Von der Diakonin zur Pastorin

Von der Diakonin zur Pastorin

Diakonin Angela Thies aus Wietzen will Pastorin werden. Niss

Die Diakonin Angela Thies aus Wietzen absolviert seit Anfang April eine praktische Ausbildung zur Pfarrverwalterin in der Liebenauer St. Laurentius-Kirchengemeinde bei Pastor Bernd Niss. Die studierte Religionspädagogin möchte im nächsten Jahr eine Kirchengemeinde übernehmen und als Pastorin arbeiten. Bis dahin lernt sie die pastoralen Aufgaben kennen. Im Festgottesdienst am Pfingstsonntag, 20. Mai, um 10 Uhr in der St.-Laurentius-Kirche wird sie offiziell in der Gemeinde begrüßt. Als berufserfahrene Diakonin sind der 48-Jährigen viele Arbeitsbereiche in einer Kirchengemeinde sehr vertraut. Sie hat lange Konfirmandenarbeit gestaltet, ebenso kennt sie die Gemeindearbeit mit Kindern und Senioren. Seit ihrer Ausbildung zur Prädikantin ist sie bereits vielen Menschen im Kirchenkreis als Predigerin in den Gottesdiensten bekannt.

„Besonders die Kasualien, also Taufen, Trauungen und Trauerfeiern, gehören ja nicht zum Aufgabenbereich einer Diakonin. Hier sammle ich jetzt in Liebenau und Wellie meine Erfahrungen“, sagt Thies. Es ist ihr ein Anliegen, Menschen auch in schweren Stunden zu begleiten. Darum gehörte sie zu denen, die im Landkreis den Palliativstützpunkt mit aufgebaut haben, zu dessen Aufgaben die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen gehört. Zudem hat sie sich im Bereich der Trauerbegleitung besonders fortgebildet.

Für die Ausbildung und die künftige pastorale Arbeit hat Thies ihre Stelle als Diakonin in der St.-Remberti-Kirchengemeinde in Bremen aufgegeben. „Mein Schwerpunkt war da zuletzt die Arbeit mit Senioren. Ich habe ja einen wunderbaren und vielfältigen Beruf und freue mich, dass er mir immer neue Bereiche bietet, die mich interessieren,“ sagt die künftige Pfarrverwalterin.

Pastor Niss, der sie als Mentor in diesem Jahr begleitet, findet den Titel zu sperrig. „Pfarrverwalterin – das klingt doch nach staubigen Akten und Ärmelschonern“, sagt er mit Augenzwinkern: „Dabei geht es hier um die Begeisterung für die Menschen und um die Begleitung bei wichtigen Lebensfragen.“ Allerdings gibt er zu, dass es neben der seelsorgerlichen Arbeit und der Verkündigung natürlich auch Akten und Verwaltungsvorgänge gibt, die Thies jetzt kennenlernen wird.

Die 48-Jährige ist in Wietzen aufgewachsen und hat in der St.-Gangolf-Gemeinde ihre Leidenschaft für den Glauben und die Kirche entdeckt. Nach einer Ausbildung zur Krankenschwester hat sie in Hannover Religionspädagogik studiert und als Diakonin in Seckenhausen, Bruchhausen-Vilsen und Bremen gearbeitet. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

In Niedersachsen werden künftig Pastorinnen und Pastoren für die Pfarrämter fehlen. Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers bemüht sich, den drohenden Pfarrermangel abzumildern, indem sie erfahrene kirchliche Mitarbeiter zu Pfarrverwaltern und Pfarrverwalterinnen ausbildet, die dann als Pastoren oder Pastorinnen tätig werden. Die Zusatzausbildung besteht je zur Hälfte aus der Mitarbeit in einer Kirchengemeinde und aus theologischer und theoretischer Fortbildung in Kursen und Selbststudium.