Dieser Seeadler wurde in Drakenburg aufgegriffen. Foto: Brandes

Dieser Seeadler wurde in Drakenburg aufgegriffen. Foto: Brandes

Drakenburg 17.07.2020 Von Stefan Schwiersch

Verletzter Seeadler in Drakenburg aufgegriffen

Ein Anwohner rettet dem Tier womöglich das Leben

Diese Begegnung der außergewöhnlichen Art am vergangenen Mittwoch wird ein Drakenburger wohl so schnell nicht vergessen. In der dortigen Wesermarsch traf er auf einen ausgewachsenen, aber augenscheinlich verletzten Seeadler.

Das majestätische Tier hockte in den frühen Abendstunden auf einem Weidepfahl nahe der Straße „Am Löschplatz“, machte aber selbst bei vorsichtiger Annäherung keine Anstalten, in den sicheren Luftraum zu entschwinden. Irgendetwas stimmte also nicht.

Die verletzte Handschwinge des Seeadlers. Foto: Polizei

Die verletzte Handschwinge des Seeadlers. Foto: Polizei


Der 52-Jährige handelte instinktiv richtig. Er packte den Adler beherzt und doch mit Augenmaß, verfrachtete ihn sanft in eine Box und kontaktierte die Nienburger Polizei. Die Beamten fuhren mit dem unberingten Seeadler in die Wildtierstation nach Sachsenhagen, wo man sich nun fürsorglich um ihn kümmert.

Bislang steht fest, dass der mindestens sechs Jahre alte männliche Seeadler zurzeit nahezu flugunfähig ist. „An seiner linken Handschwinge sind sieben von zehn Federn abgebrochen“, erklärt Dr. Florian Brandes auf HARKE-Nachfrage. Der Tierarzt und Stationsleiter der Wildtierstation ist jedoch zuversichtlich, dass der Adler vollständig genesen wird; unklar ist allein die Dauer des Heilungsprozesses. „Ein Seeadler mausert nicht jedes Jahr“, sagt Brandes. „Es sind zwar Federn im Wachstum, es ist aber unklar, ob sie schon dieses Jahr komplett nachwachsen.“ Den Verlust von zwei, drei Federn an einer Handschwinge könne ein Adler kompensieren, darüber hinaus wird es für den großen Vogel jedoch schwierig, seinen stattlichen Körper aufzuschwingen.

Der Seeadler bleibt in der Wildtierstation Sachsenhagen, bis er wieder flugfähig ist. Foto: Brandes

Der Seeadler bleibt in der Wildtierstation Sachsenhagen, bis er wieder flugfähig ist. Foto: Brandes

Wie der Adler seine Federn verloren hat, ist nicht nachvollziehbar, auch eine Röntgenaufnahme brachte keine nähere Erkenntnis. Das Tier ist nicht beringt, daher ist auch die Herkunft nicht zu bestimmen. Brandes: „Seeadler können entlang der Weser immer mal wieder auftauchen.“

Seeadler können entlang der Weser immer mal wieder auftauchen.

Dr. Florian Brandes, Leiter der Wildtierstation Sachsenhagen

Vorerst wird das Tier aufgepäppelt. Die Verletzung hat ihn offensichtlich etwas Gewicht gekostet, er nahm aber in Sachsenhagen sofort Nahrung an. Das Tier ist ausgefärbt „und somit mindestens sechs Jahre alt und damit erwachsen“, erklärt der Stationsleiter.

Welch majestätisches Tier. Foto: Brandes

Welch majestätisches Tier. Foto: Brandes

Vorläufig wird sich das Tier in einer größeren Voliere aufhalten, die groß genug ist für erste Flugversuche. Nach vollständiger Genesung wird der Herr der Lüfte wieder in sein ureigenes Element entlassen. Vielleicht schaut er dann auch mal in Drakenburg bei seinem Retter vorbei.

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Erstellt:
17. Juli 2020, 09:13 Uhr
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