19. Januar 1919 in Berlin, Wahllokal an der Barbarossastraße – demokratische Wahlen, Frauenwahlrecht und antisemitische Ausschreitungen dominieren in den Schlagzeilen. Archiv Museen Tempelhof Schöneberg

19. Januar 1919 in Berlin, Wahllokal an der Barbarossastraße – demokratische Wahlen, Frauenwahlrecht und antisemitische Ausschreitungen dominieren in den Schlagzeilen. Archiv Museen Tempelhof Schöneberg

Nienburg 26.10.2018 Von Die Harke

Vom Ersten Weltkrieg bis zu Pogromen

Bedeutsame Tage deutscher Geschichte im Mittelpunkt des Gedenkens vom 9. bis 11. November

80 Jahre nach den Novemberpogromen von 1938 und 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges lädt der Arbeitskreis „Gedenken“ der Stadt Nienburg vom 9. bis 11. November zu einer Reihe von Gedenkveranstaltungen ein. Dazu heißt es in einer Pressemitteilung: „Wenige aufeinanderfolgende Daten sind wohl so bedeutsam für die deutsche Geschichte wie diese drei Tage im November. Am 9. November gab im Jahr 1848 die Erschießung von Robert Blum das Signal für das Scheitern der Märzrevolution, 1918 dankte Kaiser Wilhelm II ab, und Philipp Scheidemann rief die Weimarer Republik aus, 1923 griff Hitler mit dem Marsch auf die Münchener Feldherrenhalle in München erstmals nach der Macht, 1938 begann mit den Novemberpogromen die Vernichtung der jüdischen Gemeinden, 1989 schließlich wurde an diesem Schicksalstag die Mauer geöffnet und damit das Ende der DDR besiegelt.

Am 10. November 1914 ereignete sich die Schlacht bei Langemarck, in der auf deutscher Seite etwa 2000 mehrheitlich jugendliche Kriegsfreiwillige geopfert wurden: Ihr Tod wurde von der Kriegspropaganda der Wehrmacht zum „Mythos von Langemarck“ hochstilisiert. Und am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit dem Waffenstillstand von Compiègne.“

An diese geschichtlichen Zusammenhänge erinnert der Arbeitskreis „Gedenken“ vor allem am bevorstehenden 9. November. Um 15 Uhr gestaltet der Evangelische Kirchenkreis Nienburg auf dem Jüdischen Friedhof an der Bruchstraße eine Andacht mit Pastor Marco Voigt.

Um 17 Uhr ruft der Arbeitskreis zur Teilnahme an dem jährlichen Erinnerungsritual an der Tafel für die jüdische Gemeinde Nienburgs auf. Um 18.30 Uhr schließt sich im Foyer des Theaters auf dem Hornwerk die Verleihung des Elisabeth-Weinberg-Preises an. Bürgermeister Henning Onkes wird als einer der Schirmherren des Preises die Ehrung der Preisträger vornehmen.

Unmittelbar nach der Preisverleihung beginnt um 20 Uhr das Theaterstück „Oskar Schindlers Liste“ von Florian Battermann. Dabei handelt es sich um die Welt-Uraufführung der dramatischen Bühnenfassung der bekannten Geschichte des Unternehmers, der während des Holocaust mehr als 1200 Juden vor dem Tod im Vernichtungslager rettete.

Für Samstag, 10. November, ist eine gemeinsame Aktion der „Stolperstein“-Patinnen und -Paten auf dem Nienburger Wochenmarkt geplant. Das „Stolperstein“-Projekt will damit auf seine Arbeit aufmerksam machen und diese Form dauerhaften Gedenkens erneut in die Öffentlichkeit tragen.

Am Sonntag, 11. November, dem drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, widmet die Nienburger Kirchengemeinde Sankt Martin ihren 10-Uhr-Gottesdienst der Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges. Den Gottesdienst leitet Pastor Marco Voigt, Kantor Christian Scheel wird ihn an der Orgel musikalisch begleiten.

Auch mit einer Ausstellung im Rathaus erinnert der Arbeitskreis „Gedenken“ an die historische Bedeutung der Novembertage: Unter dem Titel „Antisemitismus und die Novemberrevolution“ thematisiert sie das Ende des Kaiserreiches und die erste demokratische Nationalverfassung in Deutschland, mit der erstmals auch das Frauenwahlrecht durchgesetzt wurde. Dazu heißt es weiter: „Doch die Niederlage im Ersten Weltkrieg brachte zugleich auch eine Welle des Antisemitismus hervor, der dem Holocaust den Weg bereitete. Diese Entwicklung zeichnet die Dokumentation nach, die den ganzen November über zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden kann.“

Der Arbeitskreis „Gedenken“ hofft, mit der Vielfalt an Veranstaltungen den geschichtlich denkwürdigen Tagen im November gerecht zu werden und weite Kreise der Bürgerschaft anzusprechen.

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Erstellt:
26. Oktober 2018, 21:00 Uhr
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