Gesimse erinnern in Nienburg an die Weserrenaissance.

Gesimse erinnern in Nienburg an die Weserrenaissance.

05.04.2015

Von Utluchten und Voluten

Architektonische Besonderheiten in der Region / Heute: die Weserrenaissance

Von Michael Duensing

Nienburg. Eine aktive Bautätigkeit im 16. und 17. Jahrhundert hat auch im Landkreis Nienburg und darüber hinaus deutliche Spuren hinterlassen. Herausragende Bauwerke sind entstanden, die im Weserraum unter der Bezeichnung „Weserrenaissance“ zusammengefasst sind. Insbesondere die aufkommende Prosperität der damaligen Zeit, etwa zwischen 1520 und 1620, ist verantwortlich für prachtvolle Schlösser, Rathäuser und Gehöfte. Auffällige architektonische Stilistiken bilden die so genannten „Utluchten“. Dabei handelt es sich um einen vom Boden aus gebauten, hervorspringenden Erker. Auch in Nienburg gibt es diese Utluchten. An der Langen Straße befindet sich derzeit ein Wohn- und Geschäftshaus im Bau, auch dort wird die historische Utlucht wieder zu sehen sein, wie sie einst das Wiesensche Haus zierte. Das historische Rathaus Nienburgs (etwa 1533) verfügt über eine zweigeschossige Utlucht. Im Lapidarium des Nienburger Museums an der Leinstraße 4 ist eine vollständige Utlucht aufgebaut, aber auch beispielsweise ein Fassadengesims, ein Hausstein oder eine Volutenverzierung eines Hausgiebels sind ausgestellt. Bei einer Volute handelt es sich um ein schnecken- oder spiralförmiges Schmuckelement, das charakteristisch ist für die Zeit der Weserrenaissance. In der Pfarrkirche St. Martin in unmittelbarer Nähe zum Rathaus gibt es ebenfalls zahlreiche Exponate aus dieser Zeit zu sehen, beispielsweise die Epitaphien (Grabdenkmäler).

Weitere wichtige architektonische Sehenswürdigkeiten im Landkreis Nienburg sind das Schlosstor in Drakenburg (1617) oder das Rittergut Brokeloh (Baubeginn 1545). In der Mittelweser-Region zählen zudem beispielsweise das „Neue Haus“ des Schlosses Petershagen (1560) oder der Erbhof Thedinghausen (1619/20) ebenfalls zur Weserrenaissance. Die Neorenaissance im 19. und 20. Jahrhundert brachte zudem das Alte Amtsgericht in Petershagen (1913) oder das Schloss Etelsen (1886) hervor.

Diese und viele weitere Bauwerke, Denkmäler und Sehenswürdigkeiten werden unter der 1989 gegründeten „Straße der Weserrenaissance“ gebündelt. Die Mittelweser-Touristik bietet ein Faltblatt an, das an der Langen Straße 18 in Nienburg erhältlich ist. Oder unter www.mittelweser-tourismus.de.

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Erstellt:
5. April 2015, 00:00 Uhr
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