lange gebraucht, um alles am Anfang der darauffolgenden Stunde zu klären. Das sei an Schulen mit laufenden Schülerhelfer-Projekten oftmals nicht mehr der Fall.

Klar sei aber auch, dass die Schülerhelfer die Erwachsenen nicht ersetzen können. Bevor ein Streit eskaliert, müssen eben schon noch manchmal Lehrkräfte einschreiten. Was die an kleinen Schildern an roten Bändern zu erkennenden Jungen und Mädchen dürfen: Rote Karten verteilen. Wenn Mitschüler partout nicht hören oder einen Schülerhelfer angreifen, müssen sie durch den „Platzverweis“ ins Lehrerzimmer und dort eine „Rückfahrkarte“ ausfüllen. Was sie getan haben und wie sie sich beim nächsten Mal besser verhalten, schreiben sie dann auf – Erstklässler dürfen malen. Erst dann dürfen sie wieder die Pause bei den anderen auf dem Schulhof verbringen.

Freuen dürfen sich alle Schüler der Einrichtung nicht nur über hoffentlich langfristig gute Stimmung, sondern auch über eine neue Auswahl an Spielzeug. Die Anschaffung ist möglich geworden durch eine Spende der GBN in Höhe von 500 Euro. Die Spielsachen seien, betonte Schulleiterin Tanja Bade, vor allem für gemeinschaftliche Beschäftigungen geeignet, um sich also miteinander zu beschäftigen. Auch das könne den Umgang unter den Kindern stärken.

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Erstellt:
2. September 2017, 21:00 Uhr
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