Angham Jassim macht im Tannehof eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Jobcenter

Angham Jassim macht im Tannehof eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Jobcenter

Landkreis 27.12.2017 Von Die Harke

Über die Sprache in den Job

37-jährige Irakerin absolviert ihre Ausbildung zur Altenpflegerin mit Engagement und Lernwillen

Ihr Deutsch ist noch lückenhaft, die Aussprache geht ihr nicht immer leicht von der Zunge – aber Angham Jassim ist ehrgeizig und lernwillig. Die 37-jährige Irakerin absolviert zurzeit eine Ausbildung zur Altenpflegerin im Tannenhof-Heim in Langendamm. Für [DATENBANK=5543]Jobcenter[/DATENBANK]-Chef [DATENBANK=2389]Frank Köhring[/DATENBANK] ist Jassim ein Beispiel für gelungene Integration über den Erwerb der Sprache. Jassim sei ein großes Glück für die Menschen, die im Tannenhof ihren Lebensabend verbringen, sagt Chefin Christine Powell. Seit August arbeitet die Irakerin dort und verstärkt das Team mit ihrem zupackenden Wesen und ihrer offenen Art. Mit den Vokabeln „Immer gern“ und „Dankeschön“ ziehe sie jeden Menschen schnell in ein Gespräch hinein und motiviere ihn zur Mitarbeit, was in der Pflege Gold wert sei.

Das habe sie schnell gelernt. „Ich kann auf sie bauen wie auf jede ausgebildete Kraft“, sagt Powell. Die Muslima mit Grundkenntnissen in ihrem Beruf und in der deutschen Sprache zeige einen Charakterzug, der ihr großen Respekt abnötige, sagt die Leiterin: „Sie will vorankommen.“ Das sei eine Eigenschaft, die sie von anderen Menschen abhebe.

„Wir erleben täglich, dass Arbeitgebern die Religion eines Menschen, seine äußere Erscheinung oder seine Vergangenheit weniger bedeuten als die Überzeugung von einer gemeinsamen wirtschaftlich erfolgreichen Zukunft“, sagt Köhring – und er kennt Beispiele dafür, dass dieses Vertrauen Früchte trägt. Köhring sieht in Angham Jassim ein Vorbild für die sprachliche Integration: Rund 600 geflüchtete Menschen haben bereits einen Sprachkurs absolviert, 550 Kursplätze sind noch zu schaffen. Rund 50 Migranten im Raum Nienburg stecken aktuell in der Ausbildung oder der Berufsvorbereitung und werden durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter unterstützt.

Die Schwierigkeit besteht laut Jobcenter darin, dass den Bildungsträgern das entsprechend qualifizierte Personal fehle. „Selbst Deutschlehrer müssen für die Weiterbildung von Migranten eine Qualifizierung für Deutsch als Zweitsprache vorlegen, damit die Bildungsträger einen Kurs beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – BAMF – abrechnen könnten“, heißt es seitens des Jobcenters.

„Sprache ist der Schlüssel in den Beruf mit allem, was daran hängt: Familienleben, ein lebenswertes Zuhause, eine Zukunft für die Kinder in Deutschland“, sagt Köhring und verweist wieder auf Jassim, die genau dieses Ziel verfolgt: Ihr Sohn ist zehn Jahre alt, ihre Tochter zwölf. Er möchte Ingenieur werden, sie Pharmazie studieren, und Angham selbst will für die vierköpfige Familie in diesem Land ein Haus bauen. Was sie auch schaffen werde – glaubt jedenfalls ihre Chefin Powell: „Angham ist lernwillig, wissbegierig und fleißig.“ Tugenden, die mit der Nationalität weniger zu tun hätten als mit jedem Menschen selbst. „Angham ist ein Beispiel für eine gelungene Integration“, sagt Powell.

Die 37-jährige lebt seit rund drei Jahren in Deutschland. „An der Fachsprache hat sie zu knabbern, aber sie versucht, in jedem Satz besser zu werden“, teilt das Jobcenter mit: „Englisch ginge ihr leichter von der Zunge, sagt sie. Schließlich habe sie im Irak als Englisch-Lehrerin gearbeitet. Vom Lernen versteht sie also etwas.“ Das wolle sie hier weitergeben. Auch mal mit den Menschen im Heim Englisch reden, beispielsweise; ihren Blick für neue Perspektiven öffnen.

„Das lebt sie selbst schon vor“, teilt das Jobcenter mit: „Ihr Kopftuch legt sie im Dienst ab. Sie findet, dass das die deutschen Menschen verwirren würde. Ihrem Glauben tut das keinen Abbruch, ab und an fragen sie die Heimbewohner auch etwas zum Islam. Das beantwortet sie gern und so gut das geht. Auf Deutsch. Weil das übt.“

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Erstellt:
27. Dezember 2017, 21:00 Uhr
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