09.06.2013

Studenten aus ganz Deutschland

Landkreis in diesem Jahr Mittelpunkt mehrerer archäologischer Forschungsprojekte

Landkreis. Der Landkreis Nienburg ist in diesem Jahr Mittelpunkt zahlreicher archäologischer Forschungsprojekte. Vier bis fünf Universitäten aus dem Bundesgebiet werden hier Lehrgrabungen durchführen. Von Anfang Juli bis Anfang Oktober sollen bis zu fünf hochwertige archäologische Fundstellen in Forschungsprojekten untersucht werden. Neben Ausgrabungen wird zusätzlich eine Burganlage erstmals mit moderner Technik vermessen. Der Landschaftsverband Weser-Hunte fördert einige der Projekte. Studenten der Universität Regensburg werden eine sechswöchige Grabungskampagne an der Burg Wölpe in Erichshagen-Wölpe vornehmen. Dabei werden sie ab Ende August den Befestigungsgraben der mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Anlage mit Holzeinbauten erfassen, der heutzutage vollständig verfüllt ist. Die Burg Wölpe ist die Stammburg des gleichnamigen Grafengeschlechts und war bis 2011 archäologisch nicht näher untersucht. Sie wurde bis zum 19. Jahrhundert als welfischer Amtssitz genutzt.

Mit dem Grabensegment eines jungsteinzeitlichen Erdwerks - einem Zentralplatz der Zeit um 3000 v. Chr. bei Müsleringen - wird sich die Uni Hamburg beschäftigen. Die Grabungskampagne im September dauert vier Wochen. Das Erdwerk in Müsleringen ist für unsere Region einzigartig. Die Anlage ist Zeugnis der jungsteinzeitlichen Besiedlung an der Weser im 4. Jahrtausend v. Chr. und hat überregionale Bedeutung für die Steinzeitforschung im nördlichen Mitteleuropa. Der Fund von Mahlsteinen und Keramikgefäßen belegt außerdem die Nutzung der Anlage zu rituellen Zwecken. Ergebnisse der bisherigen Forschungsarbeiten sollen in einer Ausstellung im Nienburger Museum präsentiert werden.

Die Uni Göttingen ist ab Mitte Juli im Gewerbegebiet Lemke im Einsatz. Dort werden Siedlungsreste der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit erforscht. Innerhalb der letzten Jahre traten vermehrt Funde auf, die eine ausgeprägte Siedlungstätigkeit belegen. Am Rand des vermuteten Platzes wurden bereits mehrere Urnen- und Brandschüttungsgräber sowie Rennfeueröfen aufgefunden.

Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt wird die Uni Hannover die Burganlage am Oyler Berg modern vermessen. Bislang existiert von dieser frühen Burganlage aus dem Mittelalter nur ein Plan einer Vermessung vor über hundert Jahren.

Auf die Förderzusage für weitere Untersuchungen am Kloster Schinna und den umgebenden Klöstern Nendorf, Loccum und Asbeke wartet die Uni München. Ein Antrag für eine Untersuchung dieser Klosterlandschaft in einem dreijährigen Projekt ist bei der Stiftung ProNiedersachsen gestellt.

Zusätzlich werden an der Uni Göttingen zwei Doktorarbeiten zu Themen aus dem Landkreis angefertigt: Einerseits wird das Urnengräberfeld in Leese – mit über 1000 Bestattungen das größte in Niedersachsen – bearbeitet, andererseits das Lebensumfeld von Moora, der Moorleiche aus dem Uchter Moor, erkundet. DH

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Erstellt:
9. Juni 2013, 00:00 Uhr
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