21.04.2013

Trotz der Katastrophe neues AKW geplant

Stadt und Arbeitskreis Gedenken erinnern an Tschernobyl

Nienburg. Wenn am kommenden Freitag die Stadt Nienburg und ihr Arbeitskreis Gedenken an der Madonna von Tschernobyl auf dem Bürgermeister-Stahn-Wall an die Reaktorkatastrophe in der Ukraine vor 27 Jahren erinnern, dann rufen sie damit auch die Sorge um künftige Gefahren ins öffentliche Bewusstsein. Der Reaktorunfall, der sich am 26. April 1986 in Tschernobyl ereignete und die Welt erschütterte, könnte sich allzu leicht wiederholen. Denn die belorussische Regierung plant, der schrecklichen Erfahrungen ungeachtet, die Errichtung eines neuen Atomkraftwerkes in der Nähe der Grenze zu den baltischen Ländern. Während in der Europäischen Union der Ausstieg aus der Kernenergie ein durchaus realistisches Szenario ist, setzen die osteuropäischen Länder unbeirrt weiter auf die gefährliche Technologie, darunter auch Belarus. Für die Nienburger Partnerstadt Witebsk ist diese Tatsache eine Besorgnis erregende Entwicklung. Die Stadt und ihre Umgebung waren schon 1986 und in den Folgejahren erheblich von den Folgen des Reaktorunfalls betroffen. Noch heute werden in den Wäldern im Osten Weißrusslands beängstigende Strahlenwerte gemessen. Kinder kommen mit genetischen Schäden und unheilbaren Erkrankungen zur Welt. Die oft in Armut lebende ländliche Bevölkerung muss wie in der Ukraine selbst damit leben, dass ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Früchte des Waldes häufig hoch belastet sind. Sie sieht aber keine andere Perspektive für sich, und die Regierung Lukaschenka spielt die gesundheitlichen Konsequenzen herunter.

Die Situation in Belarus, aber auch der kritische Blick auf die Atomkraft hierzulande werden am kommenden Freitag, 26. April, dem Tschernobyl-Gedenktag, Gegenstand mehrerer öffentlicher Veranstaltungen sein. Um 16 Uhr findet die alljährliche Zusammenkunft an der Madonna von Tschernobyl im Beisein des belorussischen Botschafters Andrei Giro statt. Um 17:15 schließt sich die „Andacht unter dem Apfelbaum“ am Meerbachufer nahe dem Theater auf dem Hornwerk an. Die Andacht wird in diesem Jahr von Pfarrer Jung, Sankt-Bernwards-Gemeinde, gestaltet. Im Vestibül des Rathauses eröffnet der Arbeitskreis Gedenken um 18 Uhr die Fotoausstellung „Lebenslang“ von Rüdiger Lubricht. Die erschütternden Bilder zeigen Schicksale vor allem junger Menschen, die aufgrund der Spätfolgen der Strahlung an körperlichen Fehlentwicklungen leiden.

Zum Abschluss des Tages zeigt der Anti-Atom-Kreis Nienburg im Naturfreundehaus in der Luise-Wyneken-Straße 4, um 19:30 Uhr den Film „Das Ding am Deich“. Die Regisseurin Antje Huber legt mit dem Film eine packende Dokumentation über den vergeblichen Kampf der Gemeinde Brokdorf gegen das 1986 in Betrieb genommene AKW an der Unterelbe vor.

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Erstellt:
21. April 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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