Die Arbeit am Schreibtisch nimmt den Bioland-Landwirt Ernst Röhrs besonders im Winter besonders in Anspruch. Foto: Hagebölling

Die Arbeit am Schreibtisch nimmt den Bioland-Landwirt Ernst Röhrs besonders im Winter besonders in Anspruch. Foto: Hagebölling

Reese 23.02.2020 Von Edda Hagebölling

„Vegetarier gab es damals schon“

Ernst Röhrs aus Reese ist Öko-Landwirt seit 1987 – mit 25 fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Ernst Röhrs vom Auehof Reese ist Landwirt in der dritten Generation. Dem Öko-Landbau verschrieben hat er sich jedoch als Erster in seiner Familie. Und das vor 33 Jahren. Bereits 1987 hat sich Ernst Röhrs dem Bioland-Verband angeschlossen. Bewirtschaftet wurden damals 40 Hektar, heute sind es 270.

25 Festangestellte arbeiten für den Auehof Reese, alle überzeugt von der Idee des ökologischen Landbaus. Hinzu kommen zahlreiche Saisonarbeitskräfte, die anzuwerben wird jedoch immer schwieriger. Da sich das Lohngefüge in Polen mittlerweile deutlich verbessert hat, muss Röhrs zunehmend Arbeitskräfte aus Rumänien anheuern. Der Mitarbeiter aus Polen, die bereits seit 25 Jahren immer in der Erntezeit nach Reese kommt und in seiner Heimat als Vermittler tätig ist, kann ihm jetzt kaum noch helfen.

Lieber Biogemüse

Angebaut wird auf dem Auehof mittlerweile hauptsächlich Gemüse. Überwiegend Arten, die mit Maschinen geerntet werden können: Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, Pastinaken, Schwarzwurzeln Handernte, gelbe Beete, rote Beete, Rettich, von Hand geerntet werden Kohl und Kürbisse.

Anfangs gab es auch Tiere auf dem Bioland-Bauernhof von Ernst Röhrs. Aber so gut wie keine Nachfrage. „Es war damals einfach kein Markt für Biofleisch, aber Vegetarier gab es immer schon“, erinnert sich Röhrs noch gut. Und auch Menschen, die immer schon dem Biogemüse den Vorzug gaben.

Das sogenannte Feingemüse, also das Gemüse, das überwiegend von Hand geerntet wird wie Buschbohnen, Tomaten, Gurken oder Salat, steuert der Rosenhof von Harald Mergenthaler und Barbera Blok aus Rehburg-Loccum bei. Mit beiden arbeitet Ernst Röhrs seit vielen Jahren eng zusammen. „Harald Mergenthaler ist ein sehr guter Vermarkter“, so Auehof-Besitzer Röhrs.

Dass es nicht damit getan ist, das ganze Gemüse zu produzieren, liegt auf der Hand. Zusammen mit der Rosenhof GbR hat Röhrs unweit der A2 bei Wunstorf eine Halle gekauft. Von dort aus geht das Gemüse zu Naturkost-Großhändlern in ganz Deutschland. Wichtige Vertragspartner sind der Bio-Großhandel Terra sowie das Naturkost-Kontor Bremen. Dort ist Ernst Röhrs einer von fünf Gesellschaftern.

Sehr erfreulich verläuft nach Angaben des Bioland-Landwirts auch die Zusammenarbeit mit den WEZ-Märkten und deren breiter regionaler Biopalette.

In der zweiten Jahreshälfte wird noch die Edeka Minden-Hannover dazukommen. Um deren Anforderungen gerecht zu werden, plant Ernst Röhrs auf seinem Gelände in Reese eine neue Lager- und Aufbereitungshalle. Er hat mit zwei weiteren Gesellschaftern dafür die Weserbio- Gemüse GmbH gegründet.

Einer der Gesellschafter, Leonard Tille-Reineke, möchte in naher Zukunft auch den Auehof von Ernst Röhrs und seiner Frau übernehmen. Die eigenen Kinder haben sich beruflich anders ausgerichtet.

Nitratbelastung und Gülleverordnung sind für Ernst Röhrs naturgemäß kein Thema. Warum er trotzdem erntet? „Zum einen halte ich mich an eine festgelegte Fruchtfolge und baue alle vier bis fünf Jahre Kleegras an“, so der Bioland-Landwirt.Zum Einsatz komme aber auch Mist von den Höfen, die Röhrs seinerseits mit Gras und Getreide beliefert, organischer Handelsdünger, Komposte und Kartoffelfruchtwasser. Das wiederum werde mit einer Art Güllefass auf die Felder gebracht, sei aber absolut geruchlos und im Bioanbau zugelassen.

Gegen die Läuse, die nach dem milden Winter wieder äußerst zahlreich zu erwarten seien, setzt Ernst Röhrs ein Extrakt des Neem-Baums ein, gegen die ebenfalls wieder zu erwartende Mäuseplage hat er ein ganz anderes Patentrezept:

Da sich Mäuse zunächst im Getreide gütlich täten, wo sie allerdings nicht so viel wirtschaftlichen Schaden anrichten könnten, zieht Röhrs möglichst schon vor der Getreideernte Gräben um seine Gemüsefelder. Mit dem Ergebnis, dass die Mäuse hineinfallen und so zur Beute für Wiesel und Marder werden.

Steigende Nachfrage

Beregnen muss Ernst Röhrs seine Gemüsefelder in trockenen Sommer selbstredend auch. Allerdings möchte er in Zukunft keine Beregnungskanonen mehr einsetzen, deren Wasser zu einem Drittel verdunstet, sondern Düsenwagen, die das Wasser gleichmäßiger und näher am Boden verteilen. Aktuell denkt er auch über den Einsatz von Tropfschläuchen nach, die in der Erde liegen. Sie hätten allerdings den Nachteil, dass sie aus Plastik sind und jedes Jahr erneuert werden müssen. Angesichts der aktuellen Plastikdebatte ein kritisches Thema.

Der Zukunft der Ökolandwirtschaft blickt Ernst Röhrs optimistisch entgegen. Die Nachfrage nach Bioprodukten steige stetig, allerdings seien auch immer mehr herkömmliche Landwirte dabei, über eine Umstellung nachzudenken.

Was Ernst Röhrs kritisch sieht, sind staatliche Förderprogramme zur Umstellung auf ökologischen Landbau. Seine Sorge: Sobald die Politik eingreift, gerät das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage aus den Fugen. Auch würde er es sehr begrüßen, wenn die drei Öko-Landwirtschaftsverbände Bioland, Naturland und Demeter enger zusammen arbeiteten und ein gemeinsames Bio- Logo gestalteten.

Damit könnte verhindert werden, dass die großen Lebensmittelketten die Bio-Verbände – wie bereits geschehen – gegeneinander ausspielen.

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Erstellt:
23. Februar 2020, 07:01 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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