07.04.2013

Vom Widerstand gegen rabiate Sojabauern

Morgen Dokumentarfilm im Kulturwerk

Nienburg. Der Fahrer des Traktors wird jeden Augenblick damit beginnen, das Pestizid Roundup zu versprühen. Entschlossen rennen Männer, Frauen, Kinder durch kniehohe Sojapflanzen auf ihn zu, um ihn zu stoppen. Die Polizei rückt an, die Situation droht zu eskalieren. Einer der Kleinbauern erklärt, warum sie nicht weichen werden, bis der Traktor umkehrt: „Das ist ein Angriff auf unsere Gesundheit und das Leben unserer Gemeinde, den wir nicht länger dulden.“

Zu sehen ist der Film „Raising Resistance“ am morgigen Montag, 8. April, um 20 Uhr im Nienburger Kulturwerk. An der Abendkasse wird ein Eintritt von acht Euro erhoben. Mit dieser Szene beginnt der Dokumentarfilm „Raising Resistance“ über den Widerstand der Kleinbauern und der Landbevölkerung in Paraguay gegen die immer größer werdenden Sojaplantagen. Die gigantischen Monokulturen verdrängen die Campesinos, die traditionell Selbstversorger sind. Allein in den letzten zehn Jahren mussten 90 000 Familien ihr Land aufgeben, um in den Elendsvierteln der Hauptstadt zu landen. Der Landkonflikt ist das brennendste soziale Problem in Paraguay. 80 Prozent der Ackerfläche befindet sich im Besitz von zwei Prozent der Bevölkerung – eine der ungerechtesten Landkonzentrationen weltweit.

Der Film erzählt auch davon, dass Sojabauern Schlägertrupps anheuern, um ganze Gemeinden zu bedrohen, Aktivisten umzubringen. Und Landbesetzer landen im Gefängnis.

Die beiden Regisseure Bettina Borgfeld und David Bernet haben nicht nur ein genaues Bild der Campesinos gezeichnet, sondern auch der Sojaanbauer.

Vertreter des Gentechnikkonzerns und der Spekulanten sprechen offen über ihre Probleme mit der Gentechnik-Soja: zunehmender Pestizidverbrauch, immer mehr resistente Unkräuter, denen sie nicht mehr Herr werden.

„Das kranke System Wachsen oder Weichen treibt auch die Großbauern mit ihren Monokulturen in immer größere Abhängigkeiten von der Agrarindustrie; den Campesinos raubt es die Existenzgrundlage“, heißt es in der Pressemeldung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Nienburg. Beschämend sei die Entwicklung, dass Börsenspekulanten Regeln und Planungssicherheit für Agrarrohstoffe forderten, während das agrarindustrielle System weder Mensch noch Natur respektiere.

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Erstellt:
7. April 2013, 00:00 Uhr
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