Nienburg 14.04.2019 Von Die Harke

Viele Flüchtlinge haben kaum eine Schulbildung

Kreishandwerkerschaft: Mindestlohn soll nicht gleich greifen / Deutschkenntnis wichtig für Integration

Die Nachwuchsgewinnung, die Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und die Dieselproblematik waren die Hauptthemen, die Vertreter der Kreishandwerkerschaft Diepholz/Nienburg gemeinsam mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Maik Beermann auf einer Zusammenkunft in der Nienburger Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft erörterten. Die Kreishandwerkerschaft wurde vertreten durch die Obermeister Gunnar Meyer (Maler- und Lackierer-Innung Diepholz/Nienburg) und Rainer Schalwig (Innung Sanitär- und Heizungstechnik Nienburg) sowie dem Geschäftsführer Jens Leßmann. Übereinstimmung bestand auf beiden Seiten, dass die Integration der Flüchtlinge in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nur dann gelingen kann, wenn vor dem Beginn einer Ausbildung ein hinreichendes Sprachniveau bei den Flüchtlingen sichergestellt ist.

Das Handwerk befürchtet, dass durch den Wegfall der Programme Sprint Dual und Sprint, die ein Heranführen an das Sprachniveau B2 bewirken sollten, die Integration in den Arbeitsmarkt deutlich erschwert werden könnte. Sprachniveau B2 bedeutet: Grundaussagen komplexer Texte und Aussagen werden verstanden und können wiedergegeben werden. „Ein solches Niveau ist für das Handwerk zwingende Voraussetzung für eine Ausbildung, denn ansonsten kann schon dem Berufsschulunterricht nicht gefolgt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreishandwerkerschaft.

Nach Auffassung der Kreishandwerkerschaft erscheint es zudem problematisch, wenn für die Beschäftigung von Flüchtlingen gleich der gesetzliche Mindestlohn greifen soll. Ein erheblicher Teil der geflüchteten Menschen weist kaum eine schulische Bildung auf.

Handwerk verunsichert durch Diesel-Problematik

Eine produktive Beschäftigung dieser geringqualifizierten Zuwanderer mit dem gesetzlichen Mindestlohn ist in vielen Bereichen kaum denkbar. Aus diesem Grunde wurde seitens der handwerklichen Vertreter angeregt, eine untere Lohngruppe zu schaffen, die diesen Ausgangsbedingungen gerecht wird. Es bestehe ansonsten die Gefahr, dass die Integration in den Arbeitsmarkt scheitert und eine Beschäftigung in der Schattenwirtschaft gesucht wird.

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene Mindestausbildungsvergütung wird von den Vertretern der Kreishandwerkerschaft kritisch betrachtet, weil es sich hier um einen Eingriff in die Tarifautonomie handele. Die Vergütungen seien in den letzten Jahren wegen des Fachkräftebedarfs bereits erheblich gestiegen. Übereinstimmung herrschte darin, dass die zu erwartende zukünftige gesetzliche Mindestausbildungsvergütung sich am Tarifgeschehen in wirtschaftlich schwächeren Branchen bzw. Tarifbereichen orientieren sollte.

Der Vorschlag, Berufe – wie den Fliesenleger – wieder in die Anlage A der Handwerksordnung aufzunehmen, weil dort mit dem Wegfall der Meisterpflicht die Ausbildungsleistung erheblich zurückgeschraubt wurde, wurde von den Vertretern der Kreishandwerkerschaft begrüßt.

Die Verunsicherung des Handwerks im Hinblick auf die Diesel-Problematik begegnete Maik Beermann mit dem Hinweis auf die neuen Grenzwerte. Beide Seiten sind der Überzeugung, dass hier noch Handlungsbedarf besteht. Beide Seiten wollen weiter im Gespräch bleiben.

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Erstellt:
14. April 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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