Der scheidende Kreiskantor Hartmut Reußwig am heimischen Klavier. Hier wird er weiter viel Zeit verbringen. Schmidetzki

Der scheidende Kreiskantor Hartmut Reußwig am heimischen Klavier. Hier wird er weiter viel Zeit verbringen. Schmidetzki

Drakenburg/Nienburg 03.02.2018 Von Nikias Schmidetzki

Übergang in die „dritte Lebensphase“

Kirchenkreis verabschiedet Kreiskantor Hartmut Reußwig

Um ihn herum Bücher, Noten und Musikinstrumente. Das ist das Umfeld von [DATENBANK=5952]Hartmut Reußwig[/DATENBANK] in seinem Arbeitszimmer. Es spiegelt sein Berufsleben wider. Und gleichzeitig seine Zukunft. In wenigen Wochen geht der Kreiskantor in den Ruhestand. Obwohl er selbst sagt: „Ich gehe nicht in den Ruhestand, ich werde ab dem 1. März ausschließlich freiberuflich tätig sein.“ Das heißt für den 65-Jährigen auch, sich wieder auf das zu konzentrieren, was er einst nach seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker studiert hatte – Musikwissenschaft, Kunstgeschichte und Publizistik nämlich.

Fast 29 Jahre war Reußwig im Kirchenkreis Nienburg tätig als Kirchenmusiker, zuletzt auf Orgeldienst beschränkt, in der Gemeinde St. Michael und als Kreiskantor des Kirchenkreises im Rahmen der Fachaufsichtsordnung der Hannoverschen Landeskirche.

„Ich freue mich auf den Übergang in die ‚dritte Lebensphase‘“, sagt Reußwig, ab dem 1. März Kirchenmusiker i.R.. „Ich freue mich ganz einfach deshalb, weil ich dann noch mehr auswählen kann, was ich tun mag unter den vielen Dingen, die ich tun könnte.“

Seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker schloss er das Studium an. Bereits währenddessen arbeitete er in Teilzeit als Kirchenmusiker in Witten (Ruhr). 1989 schließlich kam er nach Nienburg, wo er bis heute tätig ist.

Er selbst beschreibt diese Jahre als deutlich zweigeteilt. Die Neunziger Jahre und die Zeit bis 2008 seien geprägt gewesen von einer erfolgreichen Kinderchorarbeit in der Gemeinde. „Unser selbstgemachtes Singspiel um Michel aus Lönneberga haben wir im Abstand einiger Jahre zweimal in St. Michael aufgeführt, unterstützt von einer aktiven und kreativen Elternschaft. Und wir haben dieses Singspiel auf dem Sprengel-Kinderchortag in Springe mit teilnehmenden Kinderchören aus dem ganzen Bezirk Calenberg-Hoya gespielt“.

Noch länger leitete Reußwig den „Posaunenchor im Kirchenkreis“, in dem Mitglieder aus den sich auflösenden Posaunenchören von bis zu sechs Gemeinden aufgefangen wurden. „Eine nicht nur musikalisch herausfordernde Integrationsleistung“, meint Reußwig rückblickend. Besondere Freude macht ihm gegenwärtig die Arbeit mit seinen beiden Frauenchor-Ensembles. „Jede (und gerne auch Männer) kann mitsingen, Einstiegshürden gibt es nicht, wer dabei sein mag, wird allerdings mitgehen auf dem Weg stimmlich-musikalischer Entwicklung“.

Viele höchst anregende Kontakte, wie Reußwig es beschreibt, knüpfte er von Nienburg aus: So begegnet er in der Gruppe TAKT, deren Leiter er seit wenigen Jahren ist, prominenten Textern und Komponisten der Sparte „Neues Geistliches Lied“. Einige seiner TAKT-Kollegen waren auch in Nienburg zu Gast, darunter Arnim Juhre und Susanne Brandt, die beide mit Liedtexten im Evangelischen Gesangbuch wie auch „freiTöne“, dem neuen Liederheft der Landeskirche, vertreten sind.

Für die Gruppe TAKT und den Strube-Verlag wird Reußwig weiterhin als Herausgeber neue Lieder und Chorsätze schreiben. Zudem rezensiert er für die Fachzeitschrift „forum Kirchenmusik“ neue Kompositionen.

Außerhalb der Musik engagiert er sich schon jetzt in der Elternarbeit der IGS, gehört auch der Landesarbeitsgemeinschaft an. Mehr Zeit haben möchte Reußwig nun aber auch für seine Familie samt Hund „Piano“, der passenderweise übrigens schon vorher so hieß. „Der hat sich uns ausgesucht, nicht andersrum“, sagt der scheidende Kreiskantor. Und er hat vor, zu reisen. Mit dem E-Bike will er unterwegs sein, sich in die Digitalfotografie einarbeiten – aber eben auch weiter Musik machen. Das Wichtigste aber: „Ich hoffe, dass meine Gesundheit so stabil bleibt, wie sie ist.“

Seinen letzten „Arbeitstag“ hat Reußwig am 11. Februar – an einem Sonntag, wie so oft als Kirchenmusiker. Doch es wird seine offizielle Verabschiedung im Rahmen eines Gottesdienstes sein, standesgemäß in der Kirche St. Michael ab 10 Uhr.

Einen Nachfolger als Kreiskantor wird es geben. Die Stelle in St. Michael aber, sagt Reußwig, wird vorerst nicht neu besetzt.

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Erstellt:
3. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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