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Plymouth

Thunberg beginnt Atlantik-Überfahrt: «Muss ich aushalten»

Greta Thunberg ist mit den Profiseglern Boris Herr...Greta Thunberg ist mit den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi zur Atlantik-Überfahrt aufgebrochen. Foto: Ben Birchall/PA Wire
Greta Thunberg ist mit den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi zur Atlantik-Überfahrt aufgebrochen. Foto: B...
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Greta Thunberg ist mit den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi zur Atlantik-Überfahrt aufgebrochen. Foto: Ben Birchall/PA Wire
Greta Thunberg ist mit den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi zur Atlantik-Überfahrt aufgebrochen. Foto: Ben Birchall/PA Wire

Es ist ein Geschoss ohne Komfort, das Greta Thunberg über den Atlantik bringen wird. 18 Meter lang ist die hochmoderne Segeljacht «Malizia». Der Mast ragt 29 Meter in den leicht bewölkten Himmel über der englischen Hafenstadt Plymouth.

Der Wind steht gut, der Dauerregen vom Vormittag ist vorbei, und sogar die Sonne zeigt sich mitunter. Dann geht es endlich los.
Unter dem Jubel von rund 200 Unterstützern und Schaulustigen, die am Anleger der «Mayflower Marina» und an der Hafenbucht warten, winkt die 16-jährige Klimaaktivistin ein letztes Mal, bevor sie mit dem Hightech-Boot und den Profiseglern Boris Herrmann und Pierre Casiraghi in See sticht.
Thunberg stehen zwei anstrengende Wochen bevor, bis sie an ihrem Zielhafen in New York anlegt. Mit der «Malizia» brettert sie zwar emissionsfrei über den Atlantik, aber nicht sehr bequem. Für ihren Kampf gegen die Klimakrise nimmt die junge Schwedin die Strapazen gern auf sich. Vielleicht werde sie seekrank. «Aber das muss ich aushalten», sagt Thunberg am Mittwoch kurz vor ihrer Abreise. «Das ist doch nicht schlimm. Viel mehr Leute auf der Welt leiden unter viel Schlimmerem.»
Deshalb will sie in den USA mit Staats- und Regierungschefs am UN-Klimagipfel teilnehmen und für ihren Klimakampf werben. Ob sie vielleicht sogar Donald Trump von ihrem Anliegen überzeugen kann? «Nein!», sagt Thunberg und grinst.
Bücher und Brettspiele hat sie mitgenommen, um sich die Zeit auf dem Boot zu vertreiben. Und einen Stoffhasen, den sie geschenkt bekommen hat, verrät sie. Neben der imposanten Hochseejacht wirkt die ohnehin kleine, schmale Klimaaktivistin fast winzig. Dass sie nicht viel mehr als 1,50 Meter groß ist, dürfte an Bord der «Malizia» allerdings von Vorteil sein. Denn unter Deck gibt es kaum Platz und noch weniger Komfort für die Besatzung, zu der neben den beiden Segelprofis und Thunberg auch ihr Vater Svante und ein Dokumentarfilmer gehören.
«Natürlich wird das eine Herausforderung für jeden auf dem Boot, davon muss man ausgehen», sagt Thunberg gelassen. In zwei engen Rohrkojen unter Deck kann es bei hohem Tempo höllisch laut werden. Es gibt praktisch nichts, was Komfort bietet - keine Küche und nicht einmal ein Klo, dafür einen Plastikeimer. Privatsphäre? Fehlanzeige.
Das Rennboot mit roten Tragflügeln und einem Rumpf aus Carbon ist nur auf Geschwindigkeit getrimmt. Carbon ist besonders geeignet, wenn ein Fahrzeug leicht sein soll. Allerdings ist seine Kohlendioxid-Bilanz umstritten, weil Fasern und Kunststoff in der Regel aus Erdöl hergestellt werden und bei der Produktion viel Energie benötigt wird. Aber kurz vor der Abfahrt ist das kein Thema.
Vor knapp einem Jahr hat Thunberg mit ihrem Protest für einen beherzteren Einsatz der Politik gegen die Klimakrise begonnen. Nachdem sie bereits als Kind von der Erderwärmung gehört und sich jahrelang mit dessen Folgen beschäftigt hatte, setzte sie sich im August 2018 vor den Reichstag in Stockholm, um Schwedens Politiker zum Handeln und zum Einhalten der Pariser Klimaziele aufzufordern. Daraus hat sich die internationale Klimaschutzbewegung Fridays for Future entwickelt. Vor allem junge Menschen in aller Welt gehen nach Thunbergs Vorbild mittlerweile für das Klima auf die Straße.
«Am Anfang hat niemand meine Stimme gehört», sagt Thunberg in Plymouth und ermutigt einen jungen Fan. «Ich hab einfach alles Mögliche versucht, bis ich meinen Weg gefunden hatte, damit man mir zuhört. Man muss kreativ sein. Es gibt so viel, was man tun kann.»
Die Atlantik-Überquerung ist der vorläufige Höhepunkt für Thunberg. «Wenn ich mir eine Sache aussuchen könnte, die ich mit dieser Reise erreiche, dann ist es ein erhöhtes Bewusstsein der Menschen, dass sie verstehen, dass wir einen Notfall haben, und wissen, was wir jetzt tun müssen, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden.»
Thunberg lebt das Ideal eines klimabewussten Menschen vor: Sie ernährt sich vegan und verzichtet wegen der Treibhausgas-Emissionen von Flugzeugen auf das Fliegen. Anderen etwas vorschreiben wolle sie aber nicht. «Ich sage niemandem, was er zu tun oder zu lassen hat.»
Die 16-Jährige hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Sie spricht in der Regel sehr leise, findet aber immer wieder klare Worte. Eindringliche Botschaften etwa auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz oder auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben sie berühmt gemacht. Bei Twitter hat sie rund 890.000 Follower. Kurz nach der Abfahrt postet sie dort ein Foto von sich mit einem Lächeln: «Wir sind auf unserem Weg.»


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