Stolzenau 22.12.2019 Von Die Harke

Völkisches Gedankengut nicht unterschätzen

Rechte Bewegungen auf dem Land: Autorin Andrea Röpke referierte im „Haus der Generationen“ in Stolzenau

Die Vorstellung des neuen Buches von Andrea Röpke und Andreas Speit mit dem Titel „Völkische Landnahme“, Untertitel „Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“, würde Interesse hervorrufen, das war nach Angaben der Veranstalter klar. Dass dann aber 65 Besucher ins Haus der Generationen Stolzenau kommen sollten, sei nicht absehbar gewesen.

„Beliebt macht diese Arbeit nicht“, so die Journalistin und Politologin Andrea Röpke. Sie werde, wie auch andere gegen Rechts engagierte Menschen in der Bundesrepublik, auf einer der vielen Listen der Rechtsextremen geführt, und ihr neues Buch, mit dem sie die Verbreitung von Gesinnung und Lebensweise Völkisch-Rechter aufzeigt, sei mit einer außergerichtlichen Welle von Abmahnversuchen überzogen worden.

Doch sie lasse sich nicht einschüchtern: „Wir wollen mit unseren Recherchen wachrütteln und mit dem Angebot von Vorträgen ebenjene Menschen erreichen, die in die Gesellschaft hineinstrahlen.“

Die Zuhörer wachzurütteln, das ist im Mehrgenerationenhaus gelungen. „Es wurde mehr als deutlich, dass rechtsradikale Strömungen nicht nur ein ostdeutsches Phänomen, sondern direkt vor der Haustür zu finden sind. Auch hier in Niedersachsen und im angrenzenden Ostwestfalen leben viele Familienverbände und rechte Bünde die völkische Ideologie“, teilen die Veranstalter mit.

Organisiert wurde der Abend als Kooperationsprojekt des Vereins „Haus der Generationen Stolzenau “ mit der „Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau“ und in der Verantwortung von WABE (Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage).

Worauf die Veranstalter hinweisen: Auch in Dörfern gebe es völkische Aktive, die sich aufgegebene Höfe suchen, um dort rechtsnationales Gemeinschaftsleben zu praktizieren. Sie interessierten sich für ein natürliches Leben, einheimische Tierarten, regionale Traditionen und Vereinsleben und würden nicht selten für „Ökos“ gehalten – bis Rassismus und Antisemitismus zutage treten.

Denn der Begriff ‚völkisch‘ bedeute Ausgrenzung und Ablehnung von allem, was nicht zum eigenen Volk gehöre. Völkische Ideologie entstand Ende des 16. Jahrhunderts, richtete sich vor allem gegen Moderne und Liberalismus und wurde wichtiger Bestandteil des Nationalsozialismus. Aussagen und Strategien der völkischen Rechten gelte es ernst zu nehmen, appellierte Andrea Röpke.

„Wenn wir nicht aufpassen, dann gelingt es diesen Strukturen, viele unserer sozialen Errungenschaften zunichte zu machen“, warnt sie. Ihr Buch ist inzwischen auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

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Erstellt:
22. Dezember 2019, 19:01 Uhr
Lesedauer:
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