Florian Zellers berührende Tragikomödie „Vater“ ist in Frankreich und England einer der größten Presse- und Publikumserfolge. Am 17. März ist sie im Nienburger Theater zu sehen.Foto: Sabine Haymann

Florian Zellers berührende Tragikomödie „Vater“ ist in Frankreich und England einer der größten Presse- und Publikumserfolge. Am 17. März ist sie im Nienburger Theater zu sehen. Foto: Sabine Haymann

Nienburg 28.01.2020 Von Die Harke

„Vater“ ist ein prämiertes Schauspiel

Berührende Tragikomödie am 17. März im Nienburger Theater

Florian Zeller hat mit „Vater“ ein berührendes Stück über einen alten Mann geschrieben, der an Alzheimer erkrankt ist. Der Autor wurde dafür mit dem wichtigsten französischen Theaterpreis „Moliére“ ausgezeichnet.

Die Landgraf-Inszenierung wurde Ende 2017 mit dem 2. Preis der Inthega ausgezeichnet, nachdem sie auf zahlreichen deutschen Gastspielbühnen große Publikumserfolgen feierte. Am Dienstag, 17. März, um 20 Uhr ist „Vater“ im Theater auf dem Hornwerk zu sehen.

Der 80-jährige André lebt noch allein in seiner Pariser Wohnung und versucht, vor Anne, seiner älteren Tochter, den Eindruck aufrecht zu erhalten, alles sei in Ordnung. Es ist allerdings ganz offensichtlich, dass er allein nicht mehr zurechtkommen kann.

Also organisiert sie für ihn Pflegehilfen, mit denen er sich ständig zerstreitet. Ein alter Mann, für den sich der Alltag mehr und mehr in ein verwirrendes Labyrinth verwandelt, auf der Spurensuche nach sich selbst. Weil seine Wahrnehmung sich immer mehr verschiebt, gerät er in eine Welt, in der seine Biografie nicht mehr gilt, weil die Welt, in der sie entstanden ist, am Verlöschen ist.

Das Besondere an „Vater“ ist die ungewöhnliche Erzählstruktur. Erlebt wird die Handlung nämlich nicht chronologisch, sondern aus der Erlebniswelt des 80jährigen.

Durch diesen hinterhältigen Trick des französischen Erfolgsautors wird der Zuschauer emotional an die Hauptperson gebunden, erlebt mit ihr dieselben Momente des Glücks, teilt mit ihr die Momente des Ausgeliefertseins, erfährt mit ihr die unbegreifbare Veränderung von Personen und Dingen und kann wie sie immer weniger unterscheiden: Was ist Realität, was Wahn oder Wunschvorstellung, was Halluzination oder fixe Idee?

Das klingt nach einem traurigen Theaterabend, aber das Gegenteil ist der Fall. Zellers Text provoziert das Lachen. Die komödiantische Dynamik ergibt sich aus den abrupten Stimmungsschwankungen der Hauptperson.

Da Autor Zeller schreibt nicht erst seit „Die Wahrheit“ einen bühnenwirksamen Theaterknüller nach dem anderen. Er stellt nicht die Krankheit in den Mittelpunkt, sondern Andrés Versuch, dem ihn beunruhigenden Prozess der Verwirrung zu entkommen.

Das Gelächter über Andrés Eigensinn und Wutausbrüche verstummt sofort, wenn man begreift: dieser Mensch kämpft um seine Selbstachtung. Er ist nur deshalb diese unberechenbare, aggressive Nervensäge, weil er versucht, seine Angst vor der fortschreitenden Hilflosigkeit zu verbergen. Die tragikomische Gratwanderung endet erst mit dem Schlussbild, dessen nachhaltig beklemmender Wirkung man sich nicht entziehen kann.

Karten sind erhältlich an der Theaterkasse im Stadtkontor, Kirchplatz 4 in Nienburg, Telefon (0 50 21) 8 73 56, Fax (0 50 21) 87 5 83 56, per E-Mail an theaterkasse@nienburg.de sowie im Internet unter www.theater.nienburg.de. Die Theaterkasse hat montags, dienstags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie mittwochs und freitags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Weitere Termine sind möglich nach vorheriger telefonischer Vereinbarung.

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Erstellt:
28. Januar 2020, 14:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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