nci / unsplash

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14.07.2020 Von Die Harke

Studie: Telemedizin nun schon bei jedem zweiten Arzt

Während der Coronakrise haben viele niedergelassene Ärzte ihr Angebot um digitale Komponenten erweitert. Videosprechstunden und andere telemedizinische Angebote hatten in der Hochphase der Pandemie den Vorteil, Infektionsrisiken zu blockieren. Jetzt flaut die Pandemie langsam ab. Und das telemedizinische Angebot? Hoffentlich nicht, so meint die Stiftung Gesundheit nach einer repräsentativen Befragung von über 2000 deutschen Ärzten.

Digitale Praxis

Das Telefon der Praxis schweigt. Das Wartezimmer ist leer. Nicht etwa aus einem Mangel an Patienten, sondern dank besserer Verwaltung. Man bucht jetzt online Behandlungstermine, die Ärzte in digitalen Terminkalendern zeitsparend verwalten können. Und wo sich Risikopatienten nicht in die Praxis trauen, finden Videosprechstunden statt. Im vergangenen Jahr hätte sich das noch nach einer Zukunftsvision angehört, seit Corona ist es die Realität. Telemedizin erfreut sich wachsender Beliebtheit. Mittlerweile bietet sogar jeder zweite Arzt Maßnahmen wie Videosprechstunden an, so eine repräsentative Studie der Stiftung Gesundheit.

Welche Rolle spielt die Fachgruppenzugehörigkeit?

Für viele Ärzte war die Einführung von Telemedizin zu Anfang der Pandemie eher aus der Not heraus geboren. Bei fast einem Drittel aller Praxen haben Patienten während der Krise aktiv nach digitalen Angeboten gefragt – in vielen Fällen wohl aus Angst vor Infektionsrisiken innerhalb der Arztpraxis. In Zusammenarbeit mit dem Bundesgesundheitsministerium hat die Stiftung Gesundheit solche und ähnliche Folgen der Pandemie untersucht. Ihr Schluss: Der Großteil aller deutschen Ärzte und Therapeuten hat erst durch Corona das Potenzial telemedizinischer Angebote erkannt. Den höchsten Anteil an Telemedizin stellt die Stiftung Gesundheit derzeit in der Psychotherapie fest. Insgesamt werden Videosprechstunden aktuell von

  • mehr als der Hälfte aller Psychotherapeuten
  • 35 Prozent aller nicht-operativen Fachärzte
  • knapp über 30 Prozent aller Allgemeinmediziner
  • fast 25 Prozent aller operativen Fachärzte

angeboten. Interessanterweise lehnen nur knapp ein Viertel aller befragten Ärztinnen Telemedizin heutzutage noch immer ab. Bei ihren männlichen Kollegen ist es im Vergleich dazu etwa die Hälfte. So wie das Geschlecht und die Fachzugehörigkeit scheinen auch das Alter und der Praxis-Standort eine Rolle für die Angebote zu spielen. 80 Prozent aller unter 40-jährigen Mediziner setzt im Mai Videosprechstunden ein, während rund ein Drittel aller 40- bis 60-Jährigen noch immer kein Interesse an telemedizinischen Angeboten zeigt.

Nachhaltiger Effekt

Während Telemedizin vor der Pandemie für über 80 Prozent aller Ärzte keinerlei Bedeutung hatte, spielen entsprechende Angebote nach der Pandemie für nur mehr 5,6 Prozent überhaupt keine Rolle. Auf der Basis dieser Daten rechnen Experten mit einem nachhaltigen Effekt. Die Stiftung Gesundheit fasst zusammen, dass künftig bis zu 20 Prozent der gesamten Sprechstundenzeit per Video-Chat erfolgen wird. Tatsächlich spricht nach den krisenbedingten Anpassungen des Fernbehandlungsverbots nur noch wenig gegen Telemedizin. Einige Ärzte hatten gegenüber der Stiftung Gesundheit angegeben, zur Umsetzung fehle ihnen das technische Wissen. Daher empfehlen die Studienautoren eine dahingehende Unterstützung der Ärzteschaft, damit ein nachhaltiger Effekt erzielt werden könne.

Werden die Lockerungen des Fernbehandlungsverbots nach der Pandemie erhalten bleiben? Die Stiftung Gesundheit zumindest befürwortet die anhaltende Aufhebung aller Abrechnungsbeschränkungen über die GKV.

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Erstellt:
14. Juli 2020, 08:05 Uhr
Lesedauer:
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