23.12.2012

„Voller Hass ins Gesicht getreten“

Eystrup: Jugendbetreuer von jungen Männern schwer verletzt / Gericht sieht Tötungsabsicht

Eystrup (wb). In „menschenverachtender Vernichtungsbereitschaft“, so die Anklage, sollen im Juni zwei junge Männer auf einen Betreuer einer Jugendhilfeeinrichtung in Eystrup eingetreten haben. Seit Freitag müssen sich die 16 und 20 Jahre alten Angeklagten vor dem Landgericht Verden wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten.

Die beiden Verdener sollen sich am 27. Juni gezielt auf den Weg nach Eystrup gemacht haben, um sich mit einem Bewohner der Einrichtung „Feuer und Wasser“ zu prügeln. „Um aggressiver zu werden“, sollen sie zuvor extra größere Mengen Wodka getrunken haben.

Der Betreuer habe eine lautstarke verbale Auseinandersetzung vor dem Gebäude wahrgenommen und die ungebetenen Gäste aufgefordert, das Grundstück zu verlassen, heißt es in der Anklageschrift. Dem seien sie nicht nachgekommen und er habe mit dem Handy die Notrufnummer gewählt. „Ihr ganzer Hass richtete sich nun gegen den Betreuer“, so die Staatsanwältin.

Seinen Namen habe der 32-Jährige noch nennen können, dann soll er von dem damals noch 19-Jährigen einen ersten Faustschlag versetzt bekommen haben. Als sich der 32-Jährige dann nach seinem dabei heruntergefallenen Handy bückte, habe der 16-Jährige den Betreuer „hasserfüllt und in Tötungsabsicht mit voller Wucht ins Gesicht getreten“. „Als wolle er einen Fußball wegtreten“, beschreibt die Staatsanwältin die Intensität weiterer Tritte.

Erst nachdem ein Bewohner einen weiteren Betreuer zu Hilfe geholt hatte, sollen die Täter fluchtartig den Tatort verlassen haben. Als ein Polizeibeamter den 20-Jährigen festhalten wollten, zeigte dieser erhebliche Gegenwehr und verletzte den Beamten. Wegen Widerstandshandlungen stand er zum Tatzeitpunkt bereits unter laufender Bewährung. Inzwischen sitzt er in Untersuchungshaft.

Der als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligte Betreuer erlitt lebensgefährliche Verletzungen, darunter mehrere Frakturen an der Stirnhöhle mit Einblutungen sowie an Nasenbein und Kieferhöhlen. Spätschäden seien noch nicht absehbar, so die Staatsanwältin. Er sei noch heute körperlich und psychisch schwer angeschlagen, erklärte sein Anwalt außerhalb der Hauptverhandlung.

Dieser erste Prozesstag beschränkte sich auf das Verlesen der Anklageschrift und Anträge eines Verteidigers. Unter anderem beantragte er, den 20-Jährigen aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Das Gericht wollte darüber außerhalb der Hauptverhandlung entscheiden.

Am 11. Januar soll der Prozess fortgesetzt werden. Beide Angeklagte wollen sich dann zu den Vorwürfen äußern. Ein Urteil wird nicht vor Februar erwartet.

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Erstellt:
23. Dezember 2012, 00:00 Uhr
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