„Unter uns?“ – Ausstellung im Rathaus

„Unter uns?“ – Ausstellung im Rathaus

Moderator Thomas Gatter mit dem Roman Rose Duo, das den Abend begleitete. Achtermann

Der 1. Sinti Verein Ostfriesland aus Leer ist mit seiner Ausstellung „Unter uns ? – Sinti in Ostfriesland“ auf Reisen gegangen, erste Station ist das Nienburger Rathaus. In Kooperation mit dem Forum für Sinti und Roma Hannover mit Regardo Rose, sind Vorsitzender Michael Wagner und Ingo Lindemann aus Leer nach Nienburg gekommen. „Leer ist der Ort mit dem höchsten Anteil, gemessen an die Einwohnerzahl, an Sinti “, sagt der Vorsitzende und spricht von 700 Sinti. Die Ausstellungsmacher haben sich die Erforschung, Dokumentation und Darstellung der Geschichte der Sinti in Ostfriesland zum Ziel gesetzt. Ingo Lindemann erzählte die Geschichte dieser Ausstellung. Mit 300 Gästen unter Beteiligung von Spitzen des Landkreises und der Stadt Leer, wurden viele zeitgeschichtliche Dokumente zusammengetragen, die jetzt auch im Vestibül des Rathauses noch bis zum 14. Juni zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen sind. Beiträge sind Texte, Bilder und Filme.

„Wir müssen uns wertschätzend annähern, nicht zurückstoßen“, fordert Lindemann. „Mit Hilfe durch die Volkshochschule Leer haben wir fünf pädagogische Kräfte zu Bildungsbegleitern ausgebildet.“ Das alles geschehe in enger Zusammenarbeit mit dem Heimatverein und dem Heimatmuseum in Leer. Unterstützt werden wir in unseren Maßnahmen durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ aus Berlin. „Wir können unsere Kultur, die Kultur der Sinti und Roma nur durch eine bessere Bildung erhalten“, sagt Lindemann vor etwa 30 Zuhörern. Der Verein sei in Leer dankbar für hilfreiche Leute, die vertrauensvoll zusammenarbeiten. In Leer weiß man über die historische Schuld, die rassistische Verfolgung mit Ablehnung und Diffamierung dieser Minderheit. Erst Ende der 1990er Jahre seien Sinti und Roma als Minderheit anerkannt.

„Sinti ist der unbekannte Nachbar in Deutschland“. Lindemann fragt in die Runde: „Warum ist das Sozialamt und das Jobcenter nicht hier? Diese erste Etappe unserer Ausstellung in Nienburg sollte Anlass sein, dem Projekt auch in Nienburg eine Möglichkeit der Verwirklichung zu geben.“

Der Fachbereich Bildung, Soziales und Sport der Stadt Nienburg hat mit dem Arbeitskreis „Gedenken“ diese Veranstaltung organisiert. Thomas Gatter als Moderator des Abends lobte „die tolle Arbeit des Vereins in Leer“. Gatter erinnert an den Artikel 1 des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller Staatlichen Gewalt“. Seine Frage: „Brauchen wir in Nienburg eine Beratungsstelle für Sinti und Roma oder ist die Gründung eines Vereins der Sinti an der Mittelweser das Richtige“? Eine Antwort wurde an diesem Abend nicht gefunden.