Warpe 31.01.2020 Von Die Harke

„Unterschriften stammen aus der Region“

Bürgerinitative Warpe gegen Großstall widerspricht Samtgemeindebürgermeister

Die Bürgerinitiative Warpe (BI) widerspricht Aussagen von Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer, nach denen die meisten Unterschriften gegen den geplanten Großstall in Warpe nicht aus der Region stammen würden. Meyer habe bei der Oktober-Sitzung des Samtgemeinderats erklärt, dass eine Auswertung der von der Bürgerinitiative übergebenen Unterschriftenlisten ergeben habe, dass 65 Unterschriften aus Warpe stammen würden, etwas über 100 aus der weiteren Umgebung („Bruchhausen-Vilsen und so“) und ungefähr 800 aus Bremen und Hannover sowie sonstige („aus Berlin usw.“).

Nach Darstellung der Initiative stimmt das nicht. Ihre Zahlen würden sich jeweils auf die 1317 Unterschriften beziehen, die der Samtgemeinde bei ihrer Auswertung vorlagen, die Zahl dahinter in Klammern auf die Summe von 1520 Unterschriften, die mit den am 24. Oktober nachgereichten 203 Unterschriften erreicht wurde.

281 (297) Unterschriften kämen nach BI-Angaben aus der nächsten Umgebung (Warpe, Bücken mit den Ortsteilen Calle, Duddenhausen, Dedendorf, Hoyerhagen, Hoya, Wietzen, Asendorf mif dem Ortsteil Graue dazu); 422 (583) Unterschriften kommen aus der näheren Region (bis 20 km Umkreis, also Schweringen, Balge, Blenhorst, Bruchhausen-Vilsen, Engeln, Hilgermissen, Hassel, Eitzendorf, Martfeld, Marklohe, Nienburg, Affinghausen, Schwarme, Pennigsehl und vereinzelte andere); 224 (245) Unterschriften kämen aus der weiteren Region (ab 20 Kilometer), 277 aus den nächstgelegenen Großstädten (also Bremen und Hannover), der Rest aus weiter entfernten Bereichen. Somit stammten 927 (1125) Unterschriften aus der ländlichen Region.

„Wir wunderten uns sehr. War das unsere Unterschriftensammlung, von der er sprach? Ist Warpe die einzige Ortschaft, die unmittelbar an den Betriebsstandort angrenzt? Verlaufen die Stadtgrenzen von Bremen und Hannover ganz woanders, als wir bisher dachten? Oder ist es legitim, die Zahl 277 auf ,ungefähr 800‘ aufzurunden?“, fragt die Initiative in einem offenen Brief: „Alle Warper, die sich mittels Unterschrift gegen die geplante Erweiterung des Rinderzuchtbetriebs Derboven ausgesprochen haben, können froh sein: Weil ihre Adresse die Ortsangabe Warpe enthält, werden sie zu den vermeintlich sehr wenigen Menschen gezählt, die als betroffene Anwohner unterschrieben haben. Pech für alle, die beispielsweise in Calle, Duddenhausen, Dedendorf, Bücken, Hoyerhagen, Graue ebenso (und teils viel näher) davon betroffen sind: Nach der Logik, die der Auswertung unserer Unterschriftensammlung durch den Samtgemeindebürgermeister scheinbar zugrunde liegt, werden sie der nächstgelegenen Großstadt zugeordnet, also wahlweise Bremen oder Hannover. Wie auch alle anderen Stimmen aus der näheren und weiteren Region.“

Wietzen, Asendorf, Hoya, Schweringen, Marklohe, Eystrup, Hassel, Balge seien offenbar zu Stadtteilen von Bremen oder Hannover erklärt worden. Der gesamte Landkreis Nienburg, große Teile des Landkreises Diepholz, des Landkreises Verden, das Oldenburger Land - alles sei Großstadt: „Nur so lässt es sich wohl erklären, dass nach Meinung des Bürgermeisters rund 800 der 1317 Unterschriften von Menschen aus Bremen und Hannover stammen würden, von direkt vor Ort nicht weiter ernst zu nehmende 65. Was sagen zum Beispiel die Landwirte aus Schweringen und Martfeld dazu, die sich durchaus auch von dem Vorhaben betroffen sehen?“

Weiter heißt es: „Da der Bürgermeister aber rhetorisch auch nicht völlig unbedarft ist, gehen wir davon aus, dass er weiß, was er mit dieser Auszählung impliziert, nämlich: dass diese Unterschriften-Sammlung mit Stimmen von Städtern – also, weiß man ja, diesen Leuten, die gar nicht wissen, worum es geht, aber immer jeden Scheiß unterschreiben – aufgebläht wurde, und dass es die weitgreifende Ablehnung in der Region, auf die die BI ständig verweist, gar nicht gäbe. Nach dem Beschluss, die Bauleitplanung weiterzutreiben, ist diese Behauptung ein weiterer Schlag ins Gesicht all derjenigen, die diesen agrarindustriellen Mega-Ausbau nicht wollen. Und wir bleiben dabei: Das ist ein Großteil der Bevölkerung.“

Abschließend schreibt die BI: „Der Umgang mit den Unterschriften erinnert unschön an den Umgang mit anderen störenden Hindernissen. So mit dem Wald, der eigentlich als Biotop geschützt werden sollte: Da der Biotopschutz aufgrund zu erwartender starker Ammoniak-Immissionen nicht mehr gewährleistet werden kann, macht man eine sogenannte Waldumwandlung, nennt also den Wald einfach nicht mehr Wald (und schon gar nicht Biotop), und schon ist das, was erst noch die Planung ein klein wenig gestört hat, kein Problem mehr. Nach der gleichen Logik sind die mittlerweile mehr als 1500 Unterschriften auch kein Hinderungsgrund mehr, wenn man nur alle Unterschriften aus der Region (außer Warpe und Bruchhausen-Vilsen) zu solchen erklärt, die von irgendwelchen Leuten aus der Stad“, die das alles gar nichts angehe, stammen würden.“

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Erstellt:
31. Januar 2020, 14:08 Uhr
Lesedauer:
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