Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller. Büsching / Archiv

Superintendentin Dr. Ingrid Goldhahn-Müller. Büsching / Archiv

Stolzenau/Südkreis 23.10.2018 Von Die Harke

Vom Thesenstreit zum Fest für alle

Der 31. Oktober ist nun ein Feiertag – wo sind Reformationen nötig? / Interview-Gottesdienst in Stolzenau

120 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen, 17 Enthaltungen – Mit solch klarem Ergebnis beschloss der niedersächsische Landtag am 19. Juni kurz vor der Sommerpause, den Reformationstag als neuen staatlichen Feiertag einzuführen. Das große Reformationsjubiläum 2017 und die Tatsache, dass Niedersachsen mit der Zahl seiner gesetzlichen Feiertage hinter anderen Bundesländern zurücksteht, war bei der Abstimmung von großer Bedeutung. Der klaren Entscheidung gingen allerdings leidenschaftliche, höchst kontroverse Debatten voraus. So erinnerten die jüdischen Gemeinden an judenfeindliche Aussagen Martin Luthers, und die katholischen Bischöfe votierten für den Buß- und Bettag als neuen arbeitsfreien Tag.

Dr. Ingrid Goldhahn-Müller, Superintendentin des hiesigen Kirchenkreises Stolzenau-Loccum, ist überzeugt, dass gerade der Reformationstag das Potenzial hat, innerkirchlich und gesamtgesellschaftlich über ein neues Miteinander ins Gespräch zu kommen. „Mit ihrer Unterscheidung zwischen Kirche und Staat wurde die Reformation ein zentrales Datum in der Ausbildung der modernen Grundrechte von Religions- und Gewissensfreiheit“, führt sie aus. „Freiheit eines Christenmenschen, Mündigkeit, Gewissensfreiheit, Bildung für alle, Widerstandsrecht und Frühformen der Demokratie: All diese Güter, die für unser Gemeinwesen heute so unverzichtbar und selbstverständlich sind, wurden durch Luther und seine Mitstreiter hart erkämpft.“

Und schließlich, so die Theologin, seien alle gesellschaftlichen Bereiche, alle Kirchen, Konfessionen und Kulturen auf kontinuierliche Reformen, Erneuerungen und Verbesserungen angewiesen. Stärker als in früheren Jahren, so hob Landesbischof Ralf Meister hervor, solle der 31. Oktober von nun an religionsübergreifend, ökumenisch und weltoffen gegangen werden. Der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag sei eine Chance, über große übergreifende Fragestellungen wie Freiheit, soziales Miteinander und das Miteinander der Religionen ins Gespräch zu kommen.

Im Gottesdienst an St. Jacobi in Stolzenau am 31. Oktober um 10 Uhr erwarten die Superintendentin und Pastor Hans-Werner Müller zwei prominente Vertreter aus Politik und Kirche im Südkreis: Jens Beckmeyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Mittelweser, und Pfarrer Christoph Konjer von der katholischen Christopherus-Gemeinde sind zum Interview bereit und werden aus ihren Verantwortungsbereichen darlegen, wo „Reformation heute“ besonders dringend erscheint.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind zu dieser besonderen Stunde eingeladen, in der auch zwei Sätze aus der Sonate G-Dur KV 11 von Wolfgang Amadeus Mozart durch Evelyn Harcke, Berit Hummel und Kreiskantor André Hummel erklingen.

Im Anschluss gibt es ein Suppenessen im Gemeindehaus.

Pastor Hans-Werner Müller. Büsching / Archiv

Pastor Hans-Werner Müller. Büsching / Archiv

Samtgemeindebürgermeister Jens Beckmeyer. Büsching / Archiv

Samtgemeindebürgermeister Jens Beckmeyer. Büsching / Archiv

Pfarrer Christoph Konjer. Büsching / Archiv

Pfarrer Christoph Konjer. Büsching / Archiv

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Erstellt:
23. Oktober 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

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