„Unsere Tür ist immer offen“

„Unsere Tür ist immer offen“

Ali Baykus, der scheidende Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu Nienburg, bedankte sich bei Carmen Prummer für die gute Zusammenarbeit. Gern gesehene Gäste an diesem Abend waren auch Landrat Detlev Kohlmeier und Bürgermeister Henning Onkes. Foto: Hagebölling

Zu einer kleinen Feierstunde hatte die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Nienburg jetzt in die Teestube der Moschee eingeladen. Gemeinsam wollte man den Spitzen von Landkreis, Stadt und Kirchenkreis den neuen Vorstand vorstellen.

Moderiert wurde die Zusammenkunft bei Tee und Gebäck von Mehmet Karaköy. Karaköy fungiert in dem neu gewählten Vorstand der rund 300 aktive Mitglieder zählenden Gemeinde als Vereinssprecher. Neuer Vorsitzender ist Sezgin Bakal, sein Vertreter heißt Erdinc Sapmaz. Nach wie vor Mitglied des Vorstands ist Macide Baykus. Macide Baykus ist die Frauenbeauftragte der Türkisch-Islamischen Gemeinde.

Mit einem Blumenstrauß bedankte sich Carmen Prummer, Leiterin der Koordinierungsstelle Migration und Bildung beim Landkreis Nienburg, bei Ali Baykus, dem scheidenden Vorsitzenden, für die gute Zusammenarbeit. Diesen Dank gab Baykus gerne zurück.

Immer wieder offene Gespräche führen

„Kommunikation ist wichtig.“ Mehmet Karaköy erläuterte kurz, warum der neue Vorstand ihn gebeten habe, als Sprecher der Gemeinde zu fungieren. Karaköy spricht nicht nur perfekt Deutsch, mit seinen 29 Jahren soll er als Bindeglied zwischen Alt und Jung fungieren und die Kommunikation zwischen den Generationen voranbringen.

Auch Nienburgs Landrat Detlev Kohlmeier betonte, dass es wichtig sei, die vorhandenen Kanäle offenzuhalten und immer wieder ein offenes Gespräch zu führen. Der ehemalige Fußballer Kohlmeier verhehlte allerdings nicht, dass er die Gründung rein türkischer Fußballvereine für den falschen Weg halte.

Ali Baykus wiederum berichtete, dass er das Wort „Integration“ im Grunde schon längst nicht mehr hören könne. Auch sei er es leid, immer noch Worte, wie „Schafskopf“ oder „Schwarzfuß“ hören zu müssen. Imam Adem Acikgöz – im zweiten Jahr in Nienburg – wies unter anderem darauf hin, dass auch die Türkisch-Islamische Gemeinde mit der Betreuung von bis zu 25 Flüchtlingskindern einen Beitrag zur Integration dieser jungen Leute leiste.

Die in Nienburg geborenen Kinder liefen dagegen Gefahr, von dem, was der Imam lehrt, nicht mehr alles zu verstehen, weil sie längst besser deutsch als arabisch sprechen.

Bürgermeister wünscht Vertrauen in guten Draht

Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes appellierte an den neuen Vorstand, auch weiterhin auf den guten Draht zur Kirche, zur Politik und zur Verwaltung zu vertrauen. Er räumte aber ein, dass dieses Vertrauen immer wieder neuen Belastungsproben ausgesetzt sei.

„Die Angst spielt tatsächlich eine große Rolle“, betonte Imam Adem Acikgöz. „Und auch die Frage: Mit welcher Unterstützung können wir rechnen?“, so Acikgöz weiter.

Superintendent Martin Lechler rief in Erinnerung, dass es auch in Deutschland Zeiten gegeben habe, in denen die Menschen in Massen aus finanzieller Not ausgewandert seien. Auch sie hätten sich in der neuen Heimat ihre Wurzeln und ihren Glauben bewahrt.

Das traditionelle Kinderfest der Türkisch-Islamischen Gemeinde, zu dem alle Nienburgerinnen und Nienburger vielmals willkommen sind, findet am 18. April statt. „Unsere Tür ist immer offen“, hatte zuvor bereits Imam Acikgöz betont.