28.10.2012

Totensonntag jetzt endgültig tabu

Gärtnereien im Kreis und auch die Lebenshilfe müssen ihre Adventsausstellungen verlegen

Von Edda Hagebölling

Landkreis. Eigentlich waren Adventsausstellungen am Volkstrauertag immer schon verboten. Stattgefunden haben sie trotzdem. Mit Duldung der Verantwortlichen in den Rathäusern. Doch damit ist jetzt Schluss. In diesem Jahr machen die Bürgermeister der zehn Kommunen im Kreis zum ersten Mal ernst mit der Einhaltung des seit 2007 geltenden Gesetzes über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten, drohen sogar eine Geldbuße bis zu 15 000 Euro an. „Bei uns haben sich die Beschwerden von Bürgern – auch aus den Nachbarkreisen – gehäuft“, so Landkreis-Pressesprecher Torsten Rötschke am Donnerstag gegenüber der Harke am Sonntag.

Zu denen, die sich schon recht früh mit der Einhaltung des Verbotes auseinandergesetzt hat, gehört Sabine Thielker aus Pennigsehl. Die Floristin gehört quasi zu den Erfinderinnen der Adventsausstellungen. „Wir sind vor etwa 25 Jahren damit angefangen, am Sonntag vor dem 1. Advent Sachen anzubieten, die auf das Weihnachtsfest einstimmen sollen“, so die Unternehmerin. Mit Erfolg. Was im ersten Jahr noch recht klein begann, fand schon bald in ganz großem Rahmen statt. Über Jahre hinweg wurde sogar die Maschinenhalle ausgeräumt und mit hohem Aufwand in eine anheimelnd wirkende Weihnachtsstube umfunktioniert. Später kamen dann auch die Landfrauen aus Wietzen-Holte mit ins Boot. Sie bewirteten die Gäste der Thielkerschen Adventsausstellung mit Kaffee und Kuchen. Heute findet dieses Kaffeetrinken im Gewächshaus statt. Zwischen tausenden von Weihnachtssternen. Und für die Adventsausstellung selbst werden die Räumlichkeiten hergerichtet, die die Kunden betreten, wenn sie Blumen oder Geschenkartikel kaufen. Die Adventsausstellung findet bei Thielkers in diesem Jahr am Freitag und Sonnabend vor dem Totensonntag jeweils von 8 bis 20 Uhr statt. Und Sabine Thielker kann dem Verbot sogar auch etwas Positives abgewinnen. „Ein freier Tag ist auch mal ganz schön“, so die Floristin.

„Ganz okay“ findet auch Birgit Rech aus Nienburg die neue Regelung. „Natürlich ist es ein großer Einschnitt, dass die Adventsausstellung nicht mehr am Totensonntag stattfinden darf, wir werden dafür aber einfach auch am Freitagabend, den ganzen Sonnabend hindurch und am Sonntag zu den vorgeschrieben drei Stunden öffnen“, fährt die Unternehmerin fort.

Kein Verständnis hat man dagegen bei der Lebenshilfe für die Regelung. „Wir haben lange mit der Stadt diskutiert“, so Geschäftsstellenleiter Stephan Ottens. Aber offenbar ohne Erfolg. Auch der Basar der Lebenshilfe darf nicht mehr am Totensonntag stattfinden. Nach langem hin und her hat man dort beschlossen, den Basar am Freitag, dem 23. November, von 14 bis 21 Uhr und am Sonnabend, dem 24. November von 9 bis 17 Uhr zu veranstalten.

In der von allen zehn Bürgermeistern des Kreises Nienburg unterschriebenen Mitteilung heißt es unter anderem:

„Nach § 6 Absatz 2 Niedersächsischem Feiertags-Gesetz sind am Volkstrauertag und Totensonntag u.a. alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen verboten, außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung oder einem höheren Interesse der Kunst, Wissenschaft oder Volksbildung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen. Diese Kriterien liegen bei Adventsausstellungen nicht vor.“

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Erstellt:
28. Oktober 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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