Der Monitor im Inneren des Windrades gibt unter anderem Auskunft über Windstärke und produzierte Kilowattstunden. Insgesamt werden ständig etwa 100 Parameter nach Osnabrück übermittelt. Von dort wird die Anlage online gewartet. Foto: Hagebölling

Der Monitor im Inneren des Windrades gibt unter anderem Auskunft über Windstärke und produzierte Kilowattstunden. Insgesamt werden ständig etwa 100 Parameter nach Osnabrück übermittelt. Von dort wird die Anlage online gewartet. Foto: Hagebölling

Rohrsen 04.07.2020 Von Edda Hagebölling

Strom reicht für alle 500 Haushalte

Seit 2004 ist das Rohrsener Windrad am Netz / Produziert werden jährlich zwei Millionen Kilowattstunden

Das Windrad in Rohrsen gehört zu den älteren Windkraftanlagen im Kreis. Seit 2004 ist es im Netz. Errichtet wurde es seinerzeit nach langem Hin und Her im Dreieck Rohrsen-Gadesbünden-Heemsen. Es gab viele Gegner, aber auch zahlreiche Befürworter. Windradbetreiber Jochen Vogel erinnert sich noch gut an die Anfänge. Sein erklärtes Ziel bestand seinerzeit darin, seinem landwirtschaftlichen Betrieb ein zweites Standbein hinzuzufügen. Und so ganz nebenbei zur Reduzierung der CO2-Belastung beizutragen.

1,5 Millionen Euro wurden seinerzeit in das Projekt investiert. Das Windrad durfte an dem Standort maximal 100 Meter hoch sein, entsprechend misst der Turm 65 Meter, die Flügel sind 35 Meter lang. „Mit dem produzierten Strom könnte man zumindest rechnerisch alle 500 Haushalte in Rohrsen versorgen“, so der Landwirt im Gespräch mit der HARKE am Sonntag. Zwei Millionen Kilowattstunden Strom produziert das Windrad in guten Jahren. Die Prognose lag allerdings sogar bei 2,8 Millionen. Dass das Jahr 2019 recht windarm gewesen sein muss, kann Jochen Vogel daran ersehen, dass an der Station unweit der Heemser Schule nur 1, 7 Millionen Kilowattstunden in das örtliche Netz eingespeist wurden.

Konstanter Preis von acht Cent pro Kilowattstunde

Die EEG-Umlage garantiert für Windstrom einen konstanten Preis von acht Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Strom aus Biogasanlagen wird laut Vogel 20 Jahre lang mit etwa 20 Cent pro Kilowattstunde entgolten, Strom aus Fotovoltaikanlagen je nach Installationsjahr zwischen neun und 54 Cent.

Was wird, wenn die EEG für das Rohrsener Windrad in drei Jahren ausläuft, kann der Landwirt im Moment noch nicht sagen. „Die Anlage hat uns immer viel Freude gemacht. Sie ist wenig reparaturanfällig und gilt nach wie vor als Attraktion für Schulklassen und andere Gruppen“, so der 62-Jährige.

Jochen Vogel hofft sehr, dass der Windstrom nach Auslaufen der EEG-Umlage an der Strombörse in Leipzig nicht mit dem billigen Atomstrom in Konkurrenz treten muss. Der wird aktuell mit vier Cent pro Kilowattstunde gehandelt. „Sauberer Strom sollte schon etwas teurer sein, vielleicht sechs Cent“, so Vogels Überlegung. Dann wäre es möglich, das Windrad weiter zu betreiben statt es abzureißen. Dass es nach wie vor nicht möglich ist, Windstrom kostengünstig zu speichern, bedauert der innovative Landwirt sehr. Und auch, dass der Bau von Windkraftanlagen quasi zum Erliegen gekommen ist. Aus ökologischer Sicht, aber auch, weil ein Windrad Gewerbesteuer bringt. „Vielleicht steigt die Akzeptanz, wenn die Bevölkerung an dem Erlös aus dem Windstrom partizipiert“, so Vogel. Ideal wäre aus seiner Sicht ein Bürgerwindpark.

Kleiner Wasserstoffgipfel bei den Stadtwerken

Und ebenso ideal findet der Landwirt die Überlegungen, den Windstrom nach Auslaufen der EEG-Umlage für die Herstellung von grünem Wasserstoff zu verwenden. Gleiches sollte seiner Überzeugung nach aber auch für den Windstrom gelten, der gerade nicht gebraucht wird und bisher dazu führt, dass die Windräder abgeschaltet werden. „Mit der überschüssigen Energie kann durch Hydrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten werden. Wasserstoff ist ein hocheffizienter Energieträger, der sich auch ohne Batterien gut speichern lässt“, so Vogel.

Bei den Stadtwerken in Nienburg hat unlängst ein kleiner Wasserstoffgipfel stattgefunden. Die Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft waren sich einig, dass der grüne Wasserstoff, also Wasserstoff aus erneuerbaren Energien, ein wichtiger Eckpfeiler auf dem Weg zu der von der Bundesregierung angestrebten Energiewende ist.

Initiator des Wasserstoff-Treffens war der Unternehmer Siegfried Heidorn aus Gadesbünden. Um ein Zeichen zu setzen, hat er sich einen mit grünem Wasserstoff getriebenen Hyundai Nexo zugelegt. Gelistet ist dieser Pkw aktuell mit 70.000 Euro. Wasserstofftankstellen gibt es bisher in Bremen und Hannover. Das Kilo Wasserstoff kostet dort „gedeckelt“ 9,50 Euro, nicht subventioniert würde das Kilo zurzeit noch 25 Euro kosten. Der Nexo ist mit acht Kilo vollgetankt, die Reichweite beträgt dann 800 Kilometer.

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Erstellt:
4. Juli 2020, 18:45 Uhr
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