19.05.2013

„Tante Emma-Laden“ schließt

In Hilgermissen wird Nachfolger für den Gemischtwarenladen und die Posfiliale gesucht

Von Horst Achtermann

Eitzendorf. Im September 2013 wird Ulrike Fiddelke 70 Jahre alt. „Am 30 September ist Schluss“, dann schließt Ulrike Fiddelke ihren Gemischtwarenladen in Eitzendorf. Bürgermeister Johann Hustedt bedauert: „Der letzte Tante Emma-Laden in der Gemeinde Hilgermissen schließt, sehr zum Leidwesen, vor allem der älteren Bewohner.“ Der Laden mit Poststelle der Deutschen Post wurde 1924, und damit vor knapp 90 Jahren, von Hermann Bormann gegründet. „Nur beste Waren zu billigsten Preisen“ war sein Werbespruch. Hans Fiddelke sen. übernahm am 1. Dezember 1931 den Laden von seinem Onkel. Sein Sohn Hans Fiddelke heiratete 1969 Ulrike, die heutige Inhaberin. Beide übernahmen 1971 den Laden, den Ulrike Fiddelke nach dem Tod ihres Mannes ab 2003 alleine führte.

Eine kleine Filiale hatten Fiddelkes auf dem „Campingplatz am See“, die 1990 aufgegeben wurde. Bis März 1992, 62 Jahre lang, war in den Räumen auch eine Kreissparkassenstelle eingerichtet. „Post, Reinigungsannahme und Fotodienst kamen dazu,“ erzählte Ulrike Fiddelke, die im 500 Einwohner zählenden Dorf nur „Ulla“ gerufen wird. Der Partyservice von Fiddelkes mit Gestühl, Theke und Getränkebringedienst, damit wurden auch kleine Vereine unterstützt. In Oiste erfüllte Hans Fiddelke Kundenwünsche mit einem VW Bus.

„Die besten Umsätze hatten wir in den 60er und 70er Jahren. Mit Lebensmitteln und Textilien (Hemden, Garnen und Decken) versorgten wir einen festen Kundenstamm“, erinnert sich Ulrike Fiddelke und bedauert, dass diese Zeiten vorbei sind. „Jetzt ist es gerade mal so, dass es sich rechnet.“ Bis 2003 hatte sie noch drei Mitarbeiterinnen, jetzt hilft nur noch eine Kraft.

Es wurde viel gebaut in Eitzendorf, viele junge Familien haben sich angesiedelt. Vielleicht ergebe sich ja etwas, wenn eine Familie im Nebenerwerb, den Gemischtwarenladen mit Postservice übernimmt, eine kleine Hoffnung hat Johann Hustedt. „Die Gemeinde Hilgermissen und auch die Samtgemeinde stehen voll dahinter. Die älteren Menschen in Eitzendorf und die Bewohner im Altenheim würden sich freuen“. Auch die letzte Poststelle in Hilgermissen müsse erhalten bleiben. Der Laden müsste ausgebaut werden und attraktiver ausgestattet werden, meint Bruder Bernd Wiesner, der damit Radwanderer anziehen will.

Die Deutsche Post sucht bereits Verkaufsmitarbeiter mit eigenen Räumlichkeiten in Hilgermissen, ab 10. September in flexibler Teilzeit (Minijob) an den sechs Werktagen pro Woche, mit Postdienstleistungen in einer Filiale der Post.

Ulrike Fiddelke gibt unter Telefon 05026/218 gerne Auskunft über den Laden und die Postfiliale in Eitzendorf.

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Erstellt:
19. Mai 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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