Iris (Caoilinn Springall) ist in der Forschungsstation von Augustine Lofthouse (George Clooney) gestrandet. Foto: --/Netflix/dpa

Iris (Caoilinn Springall) ist in der Forschungsstation von Augustine Lofthouse (George Clooney) gestrandet. Foto: --/Netflix/dpa

New York 23.12.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

„The Midnight Sky“: Stimmung statt Spektakel

Den Prominenten George Clooney (59) kennen alle: ein Gentleman, der an der Seite einer erfolgreichen Menschenrechtsanwältin die Welt verändert, stets geeignet für Schwarz-Weiß-Aufnahmen zum Verkauf von Kaffeekapseln.

Auch den Schauspieler George Clooney kennen viele: ein charmanter Betrüger in der „Oceans Eleven“-Reihe oder ein menschlich strauchelnder Kinderarzt in „Emergency Room“.

Aber der Regisseur George Clooney? Der ist deutlich weniger Menschen ein Begriff, obwohl er bereits sieben abendfüllende Spielfilme gedreht hat, die bei der Kritik durchaus gut ankamen.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass viele Stoffe zwar clever und sehenswert inszeniert waren, aber eben oft auch von eher sperrigen Spezialthemen handelten. Dazu gehören beispielsweise der Vorstadt-Crime-Film „Suburbicon“, das Politdrama „Ides of March“ oder der in schwarz-weiß gedrehte Interview-Film „Good Night and Good Luck“ über die Verfolgung angeblicher Kommunisten in der McCarthy-Ära. Mit Clooneys neuem Film - er steht vor und hinter der Kamera - soll sich das aber alles ändern. 

„The Midnight Sky“ heißt er und ist ein aufwendiges Science-Fiction-Abenteuer zwischen Klimakrise und Weltraumthriller, das am 23. Dezember beim Streaminganbieter Netflix startet. Die Hoffnungen sind hoch, dass den Beteiligten damit ein Aufschlag bei den Oscars im kommenden Jahr gelingt. 

Clooney spielt in dem 117-minütigen Film auch die Hauptrolle Augustine Lofthouse, einen Astronomen, der im Jahr 2049 seit Jahren in der Arktis lebt und eines Tages allein in seiner Forschungsstation zurückbleibt - der Rest seines Teams hat wegen einer verheerenden Umweltkatastrophe die Station verlassen. Der schwer erkrankte Lofthouse verfolgt auf Bildschirmen, wie sich giftige Strahlung immer weiter über der Welt ausbreitet, hat aber auch Kontakt mit einer Weltraummission auf dem Weg zurück auf der Erde. Er muss sich entscheiden, ob er die Astronauten davon überzeugt umzukehren, damit diese zu einer Kolonie im All fliegen.

In allen drei Aspekten überzeugt George Clooney in diesem Film. Der Schauspieler liefert auch in „Midnight Sky“, was er immer macht: Eine sehr solide Leistung, die sich in den Dienst der Geschichte stellt und dem Ensemble rund um Felicity Jones („Die Entdeckung der Unendlichkeit“), David Oyelowo („Selma“) und Kyle Chandler („Friday Night Lights“) viel Platz gibt. Clooney spielt solide, aber nicht atemberaubend - allerdings auch nie unnötig raumgreifend, wie es sein Superstar-Status erlauben würde.

Der Regisseur gestaltet diesen Stoff mit beeindruckenden Bildern und einem übermächtigem Soundtrack von Alexandre Desplat nicht als übermäßiges Spektakel, sondern eher als ruhige Meditation. Ihm gelingt ein gehobener Unterhaltungsfilm für die Feiertage, der zwar vor der Pandemie gedreht wurde, aber nach diesem weltweiten Katastrophenjahr deutlich besser in die Zeit passt.

Und dem Prominenten ist anzumerken, dass Clooney auch hier seine Möglichkeiten nutzt, um auf komplizierte Themen aufmerksam zu machen, die uns alle betreffen. Kann in der Klimakrise wirklich noch die Umkehr gelingen oder droht die Vernichtung des Planeten? Auch wenn sich der Film dafür viel Zeit lässt, am Ende entsteht trotz Umweltkatastrophe und Isolation eben doch Hoffnung - wenn es uns denn gelingt, Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen.

© dpa-infocom, dpa:201217-99-726543/3

The Midnight Sky

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Erstellt:
23. Dezember 2020, 08:39 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

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