Informationsgespräch bei der Tafel (von links): Bettina Mürche, Adel-Karim Iraki, Beate Kiehl und Peter Schmithüsen. Nienburger Tafel

Informationsgespräch bei der Tafel (von links): Bettina Mürche, Adel-Karim Iraki, Beate Kiehl und Peter Schmithüsen. Nienburger Tafel

Nienburg 01.05.2018 Von Die Harke

Tafel fühlte sich alleingelassen

Als viele Flüchtlinge als Neukunden kamen, fehlten die Dolmetscher / Grünen-Politiker informierten sich vor Ort

Die Grünen-Lokalpolitiker Karim Iraki und Peter Schmithüsen zeigten sich bei ihrem Besuch in der neuen Wallstraße tief beeindruckt von der sehr umfangreichen Hilfe, die durch die Nienburger Tafel für Bedürftige geleistet wird.

Anlass des Besuchs der beiden Mitglieder des Kreisvorstands war die heftig diskutierte Entscheidung der Essener Tafel, aufgrund von Überlastung vorübergehend nur Menschen mit deutschem Pass zu versorgen. Die Kommunalpolitiker aus Stadtrat und Kreistag kamen, um zu erfahren, ob in Nienburg ähnliche Schwierigkeiten aufgetreten seien und wie man hier vor Ort mit der stark gestiegenen Anzahl an Bedürftigen umgangen sei, teilen die Grünen mit. Im Gespräch mit der Projektleiterin Beate Kiehl und Bettina Mürche, der Geschäftsführerin im Vorstand des Vereins „Herberge zur Heimat“, sei deutlich geworden, dass auch in Nienburg der Zuzug von Geflüchteten einen sehr deutlichen Anstieg der ausgegeben Lebensmittelportionen notwendig machte.

„Das größte Problem waren aber nicht die zusätzlichen Mengen an Lebensmitteln oder die Organisation der Verteilung oder die Anzahl an freiwilligen Helferinnen und Helfern“, so Beate Kiehl. „Vielmehr fehlte es an den erforderlichen Mitteln für die zusätzlichen Dolmetscher für die vielen unterschiedlichen Sprachen, die plötzlich hier gesprochen wurden.“

Inzwischen habe es sich zwar wieder gut eingespielt, aber damals habe die Tafel aus ihrer Sicht zu wenig Unterstützung von Politik und Verwaltung erfahren, meinte Bettina Mürche: „Es war eine schwierige Phase, wir mussten auch viel lernen, aber abgewiesen wurde hier niemand.“ Heute würden sogar einige Flüchtlinge tatkräftig mithelfen und stünden, wenn nötig, auch als Dolmetscher zur Verfügung.

„Die real bestehende Not vieler Menschen in unserer Stadt macht leider eine Institution wie die Tafel notwendig“, meinte Peter Schmithüsen, Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. „Es ist auf der einen Seite beschämend, dass in unserem wohlhabenden Land überhaupt die Sätze für Sozialhilfe- oder Grundsicherung so niedrig sind, dass für manche schon jede unplanmäßige Ausgabe – zum Beispiel für neue Kinderschuhe, eine Klassenfahrt oder ein Theaterbesuch – schon zum Problem werden kann. Da kann der günstige Bezug von Lebensmitteln hier bei der Tafel sicher sehr hilfreich und entlastend sein.“

Auf der anderen Seite sei die Spendenbereitschaft der Lebensmittelhändler, der Sponsoren und der unermüdliche Einsatz der Ehrenamtlichen umso erfreulicher und ermutigender.

„Der Landkreis und die Stadt aber verlassen sich dabei viel zu selbstverständlich auf eine funktionierende Einrichtung wie die Tafel und müssen nach unserer Auffassung deshalb ernsthaft prüfen, ob sie sich nicht auch an diesen zusätzlichen Kosten durch einen Zuschuss beteiligen können“, sagt Karim Iraki, Beisitzer im Vorstand und Abgeordneter im Kreistag. Dies werde nun von den Grünen beraten und schon bald in die zuständigen Ausschüsse der Kommunen eingebracht.

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Erstellt:
1. Mai 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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