Gustav Dathe: vom Lehrer in Röcken zum Bienenzüchter in Eystrup. Foto: Heimatverein Eystrup

Gustav Dathe: vom Lehrer in Röcken zum Bienenzüchter in Eystrup. Foto: Heimatverein Eystrup

Eystrup 01.08.2020 Von Horst Achtermann

Vom Dorflehrer zum Zeidelmeister

Über das Wirken des Imkers Gustav Dathe in Eystrup

Der „Historische Pfad Eystrup“ ist eine Idee der Geschichtswerkstatt mit Gerhard Grönke und Horst Müller-Kuntzer. 18 Objekte, die die Grundbausteine des Pfades bilden, sind mit Schildern gekennzeichnet.

So auch an der Strubenstraße 23, das Anwesen des ehemaligen Bienenzüchters Gustav Dathe. Dieses Anwesen steht noch in alter Form, bis auf minimale kleine Veränderungen.

Hier und in der weiteren Umgebung ging der am 15. Mai 1813 in Königshofen bei Eisenach geborene Gustav Dathe ab 1855 der erfolgreichen und europaweit beachteten Bienenzucht nach, schreibt der Heimatverein Eystrup Grafschaft Hoya unter dem Titel: „Vom Dorfschullehrer zum Zeidelmeister“ auf dem Schild am Eingang. Zeideln ist ein alter Begriff für das Sammeln von Honig.

In einem Buch über Friedrich Nietzsche, der in dem Dorf Röcken nahe Lützen in der preußischen Provinz Sachsen, heute Sachsen-Anhalt, aufwuchs, hat Horst Müller-Kuntzer vom Heimatverein Eystrup eine Passage über den damaligen Lehrer in Röcken, Gustav Dathe gefunden. Dathe wurde später als Bienenzüchter in Eystrup bekannt. Schulinspektor an der Schule war Carl Ludwig Nietzsche, der Vater von Friedrich Nietzsche, der Ortsgeistliche.

„Der Geistliche handelt dabei im Auftrag der weltlichen Staatsgewalt“, ist dem Buch zu entnehmen. Seine Einflüsse: Kinder vorzeitig aus der Schule entlassen, Einfluss auf den Lehrplan zu nehmen und die Schule wöchentlich zu inspizieren. Dadurch kam es zu Spannungen zwischen den akademisch ausgebildeten Theologen und den nicht studierten Pädagogen. Dathe bewohnte mit seiner Frau und seinen Kindern das Obergeschoß des Schulhauses.

Gustav Dathe war ein aggressiver, despotischer Mann. „Die psychischen Anforderungen und demotivierenden Begleitumstände seines Berufs“, so heißt es, mögen eine Ursache dafür gewesen sein, dass er sich, wie aus einer amtlichen Chronik über die Röckener Lehrer hervorgeht, „privat und in der Schule in körperlichen Gewalthandlungen erging“.

Verweis und Geldstrafen konnten den Prügelszenen keinen Einhalt gebieten. 1854 wurde er seines Amtes enthoben. In einer Imkerzeitung zu seinem 100. Todestag 1980 war zu lesen: „Wegen eines hartnäckigen Halsleidens war er gezwungen den Lehrerberuf aufzugeben“.

Eine Erinnerungstafel an den Besuch Gregor Mendels in Eystrup angefertigt von Steinmetzmeister Karl Prause aus Neustadt am Rübenberge. Foto: Horst Achtermann

Eine Erinnerungstafel an den Besuch Gregor Mendels in Eystrup angefertigt von Steinmetzmeister Karl Prause aus Neustadt am Rübenberge. Foto: Horst Achtermann

1855 erwarb Gustav Dathe ein kleines Bauerngut in Eystrup – gut geeignet für die Bienenzucht. 1865 war er bereits als Meister seines Faches bekannt. Zehn Jahre lagen zwischen Beginn und Anerkennung. Welches sind nun seine Verdienste? Sie sind zahlreich und auch heute noch von Bedeutung.

Der „Bienenwirt zu Eystrup“, wie sich der Meister selbst zu bezeichnen pflegte, war gleichermaßen fruchtbar in der Erfindung von Werkzeugen, Behelfsmitteln, wie auch der Schriftstellerei und Vortragstätigkeit. Aus seinen Schriften sei erwähnt: „Anleitung zum Italisieren“ (1867) und „Lehrbuch der Bienenzucht“ (1870).

Er stellte aus einer Weiterentwicklung des Berlepsch-Ständers den „Dathe-Stock“ her. Der gemeinsam mit dem Dathe-Rähmchen weite Verbreitung fand, weil alles schlicht einfach und doch zweckmäßig war. Weitere Erfindungen: Schneideform und Rähmchen, Nagelmaschine, Dathepfeife, Wabenzange und zahlreiche Dinge, mit denen wir heute umgehen und die Behandlung unserer Völker erleichtern, schrieb die Imkerzeitung Ende des 19. Jahrhunderts.

Am 24. August 1880 verstarb einer der bekanntesten Pioniere der Imkerei Deutschlands im 19. Jahrhundert im Alter von 67 Jahren. Er hatte im Lebensherbst noch die freudige Genugtuung, dass sein Sohn Rudolf in seine Fußstapfen trat, es entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit.

Das Gedenkschild des Heimatvereins Eystrup am Hofeingang des ehemaligen Bienenzüchters Gustav Dathe am historischen Pfad. Foto: Achtermann

Das Gedenkschild des Heimatvereins Eystrup am Hofeingang des ehemaligen Bienenzüchters Gustav Dathe am historischen Pfad. Foto: Achtermann

In einem Sonderdruck des Mährischen Museums in Brünn im November 1966 wurde ausführlich über die Begegnung des Augustinerpaters Gregor Johann Mendel (1822 bis 1884), der als Begründer der statistischen Genetik bekannt ist, am 10. September 1871 bei Gustav Dathe in Eystrup berichtet. Hier interessierten Dathes Züchtungen únd Kreuzungen mit deutschen und italienischen Bienen. Es wurde der Wirtschaftsstand in der Heide zu Hämelhausen besucht, etwa eine Stunde Wegs von Eystrup entfernt, schreibt das Museum.

Am 10. September 1969 wurde eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Aufenthalt Mendels bei Gustav Dathe im Jahr 1871 am Hause Strubenstraße 23 in Eystrup enthüllt. Die Festlichkeit begann mit Vorträgen über die Persönlichkeit Mendels und über neue Ergebnisse der Mendelforschung.

Ein Orgelkonzert mit Kirchenmusikdirektor von Schwartz aus Verden in der Dorfkirche unter anderem mit einer nicht gedruckten Choral-Fantasie des Komponisten Janacek aus dem gleichnamigen Museum in Brünn. In der Schule wurde den etwa 60 geladenen Gästen anschließend sämtliche Werke Mendels aus der Universitätsbibliothek Göttingen und Veröffentlichungen von Gustav Dathe aus dem niedersächsischen Landesinstitut für Bienenforschung in Celle und Berichte über Mendels Besuch in Eystrup gezeigt.

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Erstellt:
1. August 2020, 16:07 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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