Dieses Foto entstand bei Katja Keuls Moria-Besuch im Februar 2017.

Dieses Foto entstand bei Katja Keuls Moria-Besuch im Februar 2017.

Nienburg 19.09.2020 Von Die Harke

„Unhaltbare Zustände“

Erinnerungen von Katja Keul an ihren Besuch in Moria und Gedanken zur aktuellen Lage

Vor rund drei Jahren hat die heimische Bundestagsabgeordnete Katja Keul das Flüchtlingslager Moria besucht.

DIE HARKE am Sonntag bat die Politikerin aus aktuellem Anlass, noch einmal kurz ihre Erinnerungen an das Flüchtlingslager und ihre Gedanken zur aktuellen Situation zusammenzustellen. Die Markloherin schreibt:

Im Februar 2017 besuchte ich auf Lesbos das Projekt „European Lawyers in Lesvos“, um den Ablauf der Asylverfahren in Griechenland besser verstehen zu können. AsylanwältInnen aus ganz Europa verbringen ehrenamtlich ihren Jahresurlaub auf Lesbos, um den Zugang zum Recht für die geflüchteten Menschen sicher zu stellen.

Trotz dieses ehrenamtlichen Engagements ist ein verlässlicher Zugang zu Rechtsberatung für die Flüchtlinge auf Lesbos insgesamt nicht gewährleistet. Weder von staatlicher noch von europäischer Seite werden hierzu Ressourcen zur Verfügung gestellt, obwohl der Zugang zur Rechtsberatung zu den Grundrechten der Flüchtlinge gehört.

Begleitet wurde ich an den zwei Tagen durch den Referenten für Migration der Deutschen Botschaft in Athen, Till Gerards. Damals habe ich sowohl den Hotspot Moria als auch die kommunale Sammelunterkunft Karatepe in Augenschein nehmen können. Bei meinem Besuch im Lager Moria waren der Gestank und Dreck dort schon damals schwer auszuhalten.

Mir drängte sich der Gedanke auf, dass Moria bewusst zur Abschreckung der Schutzsuchenden dienen sollte.

Es war schon damals ein Ort, an dem unhaltbare Zustände vorherrschten. Doch 2017 hatte ich Hoffnung, dass sich die katastrophalen Bedingungen im Registrierungslager Moria endlich verbessern würden. Bei meinem Besuch wurden viele Stellen innerhalb des Lagers planiert und vorbereitet für die Aufstellung von Wohncontainern.

Doch 2020 zeigt sich, dass die Lage sehr viel schlimmer geworden ist als 2017. Durch das Feuer sind über 12.000 Menschen obdachlos geworden. Darunter nach Angaben des UNHCR 4.000 Kinder mit ihren Familien. Diese leben seit mehr als einer Woche auf der Straße unter widrigsten Bedingungen. Eine Versorgung ist nicht gewährleistet und Hilfsorganisationen haben teilweise keinen Zugang zu den betroffenen Menschen. Es besteht kein Schutz gegen eine weitere Verbreitung von Covid 19.

In dieser akuten Krise braucht es schnelle und unbürokratische Hilfen für die Betroffenen. Wenn jetzt keine Europäische Lösung zustande kommt, kann man das nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge austragen. Europa hat frühere Zusagen für Hilfen gegenüber Griechenland nicht eingehalten.

Als wichtigstes Land in Europa können wir das Problem nicht dauerhaft bei Griechenland abladen. Deutschland muss ein Zeichen setzen, dass wir vorangehen. Die Aufnahme von 1500 Flüchtlingen reicht nicht.

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Erstellt:
19. September 2020, 20:24 Uhr
Lesedauer:
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