Bayern-Stürmer Robert Lewandowski traf gegen Union Berlin per Elfmeter. Foto: Hannibal Hanschke/Reuters-Pool/dpa

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski traf gegen Union Berlin per Elfmeter. Foto: Hannibal Hanschke/Reuters-Pool/dpa

Berlin 18.05.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

FC Bayern noch im zahmen Attacke-Modus

Abteilung Attacke war das von den Bayern noch nicht - sportlich wie rhetorisch.

Der Warm-up für den im Titelkampf womöglich vorentscheidenden Geisterkracher in der kommenden Woche bei Borussia Dortmund lässt auf sich warten. Restzweifel schwangen mit beim Rekordmeister, ob der beim 2:0 zum Neustart der Fußball-Bundesliga gegen den widerborstigen 1. FC Union Berlin gezeigte Leistungsstand auch für das nahende BVB-Duell reichen wird.

Trainer Hansi Flick überraschte sogar mit dem für Münchner Verhältnisse fast schon verstörenden Huub-Stevens-Zitat: „Man hat sicherlich gehört, dass wir gesagt haben, "Männer, die Null muss stehen".“ Thomas Müller - wer sonst - gab immerhin die Marschrichtung bis zum Liga-Gipfel am 26. Mai vor. „Das Ziel ist ganz klar. Das heute war ein erster Schritt. Dass natürlich das Spiel in Dortmund mitentscheidend sein wird, das ist ganz klar.“

Vier Punkte Vorsprung auf den BVB, sechs auf Borussia Mönchengladbach und sogar sieben auf Halbzeitmeister RB Leipzig, der erste Spieltag nach der Coronavirus-Pause hat die für den FC Bayern angenehme Arithmetik nicht verändert. Den Top-Teams konnte die Auszeit wenig anhaben. Kapitän Manuel Neuer wagte sich verbal dennoch nicht nach vorn. „Wir haben eine neue Situation, mit der man klarkommen muss. Jetzt ist ein Spieltag von neun vorbei. Es kann noch viel passieren, man sollte keine Mannschaft abschreiben.“

Die Bayern spielten in dem seiner Fan-Strahlkraft beraubten Stadion an der Alten Försterei aber so abgeklärt, als hätte es keine 66 Tage Zwangsunterbrechung gegeben. Flick hatte im Bewusstsein des Ungewissen den von Stevens einst bei Schalke 04 postulierten Kein-Gegentor-Modus eingebaut - dieser war letztlich unnötig. Die Qualitätsunterschied war zu groß, auch wenn sich Müller atmosphärisch an „Altherren-Fußball, 19.00 Uhr“ erinnert fühlte.

Flick weiß aber natürlich, dass er den BVB mit alten Schalke-Zitaten nicht schrecken kann. „Jeder Einzelne kann seine Sache besser machen“, forderte er. Und dachte dabei besonders an die Unterstützung des Teams für Robert Lewandowski - einen sportlichen Gewinner der Coronavirus-Pause, in der er seinen Anbruch der Schienbeinkante auskurieren konnte. „Lewy macht einen sehr guten Eindruck. Er ist topfit. Wir haben versäumt, ihn mehr einzubinden“, meinte Flick.

Mit dem Elfmetertor in Berlin erhöhte Lewandowski seine Bilanz auf 40 Treffer in dieser Saison. Allerdings in allen Wettbewerben. Um den Bundesliga-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 1971/72 mit eben jener Anzahl zu knacken, fehlen noch 14 Treffer in acht Spielen. Schwer, aber nicht unmöglich. „Es wird nicht einfach“, meinte Flick.

Neben Lewandowskis Rekordjagd war das via Sky-Interviews ausgetragene Update um die Vertragsverlängerung von Neuer interessanter als der Geister-Kick. Im ärmellosen schwarzen Shirt stand der Nationaltorwart vor der Werbewand und schaute ungläubig. Die „Ehe“ zwischen ihm und dem FC Bayern werde Bestand haben, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gesagt. Ganz so schnell wollte Neuer nach den Querelen um kolportierte Millionen-Gehaltsforderungen nicht ein Ja-Wort geben: „Im Moment gibt es nichts zu verkünden und dabei bleibe ich.“

Den verbalen Angriffsmodus in Richtung Dortmund hatte in alter Präsidenten-Tradition immerhin schon vor dem Union-Spiel Herbert Hainer ein wenig angekurbelt. Dortmund habe beim 4:0 gegen Schalke ein „sehr gutes Spiel gemacht“, sagte er im Sport1-„Doppelpass“. „Aber der FC Bayern hat gerade die letzten sieben Jahre auch bewiesen, dass er sich solchen Herausforderungen stellt und am Ende dann doch als Sieger durchs Ziel geht.“

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Erstellt:
18. Mai 2020, 11:47 Uhr
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