Stefan Schwiersch DH

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Nienburg 16.12.2017 Von Stefan Schwiersch

Visionen für den Jugendfußball

Guten Tag

Gestatten Sie, dass ich Sie heute wieder mitnehme in meiner Zeitmaschine. Gleich im Anschluss finden Sie ein längeres Zitat aus einem Interview, zu dem ich Ihnen zwei Fragen stellen werde:

1. In welchem Jahr könnte diese Aussage getroffen worden sein? Sollten Sie richtig liegen – ohne zu mogeln natürlich –, lade ich Sie auf einen frisch aufgebrühten Bohnenkaffee in die Redaktion ein.

2. Wer könnte das gesagt haben? Bei erneut richtiger Vermutung gäbe es noch zartes Gebäck mit Schokoglasur dazu. Das Zitat: „Es gibt viele Sachen, die auffällig sind. Im Kreis Nienburg ist es aber so: Es ist ja ein Witz, dass es hier keine vernünftige Mannschaft gibt, weil das Einzugsgebiet so riesig ist. Für junge Spieler ist es deshalb schon sehr schwer geworden, nach oben zu kommen, weil es ja auch keine Jugendmannschaft gibt, die höher spielt; keine Verbandsjugendliga-Mannschaft, es gibt gar nichts. Es gibt hier für einen 14-, 15-jährigen Spieler ja nicht mal einen Verein, wo er drei- bis viermal die Woche hingehen und mit einer Gruppe halbwegs talentierter Leute vernünftiges Training machen kann. Und das ist ja Voraussetzung, um irgendwie nach vorn zu kommen. Und dadurch gehen die Jungs dem Fußball verloren, weil sie nicht weiterkommen, keine Perspektiven sehen. Mit zweimal Training pro Woche ist jedenfalls nichts zu machen.“

Die Auflösung: Dieses Zitat stammt aus einem HARKE-Interview mit dem Freiburger Trainer (und gebürtigen Nienburger) Volker Finke, und zwar aus dem Jahr 1992.

Das Erschreckende an den Aussagen: Sie sind 25 Jahre später nahezu 1:1 kopierbar und auf das Hier und Jetzt übertragbar. Im gesamten Kreis Nienburg gibt es aktuell keine Jugendmannschaft oberhalb der Bezirksliga, halbwegs vielversprechende Nachwuchsspieler sind zum Abwandern Richtung Havelse, Verden, Rehden oder sonstwohin gezwungen.

Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, wohin die Reise geht. Dieser unser Fußballkreis Nienburg wird erst dann wieder eine sanfte Blüte erleben, wenn im Jugendbereich die Kräfte regional gebündelt werden. Und ich spreche da nicht von zwei Vereinen, die sich zusammentun. Sondern mindestens von Samtgemeinde-Spielgemeinschaften, wie sie beispielsweise seit 2016 in Steimbke praktiziert wird und zumindest durchweg Bezirksliga-Zugehörigkeit bietet.

Ich würde langfristig sogar noch weiter gehen: zwei Jugendzentren, Nordkreis und Südkreis. Meine Überzeugung: Kein alleinstehender Verein wird jemals wieder imstande sein, durchweg höherklassige Jugendligen zu erreichen. Nicht mal in der Kreisstadt.

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Erstellt:
16. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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