Wladimir Putin und Donald Trump unterhalten sich 2017 auf dem G20-Gipfel in Hamburg. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Wladimir Putin und Donald Trump unterhalten sich 2017 auf dem G20-Gipfel in Hamburg. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Washington 19.08.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Trump zu Putin 2007: „Ich bin ein großer Fan“

Donald Trump hat im Jahr 2007 in einem persönlichen Brief an Wladimir Putin seine Bewunderung für den russischen Präsidenten zum Ausdruck gebracht.

„Wie Sie wahrscheinlich gehört haben, bin ich ein großer Fan von Ihnen“, schrieb der spätere US-Präsident dem Kremlchef. Der Anlass war, Putin zur Wahl zum „Person des Jahres“ des Magazins „Time“ zu gratulieren - beziehungsweise, „Mann des Jahres“, wie Trump es formulierte. „Sie haben es definitiv verdient“, schrieb Trump - und ermahnte Putin zum Abschluss des kurzen Briefs, gut auf sich aufzupassen.

Das Schreiben findet sich in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Geheimdienstausschusses des US-Senats zur russischen Einmischung in die US-Präsidentenwahl 2016. Dort heißt es auch, man habe nicht in Erfahrung bringen können, warum dieser Brief verschickt wurde - und ob es eine Antwort darauf gab. Bevor Trump 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, war er als Immobilienunternehmer jahrelang in Gesprächen über den Bau eines Trump-Hotels in Moskau.

Außerdem brachte Trump 2013 den Schönheitswettbewerb „Miss Universe“ nach Moskau. Dazu lud er Putin persönlich „als Ehrengast“ ein, wie ein weiteres Schreiben auf Briefpapier seiner Firma Trump Organisation belegt. Trump zeigte sich überzeugt, dass es die „größte und beste“ Ausgabe von „Miss Universe“ sein werde. „Ich weiß, dass Sie eine großartige Zeit verbringen werden.“ Unter dem gedruckten Text steht mit Filzstift dazugeschrieben: „Die schönsten Frauen der Welt!“ In einem acht Tage zuvor veröffentlichten Tweet hatte Trump gefragt, ob Putin wohl zu der Veranstaltung kommen werde - „und wenn ja, wird er dann zu meinem neuen besten Freund?“

Die Briefe an Putin sind Kuriositäten in einem fast 1000 Seiten langen Bericht, für den Demokraten und Republikaner mehrere Jahre lang die Verwicklungen von Trump mit Russland untersuchten. Der amtierende republikanische Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses des Senats, Marco Rubio, betonte, man habe „absolut keine Beweise dafür gefunden, dass der damalige Kandidat Donald Trump oder sein Wahlkampfteam mit der russischen Regierung zusammengearbeitet hätten, um sich in die Wahl 2016 einzumischen“. Der demokratische Vizechef Mark Warner verwies auf „ein atemberaubendes Ausmaß der Kontakte“ zwischen Trumps Team und den Russen.

Die Erkenntnisse des Ausschusses decken sich weitgehend mit denen des Sonderermittlers Robert Mueller, sind zum Teil aber schärfer formuliert. In dem am Dienstag veröffentlichten Bericht heißt es unter anderem, nach der Wahl habe Russland „ausgenutzt, dass Mitglieder des Übergangsteams relativ unerfahren in Regierungsfragen waren“. Auch andere Länder - Verbündete und Gegner der USA - hätten versucht, Einfluss zu nehmen. Durch das Fehlen einer ausreichenden Kontrolle über solche Interaktionen sei das Übergangsteam „offen für Einflussnahme und Manipulation durch ausländische Geheimdienste, Regierungsbeamte und Geschäftsleute“ gewesen.

Der zeitweise Vorsitzende von Trumps Wahlkampfteam, Paul Manafort, habe enge Kontakte zu einem russischen Geheimdienst-Agenten gehabt, heißt es in dem Bericht. „Manaforts Zugang auf hoher Ebene und die Bereitschaft, Informationen mit Personen mit engen Verbindungen zu russischen Geheimdiensten zu teilen, (...) stellten aus Sicht der Spionageabwehr eine gravierende Bedrohung dar.“

Gerichte in der US-Hauptstadt Washington und dem Bundesstaat Virginia hatten Manafort im März 2019 wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrug zu insgesamt siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Seit dem Frühjahr darf er die Strafe angesichts der Corona-Krise im Hausarrest absitzen.

Auffällig in dem Bericht ist auch die Feststellung, dass Trump und ranghohe Mitarbeiter seines Wahlkampfteams versucht hätten, über seinen Vertrauten Roger Stone Vorabinformationen über geplante Veröffentlichungen der Enthüllungsplattform Wikileaks zu erhalten. Stone habe sein angebliches Wissen darüber „bei mehreren Anlässen direkt mit Trump und ranghohen Mitarbeitern seines Wahlkampfteams geteilt“, hieß es. Allerdings habe man nicht klären können, ob Stone tatsächlich Informationen über die Veröffentlichungen gehabt habe.

Wikileaks hatte vor der Wahl von Hackern entwendete E-Mails der Parteiführung der Demokraten veröffentlicht. US-Geheimdienste vermuten Russen hinter dem Datendiebstahl. Dazu gibt es in dem Bericht auch eine Geschichte. Als im Oktober 2016 der Mitschnitt von Trumps sexistischen bei Aufnahmen für die Sendung „Access Hollywood“ veröffentlicht wurde, sei er von Stone angewiesen worden, Wikileaks zur sofortigen Veröffentlichung der Demokraten-Mails zu bewegen, sagte ein Vertrauter. Sie gingen an dem Tag tatsächlich online.

Stone war zu einer Haftstrafe von mehr als drei Jahren verurteilt worden. Eine Jury sah es als erwiesen an, dass er sich im Zusammenhang mit Kontakten zu Wikileaks unter anderem der Falschaussage, der Behinderung von Ermittlungen und der Beeinflussung von Zeugen schuldig gemacht hat. Trump erließ Stone im Juli die Haftstrafe.

Das Ausschuss ging auch der Frage nach, ob russische Geheimdienste bei Trumps Besuchen in Moskau Informationen über ihn gesammelt haben könnten, mit denen er zu erpressen gewesen wäre. Unter anderem listen sie mehrere Hinweise auf angebliche Videoaufnahmen auf. Unterm Strich heißt es jedoch, „der Ausschuss hat nicht festgestellt, dass die russische Regierung kompromittierende Informationen über Trump sammelte oder versuchte, Trump oder jemanden aus seinem Wahlkampfteam damit zu erpressen“.

© dpa-infocom, dpa:200819-99-220105/3

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Erstellt:
19. August 2020, 05:25 Uhr
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