Kamiran Al Ahmed schildert, wie es den Flüchtlingen in Nienburg nach der Flucht geht. DH

Kamiran Al Ahmed schildert, wie es den Flüchtlingen in Nienburg nach der Flucht geht. DH

Nienburg 26.11.2016 Von Die Harke

Viele haben ihre Eltern verloren

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Teil 12 der Serie mit dem Syrer Kamiran Al Ahmed

Der letzte Bericht, in dem wir über das Leiden der Kinder (Zeinab, George, Walid und Nidal) geschrieben haben, spiegelt den Zustand der syrischen und sicher auch den aller anderen Flüchtlingskinder wider.

Sie können auch lange nachdem sie hier in Deutschland in „Sicherheit“ sind, nicht über ihre Erlebnisse sprechen, so sehr sind sie traumatisiert und Angst und Stress lösen sich nur sehr langsam auf, wenn überhaupt. Viele haben auf der Flucht ihre Eltern verloren oder die Beziehung ist durch die Erlebnisse sehr belastet. Auch Kontakte zu Freunden, die sie auf dem langen Wege der Flucht kennengelernt haben, gehen durch unterschiedliche Zuweisung in unterschiedliche Gemeinden oder Städte wieder verloren.

Lange Leidenszeit

Die schrecklichen Erinnerungen an Krieg, Leid, Gefangenschaft, Folter und die gefahrenvolle Fluchtroute, insbesondere auch die Überquerung des Mittelmeeres, sowie auch die provisorische Unterbringung in großen Hallen und Zelten haben die Kinder sehr belastet und belasten sie weiterhin, auch wenn sie jetzt mehr „Sicherheit“ haben.

Flüchtlinge leiden auch nach der Flucht weiter, insbesondere Kinder, vom ersten Tag ihrer Ankunft in Deutschland. Der erste große Schock ist die Sprache, nicht mit anderen kommunizieren zu können. Das andere Problem ist der Verlust des Vertrauens in die Menschen, trotz der Unterstützung, die sie von der Bevölkerung und der deutschen Regierung erhalten. Es ist eine komplett andere Welt, die sie noch nicht kennen und die erst mal Angst macht, noch mehr Angst, zusätzlich zu dem vorher erlebten.

Schwere Depressionen, trübe Gedanken, Wahnvorstellungen, der Verlust der Kontrolle kann und hat schon ganze Familien zerstört.

Immer wieder werden Erinnerungen geweckt und sei es nur durch Silvesterknaller oder durch die Sirenen eines Krankenwagens….

Schwere Depressionen, trübe Gedanken, Wahnvorstellungen, der Verlust der Kontrolle kann und hat schon ganze Familien zerstört.

Helfen könnte den Geflüchteten die Wiederherstellung des Vertrauens in das Leben durch psychologische Unterstützung, das Einbeziehen von Spezialisten, die ihnen helfen, über ihre Erfahrungen zu sprechen und sie zu verarbeiten.

Komplikationslose Psychotherapie nötig

Um eine bessere Integration von Kindern in Kindergärten und Schulen zu erreichen, wäre es sinnvoll Psychotherapie für sie schnell und ohne Komplikationen anzubieten.

Jedoch ist es für Flüchtlinge nicht möglich, psychologische Behandlung durch die Krankenversicherung zu erhalten, solange der Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist. Bis über Asylanträge endgültig entschieden ist, können Jahre vergehen.

Grundsätzlich wichtig ist eine beidseitige Offenheit für die jeweils andere Kultur, damit eine erfolgreiche Integration stattfinden kann. Auch die Teilnahme in Sportvereinen und anderen Aktivitäten, wie Musik und Tanz, miteinander kochen in „Begegnung Cafés“, kann helfen, Vertrauen aufzubauen bzw. wiederherzustellen und ein neues Leben zu beginnen.

Mit dieser Serie möchten der syrische Journalist [DATENBANK=791]Kamiran Al Ahmed[/DATENBANK], das [DATENBANK=626]CJD[/DATENBANK] und die Harke am Sonntag sensibilisieren und informieren über das Leben der Flüchtlinge in ihrer Heimat und in Stadt und Kreis Nienburg

Zum Artikel

Erstellt:
26. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 26sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.