Philipp Keßler DH

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Landkreis 08.04.2019 Von Philipp Keßler

Trotz Rolex ein Amt auf Zeit

Guten Tag

Das war‘s also schon wieder. Ein weiterer DFB-Präsident musste abdanken. Am Ende stolperte Reinhard Grindel über eine Uhr, die er 2017 zu seinem Geburtstag vom ukrainischen Fußball-Oligarchen Hryhoriy Surkis geschenkt bekommen haben soll. So eine teure Rolex ist aber auch ein klobiges Teil – deswegen verzichte ich im übrigen auch auf Protz am Handgelenk und verlasse mich ausschließlich auf die zuverlässige Anzeige meines Smartphones. Egal ob mit oder ohne Rolex, Grindels Zeit ist abgelaufen. Noch gut in Erinnerung ist mir sein Kreis-Besuch aus dem April 2017: Nachdem Grindel bei der Raiffeisen im Deula-Blattpavillon die Spargelsaison eröffnet hatte, schaute er beim Landesligisten SV BE Steimbke vorbei und stellte sich den Fragen von hiesigen Funktionsträgern sowie Ehrenamtlichen. Dabei machte der damalige DFB-Boss eine wirklich gute Figur – selbst der NFV-Kreis-Ehrenvorsitzende Claus Dietrich gab ihm mit auf dem Weg: „Einen DFB-Präsidenten“ wie Sie hätte ich mir schon früher gewünscht.“

Fast drei Jahre war Reinhard Grindel nun DFB-Präsident. Er wollte dem Verband neue Werte vermitteln und war ein Hoffnungsträger der Amateure-Fußballer. Stattdessen war seine Amtszeit geprägt von Verfehlungen, Peinlichkeiten – und einem Erfolg, den ihm niemand dankte. Er holte die Europameisterschaft 2024 nach Deutschland. Hätte unser Land gegen den Konkurrenten und Außenseiter Türkei bei der Vergabe-Wahl verloren, Grindel hätte womöglich damals schon seinen Posten verloren. Viele Sympathiepunkte brachte dem Ex-DFB-Präsidenten dieser Erfolg aber nicht ein – die heimste der Botschafter der deutschen EM-Bewerbung Philipp Lahm ein.

Auf der Suche nach einem Grindel-Nachfolger ist der Name Lahm nicht weit entfernt. Der Weltmeister von 2014 dürfte mit seiner Aufgabe als Chef des Organisationskomitees der EM aber die kommenden Jahre ausreichend gefordert sein.

Gesucht wird jemand mit Integrität im Profi- und Amateurbereich. Auch deswegen fällt der Name Christoph Metzelder. Der Ex-Nationalspieler war auf höchstem fußballerischen Niveau unterwegs (Borussia Dortmund, Real Madrid, Schalke 04), verfügt als Geschäftsführer einer Sportmarketingagentur über wirtschaftliche Expertise. Er hat als Vorsitzender seines Heimatvereins TuS Haltern die Bindung zu den Amateuren nicht verloren.

Metzelder wäre eine hervorragende Lösung – aber ist es ihm das oberste DFB-Amt wirklich wert, sich möglicherweise binnen weniger Jahre zu verbrennen?

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Erstellt:
8. April 2019, 05:08 Uhr
Lesedauer:
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