04.11.2012

Von Freiheit, Liebe, Trauer und Tod

„Benkshaft“ spielt am 10. November im Nienburger Quaet-Faslem-Haus / Eintritt frei

Nienburg (DH). Einer der Höhepunkte des diesjährigen Gedenkzyklus zum 9. November ist das Konzert der Gruppe „Benkshaft“ im Quaet-Faslem-Haus. „Benkshaft“ heißt Sehnsucht, und der Name ist Programm für die jüdisch-christliche Musikgruppe aus Hameln und Umgebung.

Mit ihren gefühlsbetonten, oft leidenschaftlichen Liedern greifen die Musiker tief in die Schatzkiste der jiddischen Alltagskultur. Sprichwörter, Redensarten, Flüche und Segenssprüche spiegeln die Widersprüche und Erfahrungen der jüdischen Welt vor allem in Mittel- und Osteuropa wider. Damals wie heute sehnen sich die Menschen nach Freiheit, beständiger Liebe und Anerkennung durch die Mitmenschen. Damals wie heute wird ihnen das nicht selten verwehrt: was bleibt, ist das Sehnen oder auch die Utopie.

Die Identifikation mit diesen Elementen der jüdischen Kultur verbindet die vier Musiker, die ursprünglich die Gruppe „Benkshaft“ gründeten. Der Sänger Uwe Wolandowitsch war lange Mitglied der Musikgruppe „Schalom“ der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hameln. Der Pianist Petr Chrastina, in Tschechien geboren, machte 1989 seinen Abschluss als Dirigent und Klavierlehrer an der Musikhochschule Hannover und ist seit 1984 als Chorleiter für mehrere Chöre tätig. Die Lübeckerin Cora Maria Bromund ist eine virtuose Gitarristin, die seit 1975 viele eigene Lieder geschrieben hat und als Liedermacherin auch Solokonzerte bestreitet. Perkussionist Edgar Lieser kommt aus Trier und entdeckte schon als Junge sein Talent für das Schlagzeug.

„Benkshaft“ blieb nicht ohne Krisen – wie im wirklichen Leben. Ende 2009 löste sich die Band kurzzeitig auf, fand aber vor einem Jahr wieder zusammen. Seitdem basteln sie wieder gemeinsam an den musikalischen Träumen von einer besseren Welt, ohne gleichwohl die reale Welt des Alltags zu ignorieren. Im Jiddischen gibt es dafür ein Wort – chalojmes – und so haben die Hamelner ihr Konzertprogramm überschrieben. Schlichte und sensible Arrangements, zweistimmiger Gesang, die kraftvolle, ausdrucksstarke Sprache des osteuropäischen Judentums prägen die chalojmes und schaffen ein Musikerlebnis, das man so schnell nicht vergessen wird. „Benkshaft“ spielt am Samstag, 10. November, um 17 Uhr im Quaet-Faslem-Haus. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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Erstellt:
4. November 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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