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05.08.2021 Von Die Harke

Unternehmensgründungen in Deutschland – Zahlen zur Corona-Krise

Die Corona-Krise hatte teilweise negativen Einfluss auf die Unternehmensgründungen im Jahr 2020. Das geht aus dem aktuellen Gründungsmonitor der KfW-Bank hervor. Vor allem Männer haben von einer geplanten Existenzgründung abgesehen. Mehr als die Hälfte junger Selbständiger hat die Unternehmensgründung wegen Corona abgebrochen. Frauen reagierten allerdings mehrheitlich flexibel und haben sich bei ihrer Existenzgründung kaum von der Pandemie beirren lassen. Auch der Anteil der sogenannten Chancengründungen stieg an. Einseitig negative Auswirkungen wegen des Lockdowns lassen sich nicht nachweisen.

Jedes Jahr führt die KfW-Bank eine repräsentative telefonische Umfrage bei zufällig ausgewählten 50.000 Deutschen durch, die im Voll- oder Nebenerwerb eine Existenzgründung verfolgen. Das umfasst Gewerbetreibende und Freiberufler gleichermaßen. Sowohl getätigte Firmenübernahmen wie auch Neugründungen werden dabei ebenfalls einbezogen. Die Umfrage wird im jährlichen Gründungsmonitor zusammengefasst und liefert einen umfassenden Einblick in die deutschen Gründungstätigkeiten. Für 2020 zeigt der Gründungsmonitor die stärksten Einflüsse der Corona-Krise vor allem bei jungen Selbständigen. Ganze 56 % haben die Existenzgründung wegen der Covid-19-Pandemie abgebrochen. Alle Gründungswerte liegen niedriger als noch im Jahr 2019. Die Vollerwerbsgründungen sanken um 12%, die Gründungen im Nebenerwerb sanken um 11 %. Dass die Werte gesunken sind, liegt vor allem an den männlichen Existenzgründern. Weil von ihnen verhältnismäßig viele ihre Gründungspläne abgebrochen haben, stieg dadurch der statische Anteil von Gründungen durch Frauen sogar an. Während im Jahr 2019 der Gründungsanteil von Frauen bei 36 % lag, wuchs dieser Wert im Jahr 2020 auf 38 %. Dennoch lassen sich die niedrigen Werte nicht allein mit Corona erklären. Das zeigt sich beim Blick auf Statistiken mit länger erfassten Zeiträumen. Generell durchläuft seit dem Jahr 2004 die Gründerquote einen Abwärtstrend. Während im Jahr 2004 noch 2,59 % aller Deutschen im erwerbstätigen Alter eine Existenzgründung wagten, erreichte dieser Wert im Jahr 2020 den absoluten Tiefpunkt von nur 1,04 %. Allerdings lag auch schon im coronafreien Jahr 2018 die Gründerquote bei nur 1,06 %, also bloß geringfügig höher. Es wäre deshalb zu einfach gedacht, die negativen Werte allein mit den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu erklären. Das geht letztendlich auch aus den Daten für 2020 hervor.

Negativen Einfluss auf die Gründerquote hatte vor allem die allgemeine Beobachtung, dass allerlei Selbständige während des Lockdowns in eine existenzbedrohende Lage gerieten. Deshalb sank die reine Planungsquote für eine Gründung von 6,4 % auf 4,4 % ab. Entsprechend wollten nur noch 2,6 % im Vergleich zu 3,2 % im Vorjahr ihre Unternehmensgründung innerhalb der kommenden 12 Monate realisieren. Das bedeutet allerdings keinen allgemeinen Verzicht auf eine Gründung. In den meisten Fällen wird die Gründung nur weiter in die Zukunft verschoben. Schon jetzt steht zu erwarten, dass die Gründungsquote 2021 wieder deutlich ansteigen wird. Diese Annahme kann auch durch eine weitere Beobachtung gestützt werden. Gerade im Krisenjahr 2020 zeigten sich deutlich mehr Menschen (80%) als im Vorjahr motiviert, bei passender Geschäftsgelegenheit in die Selbständigkeit zu wechseln. Der gestiegene Anteil solcher Chancengründungen spricht dafür, dass für das Jahr 2021 die Teilnehmerzahl im Bereich der Existenzgründerseminare sowie die voraussichtliche Gründungsquote optimistisch einzuschätzen sind. Zieht man die Daten des Deutschen Start-up Monitors 2020 hinzu, lässt sich deutlicher erkennen, welche Branchen überhaupt negative Corona-Konsequenzen zu tragen hatten. Wenig überraschend ist, dass vor allem Start-ups in der Tourismusbranche überdurchschnittlich unter der Krise zu leiden hatten. Stark betroffen waren auch Unternehmen aus der Event-, Medien- und Kreativbranche, die Textilbranche sowie Unternehmen mit Schwerpunkt Human Ressources. Wenig betroffen zeigten sich Start-ups aus den Bereichen Bildung, Finanzen, Gesundheitswesen und Pharmazie. Die Covid-19-Pandemie hat sogar einigen Branchen positivere Entwicklungen beschert, als vorhersehbar war. Das betrifft beispielsweise die Felder Nahrungsmittel und Konsumgüter.

Den schädigendsten Einfluss hatte die Corona-Krise vor allem auf Geschäftsabbrüche wegen Unwirtschaftlichkeit. 40 % der erst kürzlich gegründeten Unternehmen mussten im Krisenjahr 2020 ihre Geschäftstätigkeit aus wirtschaftlichen Gründen abbrechen. Zugleich verdeutlicht die Pandemie die Gründerpotentiale von Frauen. Während eine vergleichsweise hohe Männerquote die Gründungspläne niederlegte, waren 52 % aller Gründerinnen in der Lage, ihre Geschäftsmodelle kurzfristig an die Krisensituation anzupassen und zu verändern. Daher zeigen die Zahlen zur Unternehmensgründung von Frauen keine relevanten negativen Auswirkungen durch die Pandemie. Überraschend ist das, weil statistisch besehen sehr viel mehr selbständige Frauen als Männer mit Einschnitten in den Lebensstandards, Existenznöten und Umsatzeinbußen zu kämpfen hatten. Die allgemeine Wirtschaftskrise hatte außerdem Auswirkungen auf etablierte Großunternehmen. Dass die Kurzarbeit eingeführt wurde, verhinderte wohl auch Notgründungen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Allgemein haben im Krisenjahr vor allem Personen mit besonders beharrlichen und zuversichtlichen Einstellungen ihre Ziele verfolgt. Auffällig ist bei der erkennbar krisenresistenten Gründungsqualität von Frauen eine Zahl aus dem Deutschen Start-up Monitor. Nach wie vor sind rund 85 % aller Start-up-Gründer vor allem Männer. Der Frauenanteil erreichte ausgerechnet im Krisenjahr 2020 seinen bisherigen und dennoch bescheidenen Spitzenwert von 15,9 %.

Aus dem Gründungsmonitor geht dabei klar hervor, dass die Selbständigen trotz aller Hürden des Lockdowns keineswegs die Corona-Krise als größtes Problemfeld beurteilten. Die schlechtesten Schulnoten vergaben die Selbständigen für die staatlichen Reglements. Die negativste Note von 4,6 bekamen die bürokratischen Anforderungen zu den Berichts- und Informationspflichten. Das Missfallen an der steuerlichen Belastung Selbständiger liegt mit Schulnote 4,4 nur wenig höher. Insgesamt erhielten die gesetzlichen Regelungen für Selbständige die Note 4,3. Damit erleben die Gründer den Standort Deutschland vor allem wegen der vom Staat geregelten Bedingungen als unattraktiv. Die Kreditverfügbarkeit (Schulnote 3,7) und die Teilhabe an öffentlichen Fördermitteln (Schulnote 3,3) behielten ihre üblichen Werte und wurden von der Krise nicht beeinflusst. Am positivsten wurden erneut der freie Marktzugang (Note 2,3) und die Beratungsangebote (2,6) bewertet.

Als Fazit lässt sich zusammenfassen: Die Corona-Krise hatte klar erkennbare negative Auswirkungen auf bestimmte Branchen, auf Geschäftsabbrüche wegen Unwirtschaftlichkeit und den Aufschub von Gründungsplanungen vor allem bei Männern. Positiv zeigte sich die Flexibilität und Beharrlichkeit von Frauen im Krisenjahr und einige Branchen konnten sogar Vorteile aus der Krise ziehen. Was den Gründungsstandort Deutschland aus Sicht der Selbständigen behindert, sind – Krise hin oder her – größtenteils die vom Staat vorgegebenen Bedingungen in den Bereichen Bürokratie, Steuern und die allgemeinen gesetzlichen Regelungen.

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Erstellt:
5. August 2021, 14:23 Uhr
Lesedauer:
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