Mit Hilfe des Fendt-Treckers baut Dewali Arab auf dem Kartoffelfeld von Landwirt Volker Schweers eine Beregnungsanlage auf.Foto: Achtermann

Mit Hilfe des Fendt-Treckers baut Dewali Arab auf dem Kartoffelfeld von Landwirt Volker Schweers eine Beregnungsanlage auf.Foto: Achtermann

Hoya 21.06.2020 Von Horst Achtermann

Trecker mit Anhänger? Kein Problem

Wie es Dewali Arab gelingt, in Hoya ein neues Leben für sich und seine Familie aufzubauen

Dewali Arab war 19 Jahre alt, als er 2015 mit seinen jüngeren Brüdern Arab und Serhard aus einem Dorf im Norden Iraks auf abenteuerlichen Wegen in Magelsen landete (DIE HARKE berichtete). Vorbildlich betreut werden die jungen Männer nach wie vor von Rita Behrens-Raap und Ilona Segelke vom Arbeitskreis „Brot und Salz“.

„Wir Frauen und Männer – etwa 50 Personen – aus dem Arbeitskreis zeigen den jungen Menschen den Weg durch den bürokratischen Kram im Alltagsleben in Deutschland“, berichtet Arbeitskreis-Gründerin Renate Paul, die in den Anfangsjahren in der Familie Arab auch liebevoll „Mama“ genannt wurde.

Im HARKE-Gespräch in der vergangenen Woche schilderte Dewali Arab, mittlerweile 24 Jahre alt und gut mit der deutschen Sprache vertraut, noch einmal kurz die Reise nach Deutschland, die vom Vater gut vorbereitet und bezahlt war. Mit dem Auto ging es zunächst in die Türkei und dann in einen verdunkelten Lkw. „Das Tageslicht haben wir erst in München wieder gesehen. Gelebt haben wir von Keksen und Wasser“, erinnert sich der Iraker noch gut. Immer in Begleitung von Polizei ging es weiter nach Hannover, dann in die Flüchtlingslager Friedland und Duderstadt, bis er und seine Brüder schließlich über Nienburg nach Magelsen gekommen sind.

Die deutsche Sprache hat Dewali mit dem Kurs B1 schnell geschafft. Renate Paul bestätigt aber auch: „Ich habe täglich zwei Stunden mit ihm geübt.“ Zu dem Zeitpunkt wohnte Dewali Arab mit seinen Geschwistern in Bücken. Zu bedenken gab Renate Paul in diesem Zusammenhang: „Im Irak gibt es keine Schulpflicht.“

Mit 20 Jahren hat Dewali Arab die Vormundschaft für seine beiden minderjährigen Brüder erhalten. Beim Treffen mit der HARKE am Sonntag betont der Iraker ausdrücklich: „Mir war klar: Wenn ich in Deutschland bleiben will, dann muss ich das mit der deutschen Sprache hinkriegen.“

In der Fahrradwerkstatt im Conexxxx-Jugendhaus in Hoya war Dewali Arab nachmittags anzutreffen. In Ubbendorf machte er in der dortigen Autowerkstatt ein Praktikum von vier Wochen, und in der Baumschule Krebs reichten ihm 14 Tage, um festzustellen, dass diese Arbeit nicht sein Ding war.

Mit Maschinen zu arbeiten machte Dewali Arab dagegen Spaß. Er machte seine Führerscheine für den Pkw auf arabisch und danach für Trecker auf deutsch. Nicht ohne Stolz ergänzt er: „Ich habe auch die Berechtigung, mit Anhänger zu fahren und den Gabelstapler zu bewegen.“

Das kommt ihm zugute bei Landwirt Volker Schweers in Süstedt, bei dem er seit fünf Monaten sehr gerne arbeitet. „Ich bin sehr zufrieden, die Arbeit macht mir Spaß“, so der Iraker. Seine Arbeitszeit ist montags bis samstags von 8 bis 17 Uhr. Wenn es mal später wird, ist das für ihn auch kein Problem.

„Dewali ist sparsam und verjubelt sein verdientes Geld nicht“, betont Renate Paul. Mit einem Golf 7 fährt er zur Arbeit und erkundet in seiner Freizeit Deutschland. Auch in Berlin war er schon, im Bundestag bei Axel Knoerig. Renate Paul ist begeistert: „Axel Knoerig hat uns Türen geöffnet. Der sagt nicht nur: Ich kümmere mich, er tut es auch.“

Seit etwas mehr als zwei Jahren sind Dewalis Eltern ebenfalls in Deutschland. Zusammen mit seinen Geschwistern wohnt die jesidische Familie in Hoya. Sein großer Wunsch ist, für die Familie ein Haus zu kaufen. Voller Optimismus sagt er: „Das kriege ich auch noch hin.“

Bei seiner Sparsamkeit dürfte es kein Problem sein.

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Erstellt:
21. Juni 2020, 06:54 Uhr
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