Kein leichtes Thema: Das hofnahe Schlachten wurde mit vielen Facetten diskutiert und kritisch beleuchtet. Foto: Büro Schmädeke

Kein leichtes Thema: Das hofnahe Schlachten wurde mit vielen Facetten diskutiert und kritisch beleuchtet. Foto: Büro Schmädeke

Balge 26.07.2021 Von Die Harke

Tieren den Tötungsstress ersparen

Politik, Verwaltung, Schlachter und Landwirte diskutieren zum Thema „Hofnahes Schlachten“

Zu einem Fachaustausch zum Thema „Hofnahes Schlachten“ hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Frank Schmädeke auf den Hof Benther Mühle eingeladen. Im Austausch sollten Kritik und Anregungen zur anstehenden Änderung des Europäischen Schlachtrechts und dessen Umsetzung in Niedersachsen aufgenommen werden.

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„Im Sinne einer praxistauglichen Umsetzung ist es mir wichtig, diejenigen zu hören, die später mit den Gesetzen und Verordnungen umgehen müssen“, betonte der Abgeordnete und begrüßte auch CDU-Bundestagsabgeordneten Maik Beermann, der die zusammengetragenen Informationen in die Berliner Beratungen einfließen lassen solle.

Neben Weidetierhalter und Vertretender der Schlachterinnung und der behördlichen Aufsicht aus dem Landkreis war Schlachtermeister Alwin Rolfes aus Detern in Ostfriesland angereist. Er präsentierte sein „Schlachtmobil“, eine teilmobile Schlachtanlage.

Vorteile und bürokratische Hemmnisse

„Wir wollen in Bund und Land das Tierwohl und die regionale Fleischvermarktung stärken. Für uns gehört die Möglichkeit einer stressfreien Schlachtung direkt auf dem Herkunftsbetrieb als ein unverzichtbarer Baustein dazu, so Schmädeke. Gleichzeitig müsse die zunehmende Bürokratisierung als Herausforderung und Kostentreiber für kleinere Betriebe mehr in den Blick genommen werden, um Fleischer-Betriebe vor Ort zu unterstützen.

Im Austausch mit den Veterinären des verantwortlichen Landkreises, Dr. Schmidt und Dr. Schimanski, wurde über Vorteile und bürokratische Hemmnisse gesprochen.

Johannes Schlemermeyer, der im Nebenerwerb mit seiner Familie eine Mutterkuhzucht auf dem Hof Benther Mühle betreibt und mit zwei Freunden als „Beef Kings“ das regionale Fleisch seiner Rinder vermarktet, berichtete: „Wir schlachten alle sechs Wochen, dann müssen wir die Tiere von der Herde trennen und einzeln transportieren. Eine hofnahe Schlachtung würde der Herde diesen Trennungsstress ersparen und dafür sorgen, dass man bis zuletzt sein Tier begleiten kann. Der letzte Weg muss anständig sein.“ Das sei auch den anderen Weidetierhaltenden ein großes Anliegen.

Alwin Rolfes, dessen mobile Schlachteinheit aufgrund der aktuellen Gesetzeslage überwiegend für Notschlachtungen eingesetzt wird, erklärte Aufbau und Funktion des Wagens, der geeignet sei, alle Auflagen der Schlachtverordnung einzuhalten und so ein hofnahes Schlachten praktikabel mache.

Unterschiedliche Auffassungen

Veterinär Dr. Schmidt fand die Idee des hofnahen Schlachtens aus Tierschutzsicht absolut sinnvoll, gab aber zu bedenken, dass sich durch diese Form der Schlachtung auch der Aufwand erhöhe. Die Vorschriften bestimmten, dass ein Veterinär den gesamten Vorgang von der Lebendbesichtigung bis zum Ende des Schlachtens begleiten müsse und alles umfangreich dokumentiert sein wolle. Die Landwirte hielten dagegen, dass es eine andere Regelung für kleine Betriebe geben müsse, um solche Einzelschlachtungen zu ermöglichen. „Das ist für uns ehrlich zu aufwendig“, betonte Schlemermeyer.

Maik Beermann und Frank Schmädeke waren sich einig, dass es dafür eine Lösung geben müsse. Sorge, dass der Vermarktungspreis für so produziertes Fleisch zu hoch sein könnte, bestehe nicht. „Viele Kunden, die erkannt haben, woher der höhere Preis kommt, die werden auch bereit sein, weniger Fleisch zu essen und dafür auf die Qualität zu achten“, war man sich in der Runde einig.

Ob es gelingen werde, die Gesetzeslage so anzupassen, dass am Ende das hofnahe Schlachten eine praktikable Methode sein kann, darüber gab es unterschiedliche Auffassungen. Schließlich, so warf Veterinär Dr. Schmidt noch einmal ein, liege die Lösung nicht in Niedersachsen, sondern bei der EU, die das genehmigen müsse.

Dr. Frank Schmädeke sah das anders. „Unsere Aufgabe ist es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so gestalten, dass sie händelbar sind! Ich bin nicht bange, das Thema anzupacken. Genau dass, was heute besprochen wurde, trage ich nach Hannover, Maik Beermann nimmt es mit nach Berlin, und wir sind gut vernetzt nach Brüssel“.

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Erstellt:
26. Juli 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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